Finnische Delikatesse

28. September 2018 18:46; Akt: 28.09.2018 18:46 Print

Falsch zubereitet, ist diese Suppe tödlich

von Fee Riebeling - Lachs und Beeren gelten als typisch finnisches Essen. Doch mit Korvasienikeitto steht auch potenziell Giftiges auf der Karte.

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Korvasienikeitto – Frühjahrslorchelsuppe. Dieser Gang auf der Karte irritiert zunächst niemanden. Doch dann offenbart die Kellnerin, dass es sich bei der namensgebenden Zutat um einen Giftpilz handelt. Roh oder bloss ein- oder zweimal gekocht kann er schwere Vergiftungserscheinungen hervorrufen oder sogar zum Tod führen.

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«Erst nach dem dritten Kochen ist er geniessbar», sagt die Kellnerin. Bei ihnen auf der Varjola Farm sei die Suppe noch allen Besuchern bekommen.

Erster Löffel kostet Überwindung

Trotz dieser Information: Ein bisschen Bammel bleibt, als einer nach dem anderen seinen Löffel in die helle Cremesuppe taucht. Und was, wenn der Koch bei der Zubereitung einen Fehler gemacht hat? Unweigerlich kommen einem Berichte über tödlich verlaufende Fugu-Vergiftungen in Japan in den Sinn.

Erst als Päivi Heikkala, eine der Gastgeberinnen von Visit Centralfinland, erzählt, dass sogar ihre Töchter gern Korvasienikeitto essen, wagen wir zu probieren – den ersten Löffel noch zögerlich; der zweite geht bereits schneller.

Tatsächlich schmeckt Korvasienikeitto richtig gut. Der Geschmack des in Zentralfinnland gern servierten Gerichts erinnert an den von Morcheln. Auch ein erdiger Hauch wie der von Trüffeln ist auszumachen. Kurz darauf sind alle Suppenschalen leer.

Ein Restrisiko bleibt immer

Trotz der überaus feinen kulinarischen Erfahrung kann ich nicht sagen, ob ich noch einmal Frühjahrslorchel essen werde. Denn später im Zimmer lese ich, dass der Verzehr falsch oder ungenügend zubereiteter Pilze zu schweren, teils tödlich verlaufenden Vergiftungen führen kann.

Dabei kommt es zu Schädigungen der Leber, Funktionsstörungen der Nieren, einer Zersetzung der roten Blutkörperchen (Hämolyse) und Beeinträchtigungen des Zentralnervensystems. Die ersten Symptome tauchen zwischen vier und 24 Stunden nach dem Verzehr auf. Verantwortlich dafür ist die Substanz Gyromtrin.

Kochdämpfe nicht einatmen

Um den Giftstoff unschädlich zu machen, müssen Frühjahrslorcheln unbedingt dreimal gekocht werden. Währenddessen sollte man den Raum unbedingt verlassen, warnt Heikkala. Denn schon die Dämpfe können zu Vergiftungserscheinungen führen. Auch das Kochwasser sollte weggeschüttet werden.

Während einige Experten dringend vom Essen des Pilzes abraten, weil ein Restrisiko niemals auszuschliessen sei, bleiben unsere Gastgeber dabei, dass von der Frühjahrslorchel – richtig zubereitet – keine Gefahr ausgeht.

So lecker ist finnisches Essen

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • nachdenkend am 28.09.2018 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    erfinder

    wer wohl herausgefunden hat das der Pilz 3 mal gekocht werden muss um nicht giftig zu sein

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  • Sally am 28.09.2018 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Es gibt genug ungiftiges was gut schmeckt. Würde das Risiko nie eingehen.

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  • Flügäpilz am 28.09.2018 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Giftpilze

    Muss man das essen, mein Mitgefühl hält sich in Grenzen bei Vergiftungen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Maddin am 05.10.2018 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    Lecker!

    Als Beilage bitte Fugu :-P

  • Martin am 02.10.2018 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    Bohnen, Kohl und Kartoffeln

    Alle als Suppe auch giftig, wenn falsch zubereitet. Roh zum Beispiel. Wustet ihr, dass Kartoffeln giftig sindm wenn man sie nicht mindestens ein mal kocht? Man sollte dabei anders als beid er Frühjahrslorchel im Raum bleiben, damit die nicht anbrennen... Ihr seht, manche Leute hier nehmen die "SENSATION" genau so ernst, wie es ihr gebührt.

    • A.J. am 03.10.2018 19:26 Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      Bohnen und Kartoffeln sind roh tatsächlich giftig, aber Kohl ja wohl doch nicht! Die ganze Gattung Brassica kann man roh essen, richtig gewürzt (Kümmel und Fenchelsamen) auch ohne die berüchtigten Verdauungsbeschwerden in Form von Blähungen.

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  • Buggero am 01.10.2018 15:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessante Materie

    Der absolut interessanteste (Gift)-Pilz ist der Kahle Krempling. Der ist ungiftig, wenn man ihn zum ersten Mal isst. Aber da dieser Pilz im Körper eine Art Allergie auslöst, wird er mit dem nächsten Verzehr giftig. Der Pilz wurde lange Zeit als Speisepilz verkauft. Mittlerweile ist man ihm auf die Schliche gekommen.

  • Duderino am 01.10.2018 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ungefährlich?

    Laut Wikipedia:"Es gibt Anzeichen aus der Forschung, dass bereits kleine Dosen von Gyromitrin eine kumulative krebserregende Wirkung haben können." somit wäre ich nicht sicher, ob es wirklich ungefährlich ist

  • Teutates am 01.10.2018 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Tja, wer´s braucht, soll´s essen!

    Wird die Supper mit Totenkopf-Aufkleber serviert?