7 Planeten, 7 Fragen

23. Februar 2017 15:14; Akt: 24.02.2017 10:07 Print

Wie lange bräuchte Captain Kirk zu Trappist-1?

Die Entdeckung des Trappist-1-Systems ist eine der grössten astronomischen Leistungen der letzten Jahre. Die sieben wichtigsten Fragen und Antworten.

Der Blick von der Oberfläche von TRAPPIST-1b, dem innersten Planeten im System. (Video: ESO/L. Calçada/spaceengine.org)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Um einen kleinen, relativ kühlen Stern, 40 Lichtjahre von der Erde entfernt, haben Astronomen sieben erdgrosse Planeten entdeckt. Auf ihnen könnte theoretisch flüssiges Wasser und damit Leben existieren. Das sind die wichtigsten Fragen zu dieser bedeutenden Entdeckung.

Umfrage
Glauben Sie an ausserirdisches Leben?
50 %
38 %
7 %
5 %
Insgesamt 7720 Teilnehmer

1. Wieso heisst das System Trappist-1?
Trappist-1 heisst so, weil es das erste Sternensystem ist, das vom gleichnamigen belgischen Teleskop entdeckt worden ist. Der Name steht für Transiting Planets and Planetesimals Small Telescope und ist gleichzeitig eine Hommage an die belgischen Trappisten-Mönche (die mit dem Bier). Das optische Teleskop ist Teil des La-Silla-Observatoriums der Europäische Südsternwarte (ESO) in Chile. Mitbetreiber des Teleskops ist die Sternwarte Genf.

2. Wie heissen die einzelnen Planeten?
Die Planeten haben keine eigenen Namen. Sie heissen einfach Trappist-1 b, c, d, e, f, g und h, wobei 1b am nächsten am Stern dran ist, h am weitesten weg. Da sie den Stern sehr eng umkreisen, brauchen sie für einen Umlauf nur zwischen eineinhalb und 20 Tagen.


Ein Blick von oben auf das Trappist-1-System. (Video: ESO/Luis Calçada/spaceengine.org)

3. Wie wurden die Planeten entdeckt?
Im Mai 2016 verkündeten die Betreiber des belgischen Teleskops die Entdeckung von drei Planeten im Trappist-1-System. Daraufhin wurden mehrere Teleskope auf der Erde und das Spitzer-Weltraumteleskop der Nasa auf das System ausgerichtet. Spitzer allein beobachtete das System im letzten Herbst während 500 Stunden. So konnten zwei der Planetenfunde bestätigt und fünf weitere entdeckt werden.

Da Planeten auf die Entfernung (noch) nicht direkt beobachtet werden können, messen die Teleskope, ob sich ein Zentralgestirn regelmässig etwas abdunkelt. Das ist dann der Fall, wenn einer oder mehrere Planeten am Stern vorbeiwandern. Für diese Beobachtungen war Spitzer besonders geeignet, da es im Infrarotbereich misst und Trappist-1 in diesem Spektrum am hellsten scheint.

4. Wie lange dauert die Reise ins Trappist-1-System?
Das Sternensystem liegt knapp 40 Lichtjahre von der Erde entfernt. Das entspricht rund 378,4 Billionen Kilometern (378'400'000'000'000 km). Mit dem Space Shuttle, das 28'163 km/h schnell flog, würde die Reise dorthin 1,5 Millionen Jahre dauern. Selbst die deutlich schnellere New-Horizons-Raumsonde der Nasa hätte mit 51'516 km/h noch rund 800'000 Jahre bis dorthin.

Könnte man mit Lichtgeschwindigkeit (300'000 Kilometer pro Sekunde) reisen, würde es 40 Jahre dauern. Und sogar an Bord von Captain Kirks Raumschiff Enterprise würde der Trip nach Trappist-1 mit der Maximalgeschwindigkeit Warp 9 noch rund 10 Tage dauern.

5. Wie ist die Aussicht von einem der Planeten?
Steht man auf einem der Planeten, fällt vor allem das verhältnismässig schwache Zentralgestirn auf. Der Zwergstern Trappist-1 ist etwa 200-mal dunkler als unsere Sonne. Dafür würde man die anderen Planeten deutlich sehen. Da sie so nahe beieinander liegen, würden einige grösser erscheinen als der Mond auf der Erde. Auf einzelnen könnte man sogar Berge, Ozeane und Wolken ausmachen. Der Zwergstern dürfte rot oder lachsfarben strahlen.

6. Weshalb wird dort Leben vermutet?
Die Forscher nehmen an, dass es sich bei mindestens sechs der neuentdeckten Planeten um Gesteinsplaneten handelt. Alle haben in etwa die Grösse der Erde. Drei der Planeten liegen in der sogenannten habitablen Zone, im englischen Sprachraum auch Goldilocks-Zone genannt. Damit wird der Abstandsbereich bezeichnet, in dem sich ein Planet von seinem Zentralgestirn befinden muss, damit Wasser dauerhaft in flüssiger Form auf der Oberfläche vorliegen kann – was die Voraussetzung für Leben ist.

Dieser Bereich befindet sich im Trappist-1-System viel näher am Zentralgestirn als in unserem Sonnensystem. Dies, weil Trappist-1 als roter Zwergstern ungleich kühler und kleiner ist als die Sonne. Er ist nur geringfügig grösser als der Jupiter. Die Planetenumlaufbahnen sind denn auch kürzer als die Umlaufbahn von Merkur im Sonnensystem.

7. Wie geht es weiter?
Die Forscher müssen nun die Atmosphäre der Planeten genauer untersuchen. Nur dann können sie beurteilen, ob es dort Wasser und Leben geben könnte. Das Hubble-Teleskop ist bereits auf die Planeten angesetzt. Das sich im Bau befindliche James-Webb-Weltraumteleskop wird nach dem Start im nächsten Jahr ebenfalls auf Trappist-1 ausgerichtet. James Webb wird nach Gasen suchen, die auf Leben hindeuten können: Sauerstoff, Ozon und Methan. Die Untersuchung der Atmosphären dürfte rund fünf Jahre in Anspruch nehmen.

Sieben erdähnliche Planeten entdeckt

(jcg)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pack Man am 23.02.2017 15:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auch nur ein Frage

    Wann starten wir?;)

    einklappen einklappen
  • A. Theist am 23.02.2017 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso immer Wasser

    Es erstaunt mich immer wieder, dass wir Menschen mit "ausserirdischem Leben" auch zwangsläufig Wasser verbinden. Es wäre doch sehr wohl möglich, dass sich andere Lebensformen z. B. von Gasen o. A. ernähren können, respektive sich gar nicht zu ernähren brauchen.

    einklappen einklappen
  • Dino am 23.02.2017 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind nicht allein

    und das ist nur ein Sonnensystem unter Milliarden von anderen. Und wir sind immer noch so arrogant zu glauben wir wären die einzigen. aber bei diesen Distanzen werden uns auch niemals ET's besuchen. Schade...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 24.02.2017 01:01 Report Diesen Beitrag melden

    Erdenbilder

    Wann sehen wir endlich ein echtes Bild unserer schönen Erde?

    • RunningMan am 25.02.2017 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      ISS live stream zum Beispiel.

    einklappen einklappen
  • Logiker am 23.02.2017 23:25 Report Diesen Beitrag melden

    Leben ja oder nein!?

    Ob es dort intelligentes Leben gibt? Ja! Den dümmsten aber entsenden Sie regelmässig nach Bern, Washington, Berlin, Moskau etc.

    • Limbo2 am 24.02.2017 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Logiker

      Doch diese sind offenbar immer noch gescheiter als Zürcher;-)

    einklappen einklappen
  • ... am 23.02.2017 22:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Hmm, wir könnten das cern know how, zu einer raum falltung portal maschiene um funktionieren. Wir nehmen das higgs teilchen und halten es stabil im integrierten portal im weltraum und setzten einen richt strahl auf die gewünschten landungs kordinaten. Dann bringen wir das higgs durch schwingungen zum pulsieren und erzeugen so eine raum verzerrung. Dann kommt unser raumschiff und fliegt durch zum punkt 0. ps; es ist von vorteil, ein portal gleich noch mit zu nehmen, falls man nach hause will;)

  • Ronald Fudsloch am 23.02.2017 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Finder werden reicher und wir Leser dümmer

    Wow super. Nun haben wir Millionen ausgegeben um was zu finden das wir sowieso nie sehen werden. Wohl gedacht, hier gehts nicht um Forschung sondern um Business!

    • Erich Ed. Müller am 24.02.2017 06:54 Report Diesen Beitrag melden

      Business?

      @Ronald Fudsloch. Welches Business meinen Sie? Was wird wem, wo verkauft?

    • Wakka am 26.02.2017 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Erich Ed. Müller

      Wie teuer wohl ein Planet wäre :)

    einklappen einklappen
  • Fragender am 23.02.2017 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehen wir die Vergangenheit?

    Also das was wir heute von den Planeten sehen ist nichts anderes als deren Vergangenheit von 40 Jahren. Verstehe ich das richtig?

    • Peter Müller am 23.02.2017 23:44 Report Diesen Beitrag melden

      Vergangenheit

      Auch mit den besten Teleskopen sieht man nur einen Punkt vor deren Sonne. Das Biold im Artikel ist nicht real. Aber man sieht eh nur die Vergangenheit im All.

    • Mike Shiva ohni Schiba am 23.02.2017 23:55 Report Diesen Beitrag melden

      Kleiner Typ

      Sobald man die Augen öffnet, sieht man lediglich und immer nur die Vergangenheit. Egal wo und egal wann.

    • Helios Plutos am 24.02.2017 05:02 Report Diesen Beitrag melden

      Vergangenheit

      richtig! aber was sind schon 40 Jahre für einen Planeten ? :)

    • Schlörrpi am 24.02.2017 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fragender

      Die im Artikel gezeigten Bilder sind jediglich artistische Interpretationen. Mit den uns Heute verfügbaren Mitteln wäre es niemals möglich ein eigentliches Bild eines solchen Planeten zu machen. Gefunden werden diese Planeten meistens mit Hilfe der sogenannten Transit Photometrie. Man beobachtet dazu für längere Zeit Sterne welche Exoplaneten in ihrer Umlaufbahn haben könnten. Hat man Glück "fliegt" einer seiner Planeten direkt zwischen uns und dem Stern hindurch und dunkelt den beobachteten Stern leicht ab. Man kann mit Hilfe dieser Abdunklung (und verschiedenen anderer ziemlich komplizierten Messwerten) dann die ungefähre Grösse des Planeten und dessen Distanz zu seiner Sonne errechnen. Ausserdem gibt es noch andere Messtechniken wie zum Beispiel das Messen der Radialen Geschwindigkeit des Sterns wo die Schwerkraft der Planeten "beobachtet" werden kann. Es lässt sich also sagen, dass wir nicht die eigentlichen Planeten gefunden haben sondern eher ihre Spuren. (Abdunklung, Gravitations interaktion mit seinem Stern usw.) Ist jedoch tatsächlich so, dass das Licht ungefähr 40 Jahre braucht bis es bei uns ist.

    • Wakka am 26.02.2017 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Schlörrpi

      Aber, nehmen wir an einen der Planeten explodiert, sehen wir dann 40 Jahre lang immer noch den ganzen Planet? Klingt ein bisschen unlogisch nicht? Der Teleskop sieht für 40 Jahre ein ganzes Planet der eigentlich explodiert ist. Kanns nicht ganz nachvollziehen.

    einklappen einklappen