Marburg-Virus

12. August 2017 15:04; Akt: 12.08.2017 15:05 Print

Der teuflischste Erreger der Welt

1967 wurden in Marburg Menschen auf zunächst unerklärliche Weise todkrank. Schuld war ein Virus, gegen das bis heute kein Kraut gewachsen ist.

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Im August 1967 erkrankten im deutschen Marburg innerhalb weniger Wochen mehrere Menschen an einer mysteriösen Infektion. Betroffen waren vor allem Mitarbeiter eines Labors. (Im Bild: die Universitätskirche) Zunächst tippten die behandelnden Ärzte auf eine schwere Sommergrippe. Doch sie lagen falsch. Denn die Symptome waren diffus und verschlimmerten sich rasch. Klagten die Betroffenen zunächst über schlimme Kopfschmerzen und Unwohlsein, bluteten einige von ihnen bald aus allen Körperöffnungen sowie in den inneren Organen. Sie hatten ein sogenanntes hämorrhagisches Fieber entwickelt. Und so war bald klar: Statt mit einer Influenza hatte man es mit einem deutlich gefährlicheren und unbekannten Virus zu tun, das später nach dem Ort des Ausbruchs als Marburg-Virus in die Bücher einging. Von den 31 Infizierten starben insgesamt sieben – fünf in Marburg und zwei in Frankfurt, wohin das Virus auch gelangt war. Nach Deutschland eingeschleppt wurde der Erreger durch den Import Grüner Meerkatzen (Chlorocebus) aus Uganda. Die Affen sollten im Labor als Versuchstiere dienen. Eine unheimliche Situation, erinnert sich Werner Slenczka, der damals Forschungsassistent war und den Erreger schlussendlich identifizierte.«Man wusste ja zunächst nicht, wie die Infektion übertragen wurde.» Aus Sorge, die zentral gelegenen Labors könnten dazu beitragen, die Seuche zu verbreiten, wurden die Untersuchungen vorübergehend ausgelagert. Im September wurde die Suche nach dem Erreger wieder aufgenommen, als sich die Situation entspannt hatte. Die Methode, die zum Erfolg führte, war die Immunfluoreszenz. «Am 20. Oktober sah ich zum ersten Mal etwas unter UV-Licht im Mikroskop, wovon ich überzeugt war, dass es der Erreger ist», so Slenczka. Der Feind war damit nicht nur identifiziert. Die Suche nach dem Erreger prägte Becker zufolge auch massgeblich die weitere virologische Forschung in Marburg. Mittlerweile ausgestattet mit einem modernen Hochsicherheitslabor wird hier nicht nur an Marburg-Viren geforscht, ... ... sondern auch an Lassa- und Ebola-Viren. So waren Wissenschaftler aus Marburg auch während der Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika im Einsatz und ... ... sind an der Entwicklung eines Impfstoffes beteiligt.

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Als im August 1967 ein schwer kranker Patient ins Marburger Unispital gebracht wird, vermuten die Ärzte eine Sommergrippe. Doch die Symptome werden immer schlimmer und diffuser. Der nächste Kranke kommt, dann noch einer. Den Medizinern wird klar: Sie haben es mit einem gefährlichen und bis dahin unbekannten Feind zu tun.

Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Auf die Spur kommt man ihm schliesslich dort, wo die Krankheit ausgebrochen ist: in Marburg. Seitdem trägt das Virus, ein Verwandter des Ebola-Erregers, den Namen der Stadt.

Mit Affen eingeschleppt

«Dass ein Virus aus Afrika nach Deutschland eingeschleppt wird und dann hier Todesopfer fordert, war neu», sagt Stephan Becker, Virologe an der Universität Marburg. Für Versuche importierte Affen aus Uganda brachten ihn mit, und es waren insbesondere Labor-Beschäftigte, die sich infizierten.

Das Ganze hatte aber auch etwas Gutes: «Der Ausbruch war die Initialzündung für das Verständnis von solch hochpathogenen Viren», sagt Becker. «Das Problem dieser Infektionen ist, dass das menschliche Immunsystem nicht darauf vorbereitet ist. Es reagiert falsch.» Es könne diese Viren nicht interpretieren. «Dadurch reagiert das Immunsystem über. Das nennt man Zytokinsturm – es ist der Grund, warum Menschen daran sterben.»

31 Infizierte, sieben Tote

Doch nicht nur in Marburg, sondern auch in Frankfurt und in Belgrad rangen 1967 Patienten um ihr Leben. Von den 31 Infizierten starben 7. «Es war eine unheimliche Situation. Man wusste ja zunächst nicht, wie die Infektion übertragen wird», erinnert sich Werner Slenczka, der damals Forschungsassistent war und den Erreger schlussendlich identifizierte.

Slenczka war zum Zeitpunkt des Ausbruchs in den Ferien und las in der «Bild» von der «Affen-Seuche» in Hessen. Dort ging die Angst um. Auch unter Wissenschaftlern. Deshalb wurde Ende August beschlossen, die Diagnostik-Arbeiten an Proben von Patienten sowohl in Marburg als auch in Frankfurt zu stoppen – aus Angst, die zentral gelegenen Labors könnten dazu beitragen, die Seuche zu verbreiten.

«Das Material wurde eingefroren und an ausländische Institute geschickt, weil die Labors hier nicht für solch einen Erreger ausgerichtet waren. Wir hatten ja keine guten Schutzmöglichkeiten. Masken hatten wir und Handschuhe – aber das war ja nicht so wie heute.»

Nadel im Heuhaufen

Die Situation entspannte sich allmählich: Im September seien die ersten Patienten aus dem Spital entlassen worden, so Slenczka. «Man stellte fest, dass keine bleibenden Schäden zu vermuten waren und es vor allem keine weitere Ausbreitung gab.» Also sei die Suche nach dem Erreger in Marburg wieder aufgenommen worden.

«Es war keine leichte Aufgabe. Es war die Suche nach der Nadel im Heuhaufen», sagt der heute 82-Jährige. Zudem sei es ein «ziemlicher Ritt über den Bodensee» gewesen. «Denn wir wussten nicht sicher, ob der Erreger durch unsere Methode inaktiviert wird.»

Die Methode, die zum Erfolg führte, war die Immunfluoreszenz (siehe Box). «Am 20. Oktober habe ich zum ersten Mal etwas unter UV-Licht im Mikroskop gesehen, wovon ich überzeugt war, dass es der Erreger ist. Es ist ein tolles Gefühl, etwas zu sehen, von dem man weiss, dass es noch nie zuvor jemand gesehen hat», erzählt Slenczka.

Wichtig für die Viren-Forschung

Der Feind war damit nicht nur identifiziert. Die Suche nach dem Erreger prägte Becker zufolge auch massgeblich die weitere virologische Forschung in Marburg. Mittlerweile ausgestattet mit einem modernen Hochsicherheitslabor wird hier nicht nur an Marburg-Viren geforscht, sondern auch mit Lassa- oder Ebola-Viren.

Marburger Wissenschaftler waren auch während der Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika im Einsatz und sind an der Entwicklung eines Impfstoffes beteiligt.

«Die Geschichte des Marburg-Virus ist nicht nur eine Geschichte der hochpathogenen Infektionen», betont Becker. «Es sagt auch sehr viel über unsere Umwelt und Gesellschaft aus.» Etwa, dass wir auch heute noch sehr verletzlich solchen Infektionen gegenüber sind. Das habe der Ebola-Ausbruch 2014 gezeigt. «Und wenn dann solch ein Ausbruch da ist, ist das nicht nur ein Gesundheitsproblem. Dann wird es auch zu einem politischen Problem, weil ganze Regionen plötzlich instabil werden.»

Welche Infektionskrankheiten immer wieder die Menschheit bedrohen, zeigt folgende Bildstrecke:
Das sind die schlimmsten Infektions-Krankheiten weltweit

(fee/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anton Keller am 12.08.2017 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Sieger

    Viren und Bakterien sind die Sieger der Evolution, auch bis zum Ende des Planeten Erde.

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  • Be Obachter am 12.08.2017 15:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unmöglich

    Die Medizin wird Viren und Bakterien nie in den Griff kriegen.

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  • Medizininteressiert am 12.08.2017 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Super Bericht!

    Zum Glück wissen wir jetzt haargenau, wie das Virus übertragen wird und wie es bekämpft werden kann.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dr. Prof. M. Engele am 16.08.2017 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Man Made Virus

    Von Eugenikern und Biowaffenlabors entwickelt, wie auch Ebola...

  • Crigs am 15.08.2017 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BACTERIAL QUORUM SENSING

    Vermutlich wird BACTERIAL QUORUM SENSING den Durchbruch schaffen. Lernen Sie via You Tube Bonnie Bassler kennen. Sie werden viel Neues lernen können. Es geht darum, das Verhalten der Bakterien zu kontrollieren. Wir müssen deren Kommunikation in pathogenen Fällen verunmöglichen und in den übrigen eventuell mehr fördern. Die Forschung hat einen ganz neuen Bereich zu erkunden.

  • Dr. Schiwago am 14.08.2017 22:13 Report Diesen Beitrag melden

    Kombi ?

    eine beliebige Kombination einer normalen Grippe mit Ebola und Magdeburgvirus, vielleicht noch ein veränderter Stamm von Vogel- oder Schweinegrippe dazu und das Überbevölkerungsproblem ist schnell keines mehr

  • Manolo Orga-Smus am 13.08.2017 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teuflisches Geschlecht

    Der teuflischste Erreger für mich ist meine Frau. Sehr individuell die Aussage.

    • Crigs am 15.08.2017 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Manolo Orga-Smus

      Ein Einzelfall ist keine Gefahr für die Bevölkerung. Scheiden Sie sich.

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  • Melanie am 13.08.2017 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    schon krass

    wir sind mittlerweile so weit fortgeschritten, aber schlussendlich gibt es immer wieder irgendwas, das uns in die Knie zwingen wird, egal wie schlau wir denken dass wir sind

    • Crigs am 15.08.2017 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Melanie

      Achten Sie auf Ihr Mikrobiom und lernen Sie mit ihm umzugehen. Sie sind nicht alleine. Wir sind Superorganismen. Kennen Sie Bonnie Bassler ?

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