Kununu-Umfrage

30. Januar 2018 08:43; Akt: 30.01.2018 09:10 Print

So benoten Schweizer Lehrlinge ihre Arbeitgeber

von V. Blank - Angesehener Mitarbeiter oder billige Arbeitskraft? Eine neue Erhebung zeigt, wie Auszubildende ihre Lehrzeit bei Schweizer Betrieben bewerten.

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Mit ihren Ausbildern zeigen sich Lehrlinge aus der Schweiz zufrieden – sie erteilen ihnen die Note 4,27 von 5. Am besten schneiden die Betriebe jedoch in der Kategorie Respekt ab – dort gibts 4,29 von 5 Punkten, wie eine Auswertung von Kununu zeigt. Wo bekommt man als Lehrling am meisten Lohn? Die Rangliste, beginnend mit Rang 15: Gemüsegärtner/in EFZ, 1217 Franken gibts hier im Schnitt, über die ganze Lehrzeit gerechnet. Je nach Lehrbetrieb kann es (wie bei den anderen Berufen) individuell natürlich mehr oder weniger sein. Rang 14: Obstfachmann/-frau EFZ, Lohn: 1220 Franken pro Monat. Als Gleisbauer verdient man 1223 Franken, das reicht für Rang 13. Rang 12 und 11 gehen an Strassenbauer ... ... und Maurer. Beide bekommen in der Lehre 1225 Franken Lohn. Rang 10: Gebäudereiniger/in EFZ, 1268 Franken Lohn. Rang 9: Pflästerer/Pflästerin EFZ, 1280 Franken Lohn. Rang 8 bis 5 verdienen laut Empfehlung alle gleich viel. Ob Koch/Köchin EFZ ... ... Restaurationsfachmann/frau EFZ ... ... Systemgastronomiefachmann/frau EFZ ... ... oder lernende/r Hotelfachmann/frau EFZ: Man erhält einen Lohn von durchschnittlich 1290 Franken. Platz 4 geht an den Landwirt. Hier gibts im Schnitt einen Lehrlingslohn von 1313 Franken. Auf Platz 3 landet die Lehre für Geflügelfachleute. Diese kümmern sich auf dem Bauernhof, in Brütereien oder auf Geflügelfarmen um die Aufzucht der Hühner. Auf Platz 2 kommen die Winzer. Hier verdient man während der Lehre im Schnitt 1388 Franken pro Monat. Platz 1: Als Grundbauer-Lehrling verdient man laut den Empfehlungen im Schnitt 1548 Franken pro Monat.

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Die Lehre – für die einen ist sie eine motivierende Zeit, für die anderen die reine Tortur. Das zeigt auch eine neue Auswertung des Onlineportals Kununu, auf dem Angestellte ihre Firma benoten und von ihren Erfahrungen berichten können. Das Portal hat 500 Bewertungen von Schweizer Lehrlingen genauer unter die Lupe genommen, um zu sehen, wie sie ihren Ausbildungsbetrieb erleben.

Die Bandbreite der auf Kununu geteilten Erfahrungen ist gross. Ein Confiseur-Lehrling schreibt etwa, dass er sich als günstige Arbeitskraft missbraucht sah, anstatt ausgebildet zu werden. Ein anderer junger Mann, der sich zum Mediamatiker ausbilden liess, beschreibt seine Lehrzeit als «Jahre des puren Horrors». Eine weitere Auszubildende wiederum fühlt sich in der Lehre gelangweilt und spricht von «täglich absolut identischen Aufgaben».

Schöne Zeit oder blanker Horror: Wie hast du deine Lehre erlebt? Erzähl uns von deinen Erfahrungen!

Lehrlinge fühlen sich respektiert

Doch auch positive Erfahrungen sind beim Bewertungsportal eingegangen – wie etwa «Ich gehe gern zur Arbeit» oder «Ich darf selber entscheiden, wann ich komme». «Die Wahrnehmung ist sehr unterschiedlich», sagt Sarah Müller von Kununu, die die Auswertung am Montag am Lehrlingsmarketing-Tag in Baden vorgestellt hat.

Unterm Strich zeichnet die Studie ein positives Bild: Schweizer Lehrlinge bewerten ihre Betriebe im Schnitt mit knapp 4 von 5 Punkten. Die besten Noten erteilen die Auszubildenden in der Kategorie Respekt. «Dass sie sich so stark respektiert fühlen, ist eine gute Nachricht für den Standort Schweiz», so Studienautorin Müller.

«Fehlende Betreuung, mangelnde Unterstützung»

Gute Rückmeldungen erhalten die Betriebe auch in der Kategorie Arbeitszeiten – sie landen auf dem dritten Platz. Dass gerade die Arbeitszeiten so positiv bewertet werden, kann Kathrin Ziltener, Jugendsekretärin der Gewerkschaft Unia, nicht nachvollziehen. Es gebe viele Lernende in der Schweiz, die unter zu langen Arbeitszeiten leiden. «So müssen sie etwa an Tagen Spätschichten machen, auf die ein Tag Berufsschule folgt – das wäre eigentlich verboten», so Ziltener.

Auch vonseiten der Ausbilder – Platz zwei im Ranking – fehle es oft an Aufmerksamkeit. «Die jungen Auszubildenden beklagen sich oft über fehlende Betreuung und mangelnde Unterstützung beim Lernen.» Unterm Strich hänge es aber stark von der Branche ab, ob sich ein Lernender wohl fühle. In sozialen Branchen, etwa in der Pflege oder Betreuung, liege vieles im Argen, so Ziltener.

Weniger Klagen hört die Jugendsekretärin über die Entlöhnung – «obwohl auch diese unserer Meinung nach zu tief ist». Den Lernenden sei offenbar bewusst, dass der Lohn während der Lehre nicht das ausschlaggebende Kriterium sei.

Viele Schwergewichte in den Top 10

Ausgewertet hat Kununu zudem die Bewertungen der einzelnen Lehrbetriebe. Auf die Plätze eins bis drei schaffen es Unternehmen aus der IT-Branche. Doch auch grosse Banken und Versicherungen, die Migros oder die Swisscom sind in den Top 10 zu finden:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr.M am 30.01.2018 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht verwunderlich...

    ...dass die Grosskonzerne gut abschliessen. Da steht auch ein vernünftiges Konzept im Hintergrund. Doch wie sieht es bei all den kleinen Unternehmen aus mit weniger als 10 Angestellten? Diese haben keine Chance in diese Wertung zu gelangen.

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  • justizia am 30.01.2018 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    verfälscht

    bei uns ist diese website gesperrt. und wenn ich von zuhause drsuf gehe sehe ich nur gute bewertungen. bei diesem klima hier drin sehe ich ganz klar das dies gefaked ist.

    einklappen einklappen
  • Maurer am 30.01.2018 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Note

    Wenn man jeden Lehrling befragt hätte die ehrlich antworten würden, wären wir eher bei einer Note von 3.

Die neusten Leser-Kommentare

  • KV Lehrling am 31.01.2018 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    KV Lehrling

    Ich arbeite im Durchschnitt 1-2 Stunden am Tag. Den Rest verbringe ich auf dem WC. Es ist der Horror.

  • bibi am 31.01.2018 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    lehrlinge

    man sollte sich mehr und besser um die lehrlinge kümmern. es ist eine schwierige aber auch aufregender lebensabschnitt. die jungen leute werden erwachsen und müssen schule und praktikum gleichzeitig bewältigen... dazu kommt famile, freundschaften usw... ich finde auch, dass man vermehrt verständnis und hilfe anbieten sollte... vielleicht hätten wir dann weniger junge leute, die die lehre abbrechen !!! die resultate sprechen ja für sich. der staat sollte mehr regelungen zu gunsten der lehrlinge erstellen und evt die kleinen firmen finanziel unterdtützen.unterstützen

  • Marcel Buob am 31.01.2018 07:18 Report Diesen Beitrag melden

    Der Bau ist allen zu empfehlen!

    Ich habe meine Lehre als Stromer auf dem Bau gemacht und die ersten drei Monate nur dem Monteur hinterhergewischt. Er meinte der Bau sei eine Schule fürs Leben und man müsse such wie mit allem als erstes mal die Eier abverdienen. Damals habe ich es nicht verstanden dich heute kann ich es allen nur empfehlen ein gutes Handwerk zu erlernen! Es war eine grossartige Zeit!

  • lena schmid am 31.01.2018 07:17 Report Diesen Beitrag melden

    len

    Ich bin in der Lehre in einem Kleinbetrieb. Ich kann euch sagen bei uns ist es alles Andere als dies was im Artikel beschrieben und gelobt wird. Wir sind der Blitzableiter des Chefs und eine billige Arbeitslraft.

  • Fazitli am 30.01.2018 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Fazit

    Es gibt sie auf beiden Seiten. Schlechte Lehrmeister und schlechte Lehrlinge. Ebenso gute Lehrmeister und gute Lehrlinge.