Kein Einzelfall

14. Januar 2018 10:24; Akt: 14.01.2018 10:24 Print

Mann erwacht kurz vor Autopsie von den Toten

Drei Mediziner hatten Gonzalo Montoya Jiménez für tot erklärt. Erst als er auf dem Obduktionstisch zu schnarchen begann, war klar: Die Diagnose war falsch.

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Sechs Monate vor Ende seiner Haft wurde Gonzalo Montoya Jiménez leblos in seiner Zelle entdeckt und für tot erklärt. Doch das war er nicht, wie sich kurz vor der Autopsie zeigte: Aus dem Innern des Leichensacks kam plötzlich ein Röcheln. Fälle wie dieser kommen selten, aber dennoch immer wieder vor, wie allein der Blick auf die letzten fünf Jahre zeigt. Nachdem die 95-jährige Chinesin Li Xiufeng 2012 für tot erklärt worden war, bahrte man sie in ihrer Wohnung auf, sodass Freunde und Familie sich von ihr verabschieden konnten. Doch einen Tag vor der Beerdigung fanden die Angehörigen den Sarg leer vor und entdeckten sie fit und munter in der Küche, wo sie gerade eine Mahlzeit zubereitete. Lyudmila Steblitskaya wurde gleich zweimal für tot erklärt. Aber beide Male irrten die Ärzte. Während die damals 61-Jährige beim ersten Mal nur wenige Stunden als verstorben galt, lag sie beim zweiten Mal ganze drei Tage im Leichenschauhaus. Als sie erwachte, löste sich ihre Haut bereits aufgrund der Kälte dort. 2013 wurde Tony Yahle aus Ohio für tot erklärt. Doch schon nach 45 Minuten begann sein Herz wieder zu schlagen. Fünf Tage später war der 37-Jährige in einem Spital vollständig aufgewacht. Auch die Australierin Vanessa Tanasio galt nach einem Herzstillstand aufgrund einer verstopften Arterie als klinisch tot. Doch 42 Minuten nachdem das entsprechende Papier unterzeichnet war, begann ihr Herz wieder normal zu schlagen. In Simbabwe kollabierte die Prostituierte Mandlo beim Sex mit ihrem Kunden und wurde für tot erklärt. Doch als die Bestatter sie in einen Metallsarg legen wollten, wurde die Totgeglaubte plötzlich munter – und warf den Männern vor, sie umbringen zu wollen. Eine Kollegin brachte sie schliesslich nach Hause. Der Fall von Erica Nigrelli geht selbst Hartgesottenen nahe: Während der Geburt ihrer Tochter 2013 hörte ihr Herz plötzlich auf zu schlagen. Erst nachdem die Ärzte die kleine Elayna per Kaiserschnitt geholt hatten, setzte Nigrellis Herzschlag wieder ein. Schuld an dem Aussetzer war eine Krankheit. Wirklich tot war auch der 78-jährige Walter Williams nicht, als er 2014 in einem Leichensack landete. Doch das fiel erst im Bestattungsinstitut auf, als man ihn zur Aufbahrung vorbereiten wollte. Daraufhin wurde er in ein Spital verlegt, wo er allerdings zwei Wochen später tatsächlich starb. Während eine philippinische Familie 2014 um ihre 3-jährige Tochter trauerte, bewegte sich diese auf einmal im Sarg und wurde sofort ins Spital gebracht. Dort bestätigten die Ärzte die Lebenszeichen. Doch dann fiel das Mädchen kurz darauf ins Koma und wurde erneut und endgültig für tot erklärt. Nach unzähligen Shot-Runden war ein Russe im Jahr 2015 so betrunken, dass seine Freunde die Ambulanz riefen. Die befand: Der Mann ist tot. Deshalb brachten sie ihn nicht ins Spital, sondern ins Leichenschauhaus. Die Angehörigen von Watson Franklin Mandujano Doroteo erlebten 2017 ein wahres Wechselbad der Gefühle. Nachdem der Peruaner im Anschluss an eine Zahn-OP für tot erklärt worden war, zeigte er aufgebahrt im Sarg Lebenszeichen, woraufhin er ins Spital gebracht wurde. Doch dort hiess es erneut: Er ist tot.

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Totgesagte leben länger – dass das nicht einfach so dahingesagt ist, zeigt der Fall des spanischen Häftlings Gonzalo Montoya Jiménez.

Der 29-Jährige, der wegen mehrerer Raubüberfälle im Hochsicherheitsgefängnis von Asturien einsass, war Anfang Januar 2017 bewusstlos und mit blau angelaufenem Gesicht in seiner Zelle aufgefunden worden. Drei Gerichtsmediziner erklärten ihn darauf unabhängig voneinander für tot.

Rettung in letzter Sekunde

Damit lagen sie allerdings falsch. Das zeigte sich, als es im Innern des Leichensacks, der bereits auf dem Obduktionstisch lag, plötzlich zu röcheln begann.

Der Totgeglaubte, der zu diesem Zeitpunkt bereits einige Zeit im Kühlhaus gelegen hatte und schon die Markierungen für die Autopsie am Körper trug, wurde sofort ins Spital überstellt, wo er sich laut «La Voz de Asturias» rasch von seinem Ausflug in die Rechtsmedizin erholte.

Die Befürchtungen, Jiménez könnte wegen unterbrochener Sauerstoffzufuhr Hirnschäden davongetragen haben, bestätigten sich nicht. Der Patient habe sich als Erstes nach seiner Frau erkundigt, so die Zeitung.

Offene Fragen und erste Antworten

Noch ist offen, wie es zu der Verwirrung um Jiménez' Gesundheitszustand kommen konnte. Unter anderem ist unklar, ob Jiménez' Epilepsie-Erkrankung eine Rolle gespielt hat.

Eine entsprechende Untersuchung ist eingeleitet worden. Auch der Kölner Kriminalbiologe Mark Benecke hat sich Gedanken zum Fall gemacht:


Mögliche Erklärungen gibt es einige. (Video: Ines Benecke/Murat Temel)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • giorgio1954 am 14.01.2018 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Nimmt mich Wunder, wieviele schon lebendig begraben oder kremiert wurden.

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  • Grosses Aua am 14.01.2018 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man stelle sich vor...

    Man stelle sich vor, man kommt während der Kremierung zu sich...

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  • Herr Max Bünzlig am 14.01.2018 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    die absolute Horror Vorstellung, schlimmer geht es nimmer

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Die neusten Leser-Kommentare

  • thomas am 15.01.2018 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Der Tod ist relativ. Ich denke nicht, das Universum mag riesig sein, aber ein Ende hat es, davon bin ich überzeugt. Ebenso das Leben.

  • Nora am 15.01.2018 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Glück gehabt

    Dass er noch alle Organe hat ...

  • Peter Müller am 15.01.2018 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Transplantation

    Nach der (Herz)-Transplantation wäre er wohl tot gewesen?

  • Ruedi am 15.01.2018 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Glück im Unglück!

    Gibt es leider mehr als man denkt. Man weiss es nicht wie viele solche Personen lebendig begraben oder kremiert worden sind. Daher hat man früher einen kleinen Glockenturm auf den Sarg gebaut der von innen bedient werden konnte um nach Hilfe zu klingeln. Schon damals hatten die Leute angst lebendig begraben zu werden.

  • yuli am 15.01.2018 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Pathologin

    ich wäre gerne Pathologin geworden.. leider war ich als Kind/Jugendliche ein fauler Sack. darum hat es leider nicht ganz gereicht.