Baikalsee in Russland

04. November 2017 09:57; Akt: 05.11.2017 12:33 Print

Robben-Massensterben gibt Rätsel auf

In Russland sind in wenigen Tagen 140 tote Robben ans Ufer des Baikalsees geschwemmt worden. Experten befürchten eine Epidemie.

Mysteriöses Sterben: Eine tote Süsswasserrobbe am Ufer des Baikalsees. (Video: Tamedia/Reuters)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Sie gilt als Wahrzeichen des Baikalsees: die seltene Baikalrobbe. Mit ihren dunklen Knopfaugen ist die ausschliesslich im grossen sibirischen Süsswassersee heimische Art beliebt bei Touristen. Ein mysteriöses Massensterben löst nun Besorgnis aus.

Seit Tagen suchen Experten nach der Ursache des Massensterbens. Russische Behörden und Biologen befürchten eine Epidemie. Am Baikalsee seien in den vergangenen Tagen mehr als 140 tote Exemplare der seltenen Tierart angeschwemmt worden, teilten die Behörden in Irkutsk am Freitag mit. «Alle gefundenen Kadaver sind von erwachsenen und kräftigen Tieren, 80 Prozent von ihnen sind trächtige Weibchen», hiess es.

Gefährdete Robbenart

Die Baikalrobbe ist eine der wenigen Robbenarten, die im Süsswasser leben. Sie kommt ausschliesslich im Baikalsee vor. Dieser ist mit einer Länge von mehr als 600 Kilometern und einer Tiefe von mehr als 1600 Metern der grösste Süsswasserspeicher der Erde und ein beliebtes Touristenziel.

Die russischen Behörden schätzen den Bestand der Baikalrobben auf rund 128'000. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt sie auf ihrer Roten Liste gefährdeter Arten in der Kategorie «Geringste Bedenken».

Von Hunden übertragene Krankheit

Seit 1980 ist der Fang aber streng reglementiert. Ende der 1980er Jahre waren nach Expertenangaben rund 7500 Baikalrobben an der Staupe gestorben, einer Viruserkrankung, die vor allem von Hunden übertragen wird.

Die toten Tiere wurden in den vergangenen Tagen im Gebiet Irkutsk im Süden des Baikalsees sowie in der benachbarten Republik Burjatien am Ostufer angeschwemmt. Zunächst war von rund 130 Kadavern die Rede, am Freitag wurden weitere entdeckt.

Keine Krankheitserreger entdeckt

Um dem Phänomen auf den Grund zu gehen, gründeten mehrere Behörden eine gemeinsame Kommission. Bislang hätten Laboruntersuchungen keine Klarheit über die Gründe gebracht, teilte die Gebietsverwaltung mit. Bekannt sei nur, dass Krankheitserreger wie etwa Viren nicht gefunden worden seien.

Ersten Analysen zufolge starben die Robben an Herzstillstand. Auffällig war, dass der Magen-Darm-Trakt vieler untersuchter Exemplare leer war. Sie könnten an Unterernährung gestorben sein, sagte Sergej Grochotow vom Veterinäramt in Irkutsk der Agentur Tass.

Nutzung von Fell und Fleisch verboten

Unklar blieb, wieso die Tiere möglicherweise nicht gefressen hatten. Daher wurden Wasserproben und Teile der Nahrungskette untersucht. Die Baikalrobbe ernährt sich unter anderem von Fischen.

Zwar war zunächst nichts über eine für Mensch und Tier gefährliche Krankheit bekannt. Dennoch wollten die Behörden einer Gefährdung vorbeugen.

«Fell und Fleisch der toten Robben dürfen nicht für den Hausgebrauch verwendet werden», warnte die Staatsanwaltschaft. Agenturen hatten zuvor berichtet, dass Anwohner das Fleisch an Hunde verfüttert hätten und Fett und Fell der Tiere nutzen wollten.

(chi/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anonym am 04.11.2017 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genügend Nahrung?

    Wurde auch schon untersucht ob es noch genügend Fische im See gibt? Diese Vorfälle gibt es öfters in den Seen, dass wir Menschen den Tieren die Fische nehmen.

    einklappen einklappen
  • Frau52 am 04.11.2017 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Zusammenhänge

    Spezies Mensch mach nur weiter so, bringen alles ins Ungleichgewicht, zerstören die Natur, führen Kriege gegen die eigene Rasse, leugnen dann aber noch etwelche Zusammenhänge zwischen unserem Wirken und dem Dahinsiechen von anderen Lebewesen. Aber eines sei gesagt Mensch; sterben die Insekten und andere Lebewesen, seien es Robben im Baikalsees, oder Wale anderswo auf diesem Planeten, ist auch unser Ende nahe denn, es hängt nun einmal einfach alles zusammen.

  • Girly60 am 04.11.2017 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade um die süssen Tiere !

    Schade um die Tiere ! Zum Glück darf man die Felle und Fleisch nicht verwerten ! Ich hoffe das man den Grund bald findet und man die Epidemie stoppen kann .

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • D.K. am 06.11.2017 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Da hat doch irgendeine Firma ihren Müll drin entsorgt! Traurig das ganze... Einfach so, sterben die nicht weg.

  • Eisbärchen am 05.11.2017 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aussterbende Spezies

    Also wenn die Robben gesund gestorben sind, einfrieren und für die hungernden Eisbären dem nächsten Polarschiff mitgeben. Soviel zu Arterhaltung, da provitiert wenigstens einmal eine ausstebende Spezies von der amderen.

  • Frau52 am 04.11.2017 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Zusammenhänge

    Spezies Mensch mach nur weiter so, bringen alles ins Ungleichgewicht, zerstören die Natur, führen Kriege gegen die eigene Rasse, leugnen dann aber noch etwelche Zusammenhänge zwischen unserem Wirken und dem Dahinsiechen von anderen Lebewesen. Aber eines sei gesagt Mensch; sterben die Insekten und andere Lebewesen, seien es Robben im Baikalsees, oder Wale anderswo auf diesem Planeten, ist auch unser Ende nahe denn, es hängt nun einmal einfach alles zusammen.

  • Sergent am 04.11.2017 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht...

    .... sind es die bösen Touristen von gestern die wieder mal Selfies machen wollen?

  • Girly60 am 04.11.2017 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade um die süssen Tiere !

    Schade um die Tiere ! Zum Glück darf man die Felle und Fleisch nicht verwerten ! Ich hoffe das man den Grund bald findet und man die Epidemie stoppen kann .

    • Pauline am 05.11.2017 12:02 Report Diesen Beitrag melden

      Gily60

      Möglich sind auch die Atombomben Tests daran schuld. Die Tiere sollten darauf untersucht werden.

    einklappen einklappen