Sprachgenie

10. November 2017 19:14; Akt: 10.11.2017 19:14 Print

Weisswal kann plötzlich Delfinisch

Ein Weisswal, der alleine unter Delfinen lebt, hat seine eigene Sprache abgelegt und die seiner Mitbewohner übernommen.

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In einem Delfinarium auf der Krim hat ein Weisswal-Weibchen einen besonderen Weg gefunden, um sich in eine Gruppe Grosse Tümmler zu integrieren. Es begann innert zweier Monate nach seiner Ankunft so zu pfeifen wie die Delfine.

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Der Weisswal, auch Beluga genannt, war 2013 ins Delfinarium gebracht worden. Zuvor hatte er in einer anderen Anlage unter seinesgleichen gelebt. Die Ankunft des vierjährigen Weibchens bei den Delfinen verlief allerdings nicht ganz reibungslos. Als es erstmals auftauchte, hätten die Grossen Tümmler verängstigt reagiert, schreiben die Forscher Jelena Panowa and Alexandr Agafonow von der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Weisswal musste sich anpassen

Doch die Angewöhnungszeit dauerte nur kurz, und bald begann der Weisswal, die Pfeiftöne der Delfine zu imitieren. Gleichzeitig gab er nach und nach weniger Weisswal-Geräusche von sich. Während er während der ersten Tage nur für Weisswale typische Geräusche von sich gab, sprach er zwei Monate später Delfinisch.

Umgekehrt funktionierte es allerdings nicht, wie die Forscher beim Vergleich von Tonaufnahmen von vor und nach der Ankunft des Weisswals feststellten. Die Forscher schrieben dazu in ihrer im Fachjournal «Animal Cognition» veröffentlichten Studie: «Während wir in den Äusserungen des Belugas regelmässig Delfin-Pfeiftöne registrierten, fanden wir nur einen Fall, in dem ein Delfin kurze Rufe von sich gab, die denen der Belugas ähnlich, aber nicht mit ihnen identisch waren.»

Die Forscher erklären sich diese Erkenntnis damit, dass der Weisswal sich als soziales Tier alleine unter Delfinen anpassen musste, um in die Gruppe aufgenommen zu werden. Bei den Delfinen gab es diese Notwendigkeit nicht.

Verständnis oder Imitation?

Eines konnten die Forscher jedoch nicht klären: Ob der Weisswal tatsächlich Delfinisch versteht oder nur die Laute seiner Mitbewohner nachmacht. Doch selbst wenn er die Delfine nicht verstand, profitierte er davon, deren Laute zu lernen und von sich zu geben. Auf diese Weise konnte er sich in die Gruppe integrieren und die Beziehung zu den Grossen Tümmlern stärken.

Die Forscher hoffen nun, in einer künftigen Studie herauszufinden, ob und wie viel der Weisswal tatsächlich versteht und ob es sich dabei um einen einzigartigen Fall von komplexer Kommunikation unter zwei verschiedenen Arten handelt.


Weisswale sind bekannt für ihre Imitationskünste. NOC, ein Beluga, der 1977 bis 1999 in Gefangenschaft lebte, zum Beispiel konnte menschliche Äusserungen imitieren. Sein Talent wurde 1984 von Forschern der amerikanischen National Marine Mammal Foundation entdeckt und aufgezeichnet. Die Aufnahme im Video gehört zu einer 2012 im Fachjournal «Current Biology» veröffentlichten Studie über NOC. (Video: Youtube/Cameron Lilly/NMMF.org)

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Don Fagotti am 10.11.2017 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ein Integrationswille ist...

    Ja, aber der Weisswal war auch zu 100% integrationswillig!

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  • Sebastian am 10.11.2017 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Toll und doof!

    Schade, dass diese Tiere eingesperrt werden. Was dieser Wal leistet, ist einzigartig, faszinierend, fantastisch. Ich bin absolut begeistert. Aber es wäre mir lieber, wenn die Tiere in Freiheit wären und ich doof geblieben wäre.

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  • Amina123 am 10.11.2017 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    schade,gibt noch in gefangenschaft lebende delphin und walarten. dachte,dies sei weltweit tabu...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Didi Weidmann am 11.11.2017 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht weiter verwunderlich ...

    Was wundern sich die Fachleute, dass die Delphine nicht Weisswalisch gelernt haben? Wenn ein einzelner Franzose nach Zürich kommt, dann lernen die Züricher um ihn herum auch nicht Französisch, sondern er Deutsch, warum soll das nun bei Walen anders sein? - Wir hatten ja zu Hause ein Erlebnis mit einem aus dem Nest gefallenen Spatz, den wir aufzogen und der dann begann wie unsere Wellensittich zu pfeifen ... Sprache muss eben auch im Tierreich erlernt werden ...

  • e.g. am 11.11.2017 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Wesen

    Ja es ist schon toll, dass man das beobachten konnte.Ich bin nicht für das einsperren von Walen und Delfinen. Aber diese Erkenntnis könnte uns Menschen helfen vom hohen Ross herunter zu kommen, dass wir die einzigen intelligenten Wesen sind. Was ich sowieso schon lange bezweifle, wenn ich die heutige Gesellschaft und ihr allgemeines verhalten so betrachte.

  • Kuno am 10.11.2017 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wale unter sich

    Naja, Delfine sind auch Wale - da wird höchstens der Dialekt etwas anders sein...

  • Sparfuchs am 10.11.2017 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    Ähnliches ist bei mir auch passiert

    Da ich seit 10 Jahren regelmässig im Ausland einkaufe, spreche ich die gleiche Sprache wie dort die Einheimischen, ist doch auch was, nebst den ersparten 50% für die Einkäufe, und der billige Diesel-Treibstoff an der Tanksäule!

  • Didi am 10.11.2017 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pro - Contra

    Obwohl auch ich Tiere lieber in Freier Wildbahn sehe. Tragen Zoos auch bei die Menschen die Schönheit / Sinn der Tieren und somit die Wichtigkeit Sie zu schützen aufzeigen. (Tiershows gehören da aber nicht dazu)