Lebensmittelsicherheit

19. November 2017 13:25; Akt: 19.11.2017 15:21 Print

Fast Hälfte der Esswaren enthält Glyphosat

Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel kommt in rund 40 Prozent der Lebensmittel in der Schweiz vor. Teigwaren, Müesliflocken und Hülsenfrüchte sind besonders belastet.

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Teigwaren weisen höchste Konzentrationen auf: Eine Gabel mit Nudeln wird in einen Mund geschoben. (Archiv) (Bild: Keystone/Michael Probst)

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In der Schweiz enthalten rund 40 Prozent der Lebensmittel messbare Spuren des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat. Allerdings in geringen Mengen, die unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte liegen. Dies zeigen erste Ergebnisse einer Untersuchung des Bundes.

Den Auftrag zu dieser Untersuchung hatte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) 2016 aufgrund eines Postulats aus dem Nationalrat erhalten. Die Resultate sollen «in einigen Wochen» in Form eines Berichts publiziert werden, wie das Amt Anfang November verlauten liess.

Allerdings sind auf der Internet-Seite des BLV bereits erste Schlussfolgerungen des Lebensmittelmonitorings aufgeschaltet. Darauf machte am Wochenende der «SonntagsBlick» aufmerksam.

Über 230 Lebensmittelproben wurden im Rahmen des Monitorings auf Rückstände des Pflanzenschutzmittels Glyphosat hin untersucht, das auch in der Schweiz eingesetzt wird. Unter die Lupe genommen wurde etwa Honig, Wein, Brot, Kartoffeln oder Gemüse.

Pasta und Müsli-Flocken

Die ersten Ergebnisse zeigten, dass ungefähr 40 Prozent der Lebensmittel messbare Spuren von Glyphosat enthalten, schreibt das BLV auf seiner Internetseite. Die höchsten Konzentrationen seien in Teigwaren, Frühstücksflocken und Hülsenfrüchten gefunden worden.

Allerdings lägen die gemessenen Mengen von Glyphosat alle unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte. Das Monitoring sei noch nicht abgeschlossen, aber diese erste Beurteilung bestätige, dass die Glyphosat-Rückstände in den Lebensmitteln keine Gefahr für die Gesundheit darstellen, heisst es weiter.

Um die Ungefährlichkeit des Verzehrs von Lebensmitteln mit Glyphosat-Spuren zu illustrieren, ziehen die Autoren das Beispiel der Teigwaren heran. Denn diese stellen die am höchsten belastete Lebensmittelkategorie dar.

Eine erwachsene Person müsste pro Tag 71 Kilogramm der am stärksten kontaminierten Probe verzehren, um die maximal akzeptable Tagesdosis von 30 Milligramm aufzunehmen, schreibt das BLV. Schweizer konsumieren im Jahr aber durchschnittlich 10 Kilogramm Teigwaren, also deutlich weniger als an einem einzigen Tag verzehrt werden dürfte.

Laut WHO krebserregend

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Herbizid. In der Schweiz werden schätzungsweise 300 Tonnen pro Jahr eingesetzt.

Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte Glyphosat 2015 als «wahrscheinlich krebserregend» für Menschen ein. Die EU-Lebensmittelbehörden EFSA und die EU-Chemikalienagentur ECHA hingegen kamen zum Schluss, dass die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse für eine solche Einstufung nicht ausreichten.

Derzeit wird die Zulassung von Glyphosat in der EU überprüft. Bisher ist keine Mehrheit für eine Verlängerung der Zulassung um weitere fünf Jahre zu Stande gekommen.

Der Bundesrat ist gegen ein Verbot von Glyphosat in der Schweiz. Ein Glyphosatverbot wäre aus verschiedenen Gründen problematisch, schrieb die Regierung in der am Donnerstag veröffentlichten Antwort auf eine Motion der Grünen Fraktion. Für zahlreiche Anwendungsbereiche gebe es zurzeit als einzige Alternative die mechanische oder thermische Vernichtung. Diese Bekämpfungsmethoden erforderten mehr Energie und Arbeitsaufwand.

(nag/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Glaibasel am 19.11.2017 14:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gift

    sie wollen rauchen in der öffentlichkeit verbieten,solarium unter 18 und weiss ich was alles,aber was in unsere lebensmittel welche wir täglich essen kommt,ist egal.ich möchte auch die genaue zusammensetzung vom Düngemittel nicht wissen,welches die Bauern auf den Feldern verteilen

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  • BenQ. am 19.11.2017 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Höchst bedenklich

    Es werden 300 Tonnen Glyphosat pro Jahr hier in der Schweiz eingesetzt? Und die maximal akzeptable Tagesdosis beträgt 30 Milligramm...krass! Möchte nicht wissen wo das zeug überall IST!

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  • Amina123 am 19.11.2017 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nichts mehr unberührt

    erschreckend,diese menge.und was sonst noch so alles gemacht wird,um hohe rendite/ernte zu erzielen,will ich glaubs nicht wissen....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • m.maria am 01.12.2017 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein glyphosat einsetzen

    mit unserer gesundheit wird gespielt.....jeden kanns treffen....wann wehren wir uns?!

  • Siri2 am 01.12.2017 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lobbyisten und Verbände haben das Sagen

    Der Staat möchte es sich weder mit der Pharmaindustrie noch mit der Bauernlobby verscherzen! Wir sind nicht so wichtig.

  • Cal Culator am 27.11.2017 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    0.423mg / Kg Nudeln

    also mal umgerechnet heisst das, 1kg nudeln enthalten 0.423mg glyphosat. wenn das volk sich nicht wehrt, wer dann??

  • Bauer am 21.11.2017 22:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Import nur Lebensmittel des gleichen Standard

    Vor 2 3 Jahren hat Swiss Gran Getreide Probe untersuchen lassen nach Glyphosat in keiner wurden Spuren gefunden. Von woh kommen die beprobten Lebensmittel?

  • michi Züri am 21.11.2017 12:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist gewollt

    Ok. Ist doch geplant und gewollt. Vergiftet die Menschen weiter, und vernichtet uns. Die Erde hat zuviele Einwohner. Darum wird niemand wirklich etwas dagegen tun...