«Zeig deinen Lohn!»

29. August 2018 08:41; Akt: 29.08.2018 10:18 Print

Sie macht öffentlich, wie viel sie verdient

von Isabel Strassheim - Schon 350 Schweizer haben mit Namen und Foto auf einer neuen Website ihren Lohn veröffentlicht. Sie wollen gegen Lohnungleichheit vorgehen.

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Das Portal Zeigdeinenlohn.ch: Hier kann jeder seinen Monatslohn veröffentlichen. Die Lohntransparenz soll mehr Lohngleichheit bringen. Prost auf die Lohngleichheit: Start der Kampagne «Lohngleichheit ist auch dein Bier» durch den Schweizerischen Gewerkschaftsbund am 13. Juni 2018 in Bern. Auch am Frauenkongress im Januar 2018 in Bern wurde für gleichen Lohn für Männer und Frauen demonstriert. Die Lohngleichheit für Frauen und Männer ist laut Gewerkschaften bei weitem nicht erreicht: Demonstrantinnen mit Pussy Hats am Frauentag (8. März) 2017. Das Thema gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist schon lange präsent. Für Frauen bedeuten niedrige Löhne oft eine Abhängigkeit vom (Ehe-)Partner. Das kann häusliche Gewalt fördern, warnt die Organisation Terre des Femmes. Bei der Kundgebung am 1. Mai 2018 in Zürich ging es auch um Lohngleichheit. Das jedes Jahr erscheinende Lohnbuch sorgt nicht für Transparenz der tatsächlich bezahlten Löhne. Seine Angaben stammen aus Gesamtarbeitsverträgen sowie Empfehlungen und Statistiken schweizerischer Berufs- und Arbeitgeberverbände. Dennoch trägt das Lohnbuch zur Einordnung bei. Sehen Sie im folgenden einen Auszug der alphabetischen Auflistung: : Die geschätzte übliche Entlöhnung für einen Apotheker ab Studium beträgt 6900 Franken im Monat. Es gibt keinen 13. Monatslohn. : Der Mindestlohn für Automechaniker in der Schweiz beträgt laut GAV 4450 Franken ab dem ersten Berufsjahr. Sie verdienen laut dem Lohnbuch 7473 Franken. Seit 2006 ist dieser Wert um 24,1 Prozent gestiegen. Als Bäcker verdient man ab dem ersten Berufsjahr mit GAV 4000 Franken. Das sind 17,9 Prozent mehr als 2006. Ein Credit Manager verdient 10'192 Franken pro Monat. Einen 13. Monatslohn gibt es nicht. Ein 26-jähriger Bauingenieur erhält 6288 Franken pro Monat. Dabei handelt es sich um einen mittleren Lohn. Berufsoffiziere der Armee verdienen nach einer Grundausbildung an der Militärakademie 8192 Franken. Ab dem ersten Berufsjahr im Buchhandel gibts laut GAV 4000 Franken pro Monat. Bei diesem Beruf gibts pro Monat mindestens 8077 Franken. Das Salär für einen Chefarzt beträgt laut Lohnbuch 12'888 Franken. Dieser Wert ist seit 2006 um 3,6 Prozent gesunken. Laut GAV für das Coiffeurgewerbe sollen Coiffeure mindestens 3800 Franken verdienen. 2006 waren es 3200 Franken pro Monat. Dachdecker mit GAV erhalten ab dem zweiten Berufsjahr monatlich 4400 Franken. Für Damenschneider gibts 3740 Franken im Monat. Die Lohnempfehlung für einen Dentalassistenten oder eine Dentalassistentin nach abgeschlossener Grundausbildung lautet 3700 Franken pro Monat. Sie verdienen als Missionschef 13'555 Franken pro Monat und stehen damit an der Spitze des Vergleichs. Im Bild Ex-Botschafter Tim Guldimann. Ab dem fünften Berufsjahr erhält ein Drucker mindestens 4500 Franken pro Monat. : Ein Elektromonteur verdient laut GAV ab dem 2. Berufsjahr mindestens 4650 Franken pro Monat. In diesem Beruf verdient man ab dem 2. Berufsjahr 4050 Franken im Monat. Dabei handelt es sich um eine Lohnempfehlung. Laut dem Lohnbuch verdienen Flugverkehrsleiter ab dem 15. Lizenzjahr 13'106 Franken. : Mitarbeiter mit Berufslehre erhalten im Service laut GAV 4120 Franken. Gelernte Gipser verdienen ab dem zweiten Jahr nach der Lehre 4500 Franken im Monat. 3863 Franken erhält ein Gleismonteur im Monat mindestens. In der finanziellen Steuerung beträgt der Anfangslohn 10'519 Franken. Nach abgeschlossener Ausbildung beträgt der Anfangslohn einer Hebamme 6229 Franken. Seit 2006 ist dieser Mindestlohn um 32,9 Prozent gestiegen. : Ein Journalist verdient nach Lohnempfehlung ab dem 3. Berufsjahr 6440 Franken. Auf dem Bild die Redaktion des «Landboten» in Winterthur (Archivbild). Der Mindestlohn für Kleinkindererzieher ist seit 2006 um 32,7 Prozent auf 4977 Franken gestiegen. : Köche verdienen 4120 Franken ab dem 1. Berufsjahr. Landwirte erhalten laut Lohnbuch mindestens 3800 Franken pro Monat. : Lastwagenchauffeure verdienen vom zweiten bis dritten Berufsjahr 4535 Franken laut Astag-Vereinbarung. Primarschullehrer verdienen laut dem Lohnbuch mindestens 6981 Franken. Ein Pensum beinhaltet 29 Wochenlektionen. Für Maler beträgt der Mindestlohn ab dem zweiten Berufsjahr 4340 Franken. Ab dem vierten Berufsjahr erhält ein Maurer mindestens 5553 Franken. 4070 Franken ist der monatliche Mindestlohn eines Metzgers ab dem ersten Berufsjahr. Ein Papierschöpfer kann mit einem Mindestlohn von 3690 Franken rechnen. Ein Captain verdient bei der Swiss ab dem ersten Dienstjahr mindestens 8898 Franken. Ein Pfarrer oder eine Pfarrerin in der Landeskirche Zürich verdient ab dem neunten Dienstjahr 9084 Franken. Eine Pflegefachperson auf Diplomniveau erhält 5539 Franken pro Monat. Der Anfangslohn nach abgeschlossener Weiterbildung beträgt 6316 Franken. : Ein Polizeigefreiter verdient 5512 Franken pro Monat (Mindestansatz ab Beförderung zum Gefreiten). (Stand: 2017) In diesem Beruf gibts 7992 Franken pro Monat. Der Anfangslohn nach abgeschlossener Ausbildung für einen Rettungssanitäter beträgt 4977 Franken. Wer in der Saline arbeitet, kann mit einem Mindestlohn von 3712 Franken rechnen. Ab dem 22. Altersjahr können Schreiner laut GAV mit einem Lohn von 4430 Franken rechnen. Die Mindestlohnempfehlung für Sozialarbeiter beträgt für Führer eines dreiköpfigen Teams 7285 Franken. (Stand: 2015) Ohne Umsatzbeteiligung erhalten Taxifahrer ab dem zweiten Anstellungsjahr einen Mindestlohn von 3200 Franken. Die Mindestlohnempfehlung für Tierpfleger liegt bei 3500 Franken. Dieser Wert deckt sich mit dem Mindestlohn für Tierpfleger im Jahr 2006. Der Mindestlohn für Gebäude-Unterhaltsreiniger beträgt bis zum dritten Dienstjahr 3422 Franken. : Detailhandelsangestellte verdienen bei Coop und Migros ungefähr 4000 Franken im Monat. (Stand 2017) Mit GAV bekommt ein gelernter Zimmermann im Holzbaugewerbe 4435 Franken pro Monat, rund 5 Prozent weniger als vor 12 Jahren. Seit 2006 ist der Mindestlohn eines SBB-Zugchefs um über 20 Prozent auf 4969 Franken gestiegen.

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Es ist zwar nicht verboten, über den eigenen Lohn zu reden, aber die meisten tun es nicht. Auf zeigdeinenlohn.ch können seit vergangenem Donnerstag alle, die wollen, ihren Monatslohn öffentlich machen. Mit Namen, Foto, Beruf und Alter. Rund 350 haben das bislang schon getan: von der Professorin für soziale Arbeit (brutto 11'500 Franken) über den Landschaftsgärtner (5700 Franken) bis zur Geschäftsleiterin (9167 Franken).

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«Die Idee ist, die Hosen runterzulassen und für eine neue Gesprächskultur über Löhne zu sorgen», erklärt Isabelle Lüthi, Kampagnenleiterin der Unia. Hinter der neuen Plattform stecken verschiedene Gewerkschaften, Parteien und Organisationen. Mit der Transparenz wollen sie mögliche Lohnungleichheiten aufdecken. Um die statistische Vergleichbarkeit von Löhnen geht es der neuen Website dabei nicht, diese erfüllt der Lohnrechner «Salarium» des Bundes.

Frauen kriegen für den gleichen Job 20 Prozent weniger

Gewerkschaften gehen davon aus, dass Frauen in der Schweiz rund 20 Prozent weniger verdienen als Männer mit derselben Funktion. «Lohndiskriminierung trifft aber nicht nur Frauen. Oft sind auch Nicht-Schweizer oder Teilzeitarbeitende betroffen», sagt Lüthi.

Nach Ansicht des Schweizerischen Arbeitgeberverbands ist Transparenz überflüssig, um Lohngleichheit zu gewährleisten. «Geschlechtsneutrale Lohnsysteme mit verschiedenen Lohnstufen, wie sie in der Praxis angewendet werden, reichen aus», sagt Verbandssprecher Fredy Greuter.

Es sei gut fürs Arbeitsklima, wenn die Löhne innerhalb einer Firma offengelegt würden, sagt Nadine Brändli von der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes. «Die Mitarbeitenden wissen dann, dass es nichts zu verheimlichen gibt.» Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Lohnunterschiede erklärbar und gerecht seien. «Transparenz ist ein einfaches und sehr wirksames Mittel gegen Lohnungleichheit, die vor allem Frauen betrifft», betont Brändli.

In der Schweiz werde selten über den Lohn geredet, kritisiert Urs Arnold von der Kampagnenorganisation Campax. Er ruft zusammen mit Gewerkschaften und anderen Organisationen zur Kundgebungfür Lohngleichheit #Enough18 am 22. September in Bern auf.«Das das Thema ein Tabu ist, mag daran liegen, dass das Lohngefälle hier zum Teil sehr hoch ist.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Johnny Guantanamo am 29.08.2018 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Faktoren

    A toll! Posten sie auch gleich alle weiteren Faktoren wie Dienstjahre, Erfahrung, Zusatzausbildungen und -qualifikationen, Motivation, Einsatz und Qualität der Arbeit? Nicht? Aber dann ist es ja völlig Sinnlos...

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  • Sahra am 29.08.2018 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mehr Arbeit weniger Lohn

    Ich W verdiene 2500.- in einer Wäscherei und es ist streng mit Bewegung und schwere lasten tragen.

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  • Donna am 29.08.2018 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    Lohn ist meist Verhandlungssache

    Lohn ist absolute Privatsache. Niemals würde ich meinen Lohn offenlegen. Lohn ist meist Verhandlungssache und es geht niemanden etwas an wie diese Verhandlung ausgegangen ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Afemist am 31.08.2018 00:10 Report Diesen Beitrag melden

    Gewerkschaften gehen davon aus, ... ???

    Wie oft noch müssen wir vom angeblich kleineren Lohn der armen armen Frauen nochmals lesen?????? Die Gewerkschaften sollen nicht "davon ausgehen", sondern endlich FAKTEN LIEFERN. Sonst kommen wir nie über das bierselige Stammtisch-Gestammel hinaus und werden das weinerliche Selbstmitleid der ach so benachteiligten Frauen nie los. Hey, schon möglich, dass Frauen weniger verdienen als wir, ABER die vergangenen 40 Jahre habe ich noch nie eine entsprechende Studie gesehen - nicht mal eine, die von Feministen gesponsert wurde. (Vermutlich, weil die Studie zeigte, dass alles nur heisse Luft ist!)

  • Jjjjeeeeemineeee.. am 30.08.2018 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oooooo..

    Ich arbeite gut 40 Jahre in der untersten Lohnklasse...immer in Altwohnung..hatte nie einen Fünfer Schulden..u.s.w..heute lebe ich glücklich und zufrieden..mit Suzuki Celerio bereise ich die ganze Schweiz..mein fünf Sterne Essen kommt aus dem Rucksack.. habe auch kein Problem über Geld zu reden..aber meine Einstellung wollen nicht alle hören. ( nie mehr ausgeben als rein kommt..)

  • Bertb am 30.08.2018 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es wird zeit,

    eine welt zu schaffen ohne währungen. geld bremst uns alle und wird die zukunft der menschen zerstören. schluss damit, jeder mensch zählt und ist wichtig, nicht das geld.

    • Naiv Fragender am 30.08.2018 21:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bertb

      Woher besorgst du dicht dei Essen dann?

    einklappen einklappen
  • Noob am 30.08.2018 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Protzerei

    Ihr wisst aber schon das das "Statistische Jahrbuch der Schweiz" alle Durchschnittslöhne nach Branche, Alter, Ausbildugsstufe und Dienstjahre angibt. Anstelle wie diese s'Seite jeder das angeben kann was er gerne hätte als das was er tatsächlich kriegt.

  • Rolf am 30.08.2018 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    POLITIKER SIND ÜBERBEZAHLT

    und sind ihren Lohn nicht wert. Wir brauchen neue Köpfe bei den nächsten Wahlen, welche das CH-Volk vertreten, und kein Ämtli-Abzocker-Sammler ist. Das Volk muss wieder auf nicht studierte Personen zurückgreifen, welche näher beim Volk sind und uns nicht an die EU verkaufen.