Harvard-Studie

15. Dezember 2016 13:51; Akt: 15.12.2016 13:51 Print

Jeder 8. Pilot zeigt Anzeichen von Depression

2015 liess Co-Pilot Andreas Lubitz eine Germanwings-Maschine zerschellen – wohl weil er psychisch krank war. Laut Forschern geht es vielen Piloten so.

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Am 24. März 2015 stürzte eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ab. 150 Personen kamen ums Leben. Co-Pilot Andreas Lubitz hatte das Flugzeug absichtlich abstürzen lassen – wohl, weil er psychisch krank war. Vor dem Crash hatte er den Airbus 320 absichtlich beschleunigt. Eine Umfrage von Forschern der Elite-Universität Harvard zeigt nun, dass weltweit Hunderte Piloten an Depressionen leiden. Demnach weist jeder achte Pilot Anzeichen für die psychische Krankheit auf, vier Prozent der Teilnehmer berichtete zudem von Suizidgedanken. Ob von den betroffenen Piloten wirklich eine Gefahr ausgeht, können die Forscher jedoch nicht sagen. Damals bestätigte der Flugdatenschreiber: Der Co-Pilot der zerschellten Germanwings-Maschine hat das Flugzeug in den Minuten vor dem Absturz mehrfach beschleunigt. Die Suche nach dem zweiten Flugschreiber stand lange im Fokus der Rettungsarbeiten. Die zweite Blackbox sollte wichtige Erkenntnisse liefern. Trümmerfeld in den französischen Alpen. Die Bergungsarbeiten in dem unwegsamen Gelände gestalteten sich schwierig. Die Suche nach den Opfern des Absturzes lief auf Hochtouren. Das steile Gelände erschwerte die Arbeit. Überall lagen Gegenstände der Opfer. Rettungskräfte bergen die Opfer des Flugzeugabsturzes in den französischen Alpen. Das Bergen der Germanwings-Opfer belastete die Rettungskräfte sehr. Die Arbeit war physisch und psychisch schwierig. Daher wurden nur erfahrene Leute eingesetzt. Trümmerteil mit der deutschen Flagge. Ein Helikopter überfliegt das Trümmerfeld. Angehörige der Opfer treffen am 26. März 2015 mit Bussen in der südfranzösischen Gemeinde Seyne-les-Alpes nahe des Absturzortes ein. Vor Ort fand eine erste Gedenkfeier und Kranzniederlegung statt. Die Rettungskräfte halten die Flaggen der Länder, aus denen die Opfer stammen. Ungefähr zeitgleich durchsuchten Ermittler am Donnerstag, 26. März 2015, die Wohnung von Lubitz. Er soll in einer Wohnung in Düsseldorf gewohnt haben. «In unseren schlimmsten Albträumen hätten wir uns nicht vorstellen können, dass sich so eine Tragödie in unserem Konzern ereignen könnte», sagte Lufthansa-CEO Carsten Spohr an einer Pressekonferenz. Die französische Staatsanwaltschaft informierte über die Absturzursache: Ein Unfall wird ausgeschlossen. Der Co-Pilot war während des Sinkfluges bei Bewusstsein und antwortete bewusst nicht auf sämtliche Kontaktversuche. Die Trümmer des Airbus waren über vier Hektaren verteilt. Einige Schüler versammelten sich damals vor dem Joseph-König-Gymnasium im deutschen Haltern. Der Chef der französischen Luftfahrtbehörde, Rémi Jouty, sagte an einer Pressekonferenz, dass aus der gefundenen Blackbox brauchbare Audiodateien extrahiert werden konnten. Nun müssten sie noch analysiert werden. Im Alpenort Seyne waren Helfer und Journalisten vor Ort. Eine der beiden Blackboxes des abgestürztes A320. Der geborgene Stimmrekorder wurde nach Paris zur französischen Luftfahrtermittlungsbehörde BEA gebracht. Die Germanwings-Maschine war beim Absturz in sehr kleine Teile zerbrochen. «Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass dieser schnelle Höhenverlust des Flugzeugs für den Augenblick unerklärt bleibt», sagte Brice Robin, Staatsanwalt von Marseille. Am Joseph-König-Gymnasium in Haltern war der Schock riesig. Zahlreiche Kerzen wurden vor der Schule niedergelegt. Ulrich Wessel, der Rektor des Gymnasiums, gab damals eine Pressekonferenz: «Eine fröhliche Fahrt endete in einer Tragödie.» Ein Kondolenzbuch lag im Berliner Dom aus. Die Fahnen bei Lufthansa und Germanwings waren auf Halbmast. Am 25. März 2015 legten die Airlinemitarbeiter um 10.53 Uhr eine Schweigeminute für die Opfer ein. Ein Bild der Absturzstelle zeigt die Trümmer des Airbus. Überall lagen Trümmerteile. Das Flugzeug war im Gebirge zerschellt. «Entsetzliche Bilder in dieser Berglandschaft. Es bleibt nichts ausser Trümmern und Leichen», twitterte Christophe Castaner, Abgeordneter der Region Alpes-de-Haute-Provence. Helikopter überflogen die Unglücksstelle. Die Absturzstelle lag an einer schwer zugänglichen Stelle im L'Estrop-Massiv. 144 Passagiere und sechs Crewmitglieder waren an Bord der abgestürzten Maschine der Germanwings. Es gab keine Überlebenden. Die Maschine war in Barcelona gestartet und auf dem Weg nach Düsseldorf. Die Einsatzkräfte versammelten sich nahe der Absturzstelle in Seyne-les-Alpes. Insgesamt waren Hunderte Personen aufgeboten. Auch Mitglieder der Gendarmerie waren vor Ort. Es könne einige Zeit dauern, bis die Rettungskräfte an der Unglücksstelle ankämen, hiess es zuvor in französischen Medien. 16 Schüler und zwei Lehrer waren an Bord der Unglücksmaschine. Die Unglücksmaschine soll in kurzer Zeit sehr viel Höhe verloren haben, die Piloten hätten kein Notsignal abgegeben, meldeten französische Medien. Spanier und Deutsche befanden sich an Bord des Flugzeugs. Eine Angehörige wartete in Düsseldorf auf die verunglückte Maschine aus Düsseldorf. Die Angehörigen wurden von Flughafenmitarbeitern betreut. Anzeigetafel am Flughafen Düsseldorf. «Unsere Gedanken sind jetzt bei allen Angehörigen und Freunden unserer Passagiere und Crew», sagte Carsten Spohr, CEO der Lufthansa. Bei der Unglücksmaschine handelte es sich um diesen Airbus A320 der Fluggesellschaft Germanwings - hier zu sehen bei einem Anflug auf Zürich, fotografiert von Leser Stefan Siegenthaler. Die Unglücksstelle liegt im Süden Frankreichs.

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Hunderte Piloten weltweit könnten einer neuen Studie zufolge an Depressionen leiden, aber aus Angst vor Problemen im Job keine Hilfe suchen. Bei mehr als jedem zehnten Pilot, der an einer anonymen Online-Studie der Elite-Universität Harvard teilnahm, seien Anzeichen einer Depression erkennbar, berichteten die Forscher. Ihre Studie veröffentlichten sie im Fachjournal «Environmental Health».

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«Schleier der Verschwiegenheit»

«Wir haben herausgefunden, dass viele Piloten, die derzeit fliegen, mit depressiven Symptomen kämpfen, und es könnte sein, dass sie keine Hilfe suchen, weil sie Angst vor negativen Auswirkungen auf ihre Karriere haben», sagte der Hauptautor der Studie, Joseph Allen in einer Mitteilung. «Es gibt einen Schleier der Verschwiegenheit um psychische Probleme im Cockpit.» Wegen des Stigmas um das Thema sei die Forschung nicht einfach.

An der anonymen Online-Studie nahmen 3500 Piloten aus mehr als 50 Ländern teil, rund die Hälfte davon beantwortete auch die Fragen zu ihrer psychischen Verfassung. Davon zeigten 12,6 Prozent Zeichen von Depression, rund vier Prozent berichteten von Suizidgedanken innerhalb der vergangenen zwei Wochen – besonders diejenigen, die hohe Dosen von Schlafmitteln nahmen, oder sexuell oder verbal belästigt worden waren.

350 Millionen Menschen weltweit

Weltweit leiden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO rund 350 Millionen Menschen an Depressionen. In der Schweizer Bevölkerung erkrankt jeder Fünfte mindestens einmal im Leben an einer affektiven Störung, so ein Bericht des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) von 2013.

Ein psychisch kranker deutscher Co-Pilot hatte im März 2015 eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen absichtlich zum Absturz gebracht (siehe Bildstrecke). Dabei waren alle 150 Insassen der Maschine getötet worden.

(fee/sda)