Trotz Kampagne

27. Januar 2017 09:41; Akt: 27.01.2017 16:48 Print

Geschlechtskrankheiten nehmen teils massiv zu

In der Schweiz verbreiten sich einige Geschlechtskrankheiten trotz grossangelegter Kampagne weiter. Eine Übersicht.

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«Partner wechselt. Safer Sex bleibt», lautet das Motto der Love-Life-Kampagne des Bundesamts für Gesundheit (BAG): Eine Aufnahme verschiedener Plakate. (Symbol) (Bild: Keystone/Handout BAG)

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In der Schweiz nehmen Geschlechtskrankheiten trotz einer grossangelegten Kampagne der Gesundheitsbehörden teilweise massiv zu. Dabei hatte der Bund 2011 angekündigt, dass die Zahl der Ansteckungen mit sexuell übertragbaren Krankheiten bis 2017 halbiert werden soll.

Die Präventionsbemühungen sind aber nach Einschätzung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) trotzdem nicht gescheitert. Denn beim Aids-Virus HIV, der sexuell übertragbaren Infektion mit den schwerwiegendsten Folgen, ist die Anzahl neuer Fälle mit 556 gegenüber 552 im Vorjahr stabil, wie BAG-Sprecher Adrien Kay der Nachrichtenagentur sda sagte.

Über ein Viertel mehr Fälle von Tripper

Im laufenden Jahr soll die Love-Life-Kampagne weitergeführt werden. Ungefähr zwei Millionen Franken werden pro Jahr in die Prävention gesteckt. Bei einer Person, die eine HIV-Diagnose erhält, gehen die Gesundheitsbehörden vergleichsweise von Lifetime-Behandlungskosten von rund einer Million Franken zulasten der Krankenversicherung aus.

Besonders stark angestiegen sind im vergangenen Jahr die Fälle von Gonorrhoe, dem Tripper. Sie stiegen um über ein Viertel auf fast 2500 Fälle an. Dabei war 2014 erstmals seit der Wiedereinführung der Meldepflicht 2006 noch ein Rückgang um vier Prozent festgestellt worden. Bei Syphilis wurde sogar nach zwei Jahren mit rückläufigen Zahlen wieder ein Anstieg beobachtet, und zwar um 11,5 Prozent. 1176 Fälle wurden letztes Jahr gemeldet.

Chlamydiose weiter auf dem Vormarsch

Bei der in der Schweiz und auch in Europa am weitesten verbreiteten sexuell übertragbaren Infektion, Chlamydiose, betrug der Anstieg rund 8,5 Prozent auf etwas über 11'000 Fälle.

Die Zahl der Chlamydiose-Fälle steigt seit Jahren an. Die Zunahme der Geschlechtskrankheiten ist nach Einschätzung des BAG zum Teil auch auf neue Tests sowie eine erhöhte Sensibilisierung der Ärzte zurückzuführen.

WHO warnt vor Resistenzen

Erst im vergangenen Herbst hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO darauf hingewiesen, dass die weltweit verbreiteten Geschlechtskrankheiten Gonorrhoe, Syphilis und Chlamydiose immer schwerer zu bekämpfen sind. Die Bakterien, die sie auslösen, seien in wachsendem Masse resistent gegenüber Antibiotika.

Als Hauptgrund wurde angegeben, dass Medikamente oft fehlerhaft oder zu häufig angewandt wurden. Die stärkste Resistenz hatten die Erreger der Gonorrhoe (Tripper) entwickelt, mit denen sich weltweit jährlich 78 Millionen Menschen infizieren. So wurden Gonorrhoe-Stämme entdeckt, die auf keine der zur Verfügung stehenden Antibiotika mehr reagieren. Nach Auskunft des BAG sind die Antibiotika-Resistenzen bei Gonorrhoe in der Schweiz aber im Moment soweit unter Kontrolle.

Bei Genital-Beschwerden zum Arzt

In die Love-Life-Kampagne des BAG waren 2011 auch Schutzbotschaften für andere sexuell übertragbare Krankheiten integriert worden. Zusätzlich zu den bestehenden Safer-Sex-Regeln wie Eindringen immer mit Gummi und Sperma und Blut nicht in den Mund wurde eine dritte Regel formuliert: Bei Juckreiz, Brennen, Ausfluss oder anderen Beschwerden im Genitalbereich sofort zum Arzt respektive zur Ärztin.

So sollten Infektionen möglichst rasch entdeckt und behandelt werden können. Um auch sexuell übertragbare Krankheiten ohne Symptome zu entdecken, wurde zudem die Information der Sexualpartner bei der Diagnose von Geschlechtskrankheiten thematisiert. Denn die Partnerbehandlung sei in einem solchen Fall wichtig.

(mch/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • oliver franz am 27.01.2017 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    lasst sie doch...

    rumvögeln und nehmt die behandlung aus dem tarmed. ich mag das nicht noch mit meinen kk-prämien mitfinanzieren.

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  • Hirnlos am 27.01.2017 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht KK pflichtig

    Behandlung von Geschlechtskrankheiten sollten nicht von der KK bezahlt werden. Hier wird mal wieder für den kurzfristigen Spass viel Gemeinschaftskosten generiert.

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  • Malu14 am 27.01.2017 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was wird denn erwartet

    Kann man nichts machen, auch mit den Kampagnien nicht. Wenn Mensch so Triebgesteuert ist, Fremdgehen so in Mode ist und Monogamie nicht existiert, dann wird es auch nicht besser werden. Es wird Werbung gemacht für die Pille danach, ja also was erwartet man dann anderes. Jeder ist für sich selber verantwortlich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • S. E. am 29.01.2017 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur die Jungen

    sind diejenigen welche ohne. 40+ ist genauso, denn danach gehen einige Beziehungen/Ehen auseinander und man ist wieder vogelfrei.

  • Gianni Motta am 27.01.2017 21:21 Report Diesen Beitrag melden

    Die Kampagne bewirkt das Gegenteil

    Die Kampagne ist schlecht, sie muss geändert werden. Ist euch nicht aufgefallen, dass die Plakate gerade zu ungeschütztem Sex animieren?

  • Mann aka Jeremy am 27.01.2017 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wenn der Ehefrau wegen dem Dopamin

    Familie, Ehe, Zukunft schlicht alles egal ist und sie mit ihrer Zufallsbekanntschaft bei der ersten Gelegenheit in die Kiste springt, wieviele Gedanken über Empfängnisverhütung oder gar Geschlechtskrankheiten kann man da noch erwarten?

    • Hannibal Lecter am 29.01.2017 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mann aka Jeremy

      Uhh da scheinen Erinnerungen in Ihnen hoch zu kommen...

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  • Dr. True am 27.01.2017 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Treue

    Das einzige sichere Mittel dagegen: Treue und Vertrauen!

    • Hannibal Lecter am 29.01.2017 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dr. True

      Nicht wirklich...

    • S. E. am 29.01.2017 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dr. True

      Und was war vor der Treue? Weisst Du das mit Sicherheit?

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  • Historiker am 27.01.2017 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Es war einmal vor langer Zeit

    Es gibt Leute, die bezahlen 520 Franken für ungeschützten Geschlechtsverkehr und bekommen danach Tripper ;)

    • geschichte am 28.01.2017 00:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Historiker

      hmm , selber schuld , allerdings ist ihr preisniveau etwas hoch angesetzt , egal , aber das weiss doch jeder bodenhaftende mensch selber , deshalb , es fragt sich , ob man dies erwähnen soll

    • Martial2 am 03.02.2017 14:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Historiker

      Ja das kommt noch wesentlich teuerer als diese paar Hundert Franken...Dazu sind die Konsequenzen teilweise irreparable!!

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