Justiz der Zukunft

18. März 2017 20:12; Akt: 18.03.2017 20:12 Print

Dank Hirn-Scans zum richtigen Strafmass?

Wirklich kriminell oder bloss fahrlässig? Der Blick ins Gehirn eines Straftäters könnte dies künftig verraten. Das zeigt ein Experiment.

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Hat der Täter mit Absicht gehandelt oder nicht? Das ist vor Gericht die Frage aller Fragen. Denn die Antwort kann darüber entscheiden, ob der Angeklagte Bewährung bekommt oder doch ins Gefängnis muss. Entsprechend schwer fällt dem Richter die Entscheidung.

Umfrage
Sollte die Idee mit dem Hirn-Scanner weiterverfolgt werden?
44 %
48 %
8 %
Insgesamt 274 Teilnehmer

Deutlich einfacher wäre es, wenn man in den Kopf des Angeklagten blicken und sehen könnte, was in ihm vorgeht. Dass dieses Szenario tatsächlich einmal Wirklichkeit werden könnte, zeigt eine Studie britischer Forscher.

Mit einem Koffer voller Drogen

Das Team um Iris Vilares vom University College London hat darin untersucht, ob sich die Grenze zwischen Absicht und Fahrlässigkeit überhaupt objektiv messen lässt.

Dafür rekrutierten sie zunächst 40 Freiwillige, die – im Magnetresonanztomographen liegend – entscheiden mussten, ob sie einen Koffer, der möglicherweise illegale Drogen enthält, über eine Grenze bringen würden.

Verschiedene Szenarien

Das Szenario war dabei nicht immer gleich: In einigen Durchgängen wussten die Teilnehmer sicher, dass der ihnen anvertraute Koffer Schmuggelware enthielt. In anderen Fällen wurden sie im Unklaren darüber gelassen, ob ihr Koffer tatsächlich Drogen enthielt.

Dadurch konnten die Forscher klar unterscheiden, ob die Probanden die Entscheidung fahrlässig oder wissend trafen und die Haltung mit den im MRI aufgezeichneten Gehirn-Scans abgleichen.

Grosse Potenzial ...

Das Ergebnis war «erstaunlich eindeutig», wie Vilares und ihre Kollegen in den «Proceedings of the National Academy of Sciences» schreiben: In durchschnittlich 71 Prozent der Fälle reichte der Blick auf den Scan, um mit hoher Genauigkeit sagen zu können, ob ein Teilnehmer sicher Bescheid wusste oder bloss waghalsig handelte.

Damit zeige die Studie, dass man auf der Basis von Hirn-Scans im Prinzip vorhersagen kann, in welchem juristisch definierten Zustand eine Person eine Tat begeht, so die Forscher.

... mit Einschränkungen

Trotz des eindeutigen Resultats gehen die Forscher aber nicht davon aus, dass die MRI-Technik bald vor Gericht zugelassen wird. Einerseits könne das Hirnmuster, das bei absichtlichem und bewusstem Handeln auftritt (siehe Bildstrecke) auch in anderen, nichtkriminellen Situationen auftauchen.

Andererseits könne das verräterische Aufflackern derzeit nur im Moment der Tat nachgewiesen werden. «Und es ist wohl offensichtlich, dass die meisten Kriminellen ihre Tat nicht in einem Hirn-Scanner begehen», so Vilares und ihre Kollegen.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lea am 18.03.2017 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Kann man das den auch vor allem bei politikern und lobbysten anwenden... ? Oder giltet dort dann das imunitäts gesetz?

  • Dominik am 19.03.2017 02:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird ja immer besser

    Seit Minoroty Report und dem FBI Haarprobe-Skandal wissen wir alle dass solche Sachen zu nichts Gutem füren. Lieber einmal einen Schuldigen zu milde bestrafen, als einen Unschuldigen zu hart

  • Kryat am 18.03.2017 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bs

    71% = 29% falsch efgo 29% die aufgrund von ungenauen pseudo tests in den knast müssen. Dann können wir gerade so gut leute nach herkunft verurteilen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jochum am 19.03.2017 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    40 tester, 71%

    also laut studie sind sie bei 28,4 personen. komisches resultat. Auserdem wird es eh nie zu so etwas kommen, da in zukunft jeder straftäter ne schlimme kindheit oder psychologische probleme haben werden, und weil sie ihre tat(zum 5 mal) bedauern sie ja sowieso auf bewährung rauskommen da man sie sonst ja nicht mehr resozialisieren kann...

  • Roland Z. am 19.03.2017 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Smart Hirn?

    Mein Gott, das Gehirn ist zwar wichtig, aber letztendlich nur ein Körperteil. Dieses nutzt man am besten zum Denken! Das gilt auch für Kriminalisten. Und Verbrechen im Vorein verhindern zu wollen, ist irrwitzig. Denn ein Verbrechen, dass nicht stattgefunden hat, kann man nicht beweisen. Und nur auf Hinraktivitäten hin Leute ins Gefängnis zu werfen, ist schon selbst ein Verbrechen. Ausser es sind unverbesserliche Wiederholungstäter in Serie.

  • blaesi007 am 19.03.2017 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beruf der Zukunft

    Psychologen! Der Beruf mit Zukunft. Die Armen 'Täter' können nicht's dafür dass sie Krank im Kopf sind.Dafür werden diejenigen nicht ins Gefängnis,sondern ein Leben lang in die Psychiatrische Klinik gesperrt.Die Folgen....die Kosten für den Steuerzahler steigen ins unermessliche.

  • Dr. Doktor am 19.03.2017 06:20 Report Diesen Beitrag melden

    Profilaxe

    Wenn schon, dann mit 18 scannen, und gleich einsperren. Wieso bis nach der Tat warten?

    • Mimose am 19.03.2017 14:44 Report Diesen Beitrag melden

      wer will in so einer welt leben?

      möchtest du wirklich in einer Welt leben, in der Menschen ohne eine Straftat begangen zu haben nur aufgrund eines biologischen Musters eingesperrt werden? ich nicht

    einklappen einklappen
  • Dominik am 19.03.2017 02:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird ja immer besser

    Seit Minoroty Report und dem FBI Haarprobe-Skandal wissen wir alle dass solche Sachen zu nichts Gutem füren. Lieber einmal einen Schuldigen zu milde bestrafen, als einen Unschuldigen zu hart