Trockenheit

12. September 2018 19:33; Akt: 12.09.2018 19:33 Print

«Gab noch nie so viele abgemagerte Igel»

Trotz Herbstbeginn fehlt es den Igeln an Wasser. Tierschützer rufen deshalb dazu auf, Wasserbehälter in den Garten zu stellen.

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Auch wenn Regen gefallen ist und das Feuerverbot vielerorts wieder aufgehoben wurde: Die Igel leiden weiterhin unter der starken Trockenheit. Die Wasserquellen für die Wildtiere werden immer weniger. «Es gab noch nie so viele abgemagerte und geschwächte Igel wie dieses Jahr», sagt Bernhard Bader, Geschäftsleiter der Schutz-Vereinigung Pro Igel.

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Der fehlende Regen im Sommer hat den Boden dermassen ausgetrocknet, dass es den Tieren an Nahrung fehlt. «Igel sind Insektenfresser. Larven und Kleintiere gibt es aber durch die Trockenheit bis 40 Zentimeter unterhalb der Bodenfläche keine.»

Mit Füttern ist Vorsicht geboten

Der Insektenbestand wird sich laut Bader dieses Jahr nicht mehr verbessern. Manche Gegenden in der Schweiz wie das Fricktal hätten bis heute keinen anhaltenden Regen abbekommen und die Insekten fehlten. Damit sei die Lage der Igel immer noch prekär.

Eingerichtete Wasserstellen für Igel könnten Abhilfe schaffen: Der Experte empfiehlt, ein Schälchen mit Wasser und Katzentrockenfutter in den Garten zu stellen. Bader warnt aber davor, permanente Futterstellen mit Katzenfutter einzurichten. Es sei wichtig, gezielt zu füttern: «Igel sind Gewohnheitstiere und tauchen in der Regel immer zur gleichen Zeit auf.» Wenn der Igel gefressen habe, sollte der Napf wieder versorgt werden, so der Experte. «Durch den Futternapf werden sonst Füchse, Marder und Katzen angezogen und Krankheiten und Parasiten verbreitet. Das kann im schlimmsten Fall eine ganze Igelpopulation auslöschen.»

Rudolf Wyss, Tierschützer der Wildstation Landshut, rät gänzlich davon ab, den Igeln Futternäpfe bereitzustellen. «Menschen wissen nicht, wann sie damit aufhören sollen, und ein Igel gewöhnt sich schnell daran. Er wird nicht in den Winterschlaf gehen, solange er noch Nahrung in den Gärten findet.» Der Igel soll aber seine Futterquelle selbst suchen und kann das auch. Wichtig sei, dass ein Igel im Herbst 500 Gramm wiege, damit könne er den Winterschlaf überleben. Gegen Wasserquellen in den Gärten von Haushalten hat Wyss nichts: «Von Wasser in den Gärten werden Igel nicht abhängig. Die Situation hat sich aber durch den Tau am Morgen schon beruhigt.»

Auch andere Wildtiere betroffen

Andrea Turnell von der Eichhörnchenstation Buttwil betreut rund 20 Wildtiere, die alle aufgrund des Hitzesommers im August als Jungtiere abgegeben wurden. «Neben Wasserknappheit ist zu wenig Nahrung für die Eichhörnchen verheerend», sagt Turnell. «Tannenzapfen und Bucheckern sind die Hauptnahrungsquelle für Eichhörnchen. Weil sie so dürr waren dieses Jahr, fielen die meisten herunter.»

Für den Winter seien alle Wildtiere, die im Wald leben, schlecht gerüstet. Die Trockenheit des Sommers habe zu wenig Nahrung produziert. «Igeln, die in Gärten leben, kann besser geholfen werden als Eichhörnchen in den Wäldern», sagt Turnell. Eine Möglichkeit sei vielleicht, Nüsse in den Wald zu bringen. Vielmehr könne nicht gemacht werden.


(anp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Moränenhüglers am 12.09.2018 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    Igel sind bei uns willkommen

    Die Wasserschale stand den ganzen Sommer bereit. Ich weiss, was ich den Igeln schulde. Sie schnauseln mir seit Jahren eine grossen Teil der Schnecken weg. Ich sehe an Ihrem Kot, dass sie uns beehren.

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  • Igelfreundin am 12.09.2018 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Erbärmlich

    Ich mache das schon seit einiger Zeit, bloss werden in Riehen am Grenzacherweg seit der Verkehrsumleitung sämtliche vor dem Verdursten und Verhungern bewahrte Igel postwendendend überfahren. Die Gemeinde verschachert seit Jahren stillschweigend ganze Populationem plattgefahrener Igel und sieht keinen Handlungsbedarf; "ist ja bloss die Natur..."

  • Igelfreund am 12.09.2018 21:14 Report Diesen Beitrag melden

    Unterstützt die Igelzentren!

    Dort werden kranke, unterernährte und verletzte Igel (meist gratis) medizinisch versorgt. Die Igel sind Nützlinge und sie sind sowieso in städtischen Gebieten stark gefährdet. Wegen der Autos.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Maria am 13.09.2018 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Zu viele Katzen...

    Ich versuche seit Wochen, die beiden Igel, die regelmässig zum Trinken auf meinen Sitzplatz kommen, auch noch zu füttern. Einer von den beiden ist noch viel zu klein. Aber ich müsste nächtelang Wache halten, um die Katzen fernzuhalten. Ich hoffe auf Regen, denn dann gehen die Katzen nachts nach Hause und die Igel bekommen ihr Futter.

  • Möni am 13.09.2018 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    man sollte es tun

    Hatte 13 Wasserstellen um unser Haus aufgestellt. Rund um mein Bienenhaus waren es 7. Nach dem Regen habe ich sie wieder entfernt.

  • Tara am 13.09.2018 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Erst wenn ich einen sehe

    Da wir sehr viele Katzen haben im Quartier werde ich erst einen Napf aufstellen, wenn ich wirklich einen Igel sehe. Ich möchte nicht eine neue Katzenmama werden ;)

  • Sandra Huber am 13.09.2018 06:56 Report Diesen Beitrag melden

    XXL Igel

    Kann ich so nicht bestätigen: Gestern wieder einen Igel im Garten gesichtet - dieser sah alles andere als schlank aus. Er frisst unsere Schnecken und Larven die wie ich bei der Gemüsernte gestern gesehen hab keines Falls 40 cm tief unten im Boden sind. Wasser stelle ich ebenfalls nicht bereit da wir einen kleinen Gartenteich mit natürlichem flachen Ufer haben. Das Nahrungsangebot hängt wohl eher vom Standort ab?

    • Victoria S. am 13.09.2018 11:56 Report Diesen Beitrag melden

      Sandra Huber

      Seit Mai habe ich keine Schnecken gesehen bis es kürzlich mal ein bisschen geregnet hat. Und meinen Sie, dass XXL Igel keinen Hunger haben und darum können sie alle acht Wochen etwas essen?

    • Seiffi am 13.09.2018 15:28 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Problem

      Leute, das Igelproblem ist gelöst: Sandra Huber hat einen XXL Igel gesehen.

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  • Igelfreund 23 am 12.09.2018 23:54 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Igelfreunde

    Naturnahe giftfreie Gärten mit einheimischen Wildpflanzen braucht der Igel.