Unbezahlbar

23. Dezember 2017 16:11; Akt: 03.01.2018 09:29 Print

Darum sind diese Filme von Atomtests so wertvoll

Die USA haben 62 bisher geheime Videos von atmosphärischen Atomtests veröffentlicht. Sie bieten weit mehr als nur einen Blick in die Vergangenheit.

Da die USA heute keine Atomtests mehr durchführen, sind Aufnahmen aus den 1950er- und 1960er-Jahren für Forscher enorm wertvoll. (Video: LLNL)
Zum Thema
Fehler gesehen?

1962 führten die Vereinigten Staaten den letzten Test einer Kernwaffe in der Atmosphäre durch. Seither mögen über fünf Jahrzehnte vergangen sein, die Daten dieser Tests sind für die US-Streitkräfte allerdings immer noch relevant. Aus diesem Grund sind Wissenschaftler des Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL), einer Einrichtung des US-Energieministeriums, seit einigen Jahren daran, mehr als 10'000 Filmaufnahmen von Tests zu restaurieren und zu digitalisieren. Eine erste Tranche wurde im Frühling veröffentlicht, nun folgen 62 weitere Aufnahmen.

Umfrage
Wird jemals in einem Krieg noch eine Nuklearwaffe gezündet werden?

Die so vor dem Zerfall geretteten Filme haben nicht nur eine historische Bedeutung. Sie werden vom LLNL auch neu ausgewertet. Die Wissenschaftler wollen so genauere Daten über die Sprengkraft der einzelnen Kernwaffen erhalten, als dies bei der Erstauswertung in den 1950er- und 1960er-Jahren möglich war.

Wertvolle Daten

Und diese Daten sind äusserst wertvoll. Denn der letzte amerikanische Kernwaffentest überhaupt fand am 23. September 1992 statt. Seither finden die Tests nur noch als Simulationen am Computer statt. Physiker Greg Spriggs vom LLNL erklärt dazu: «Diese Simulationen sind nur so gut wie die Werte, auf denen sie basieren. Genaue Daten ermöglichen es uns, sicherzustellen, dass unser Atomwaffenarsenal sicher, verlässlich und wirksam bleibt, ohne dass wir die Tests wieder aufnehmen müssen.»

Das Hauptziel der Neuauswertung ist die genaue Bestimmung der Energiemenge, die bei den einzelnen Tests freigesetzt wurde. Dafür stehen den Wissenschaftlern vier bis fünf verschiedene Ansätze zur Verfügung, je nach Qualität der Filmaufnahmen.

Entstehung des Atompilzes

Eine Möglichkeit der Berechnung ist die Analyse des Atompilzes, wie er in der Aufnahme des Bighorn-Tests zu sehen ist (Video unten). Bighorn war eine 7,65-Megatonnen-Bombe, die am 27. Juni 1962 in 3,6 Kilometer Höhe bei Kiribati, südlich von Hawaii, gezündet wurde. Der Feuerball ist erst kreisrund, fast wie die Sonne. Dann trifft die Schockwelle auf den Boden auf und wird von dort zurückgeworfen. Als sie wieder beim Feuerball ankommt, drückt sie ihn von unten her flach, wodurch der Atompilz seine markante Form erhält. Aus der Geschwindigkeit, mit der der Atompilz aufsteigt, und der Höhe, die er erreicht, können die Forscher die freigesetzte Energiemenge berechnen.


Der Bighorn-Test der Operation Dominic. Im Rahmen der Operation Dominic zündeten die USA zwischen dem 25. April und dem 17. Juli 1962 zu Testzwecken insgesamt 40 Kernwaffen. (Video: LLNL)

Seinen Kollegen aus den 1950er- und 1960er-Jahren stellt Spriggs trotz ihrer im Vergleich zu heute primitiven Berechnungsmethoden ein gutes Zeugnis aus: «Die Messdaten, die sie erhielten, waren für die meisten Tests ziemlich genau. Aber wenn es darum geht, die Funktionstüchtigkeit unseres Arsenals zu erhalten, müssen wir sicher sein.»

«Es sind verheerende Waffen und ich hoffe, dass sie nie im Krieg eingesetzt werden. Aber unser Arsenal erweist sich seit mehr als 70 Jahren als wirksames Abschreckungsmittel. Ich hoffe, das Projekt kann dazu beitragen, dass es dies auch in Zukunft sein wird», erklärt Spriggs weiter.

(jcg)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nuklo Aer am 23.12.2017 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gänsehaut..

    Krass... Die Aufnahmen sind vor ca. 50-70 Jahren gemacht worden, will echt nicht wissen was der heutige Stand ist.

    einklappen einklappen
  • Ernst am 23.12.2017 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schönes Kunstwerk

    Eigentlich ein schönes Kunstwerk. Wenn sie nur nicht so zerstörerisch wäre.

  • popi am 23.12.2017 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnismässigkeit

    Und wenn bei einem Reaktorunglück nur ein Bruchteil dieser Strahlung freigesetzt wird, schreit man auf. Waffen und deren Tests zerstören unsere Welt mehr als die Wirtschaft! Der Zeigefinger geht jedoch auf den kleinen Erdenbewohner, der ein Auto fährt.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • susi am 25.12.2017 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufstand der Menschheit

    Wir leuchten jetzt schon alle, oder was glaubt ihr, woher die vielen Krebsarten kommen. Geht mal in ein Altenheim, die 80 bis bald 100 jährigen leiden nicht an Krebs, doch leider in der heutigen Zeit immer mehr Kinder, Jugendliche und 20 bis 40 jährige. Die ganze Welt wurde vergiftet, unsere Nahrung, unser Trinkwasser und unsere Luft, und trotzdem Fliegt ihr alle in die Ferien, fahrt Auto, die Atomtests hat jedes Land akzeptiert, das gleiche mit Fukushima, immer noch fliesen Taussende Liter Wasser in den Ozean, ist doch egal, die Fische sind schon lange radioaktive verseucht, auch die Luft, der Regen bringt dies auch zu uns. Und immer noch schaut die ganze Welt zu. Die Völker dieser Erde müssen sich zusammen tun und einen Weltweiten Aufstand erzwingen, damit die Vergiftung, Verseuchung, Ausbeutung aufhört und die Ausbeuter , die Reichen hinter Gitter wandern.

    • Doktor am 25.12.2017 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @susi

      selten einen besseren kommentar gelesen.

    einklappen einklappen
  • emf949 am 25.12.2017 07:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist kein Pilz

    Das ist kein Pilz

  • Roland Blumer am 24.12.2017 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spezies Mensch

    Nur die erb...Spezies Mensch ist leider im Stande sich selber und alles Leben auf diesem schönen Planeten zu zerstören.

  • elfe am 24.12.2017 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    wie kann man vom wertvollen Erkenntnissen reden es ist nur eins .. zuerstörend ...

  • rakete am 24.12.2017 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Untergang

    Zumindest werden wir in Schönheit untergehen.