Verbesserte Therapie

02. September 2016 10:33; Akt: 02.09.2016 11:51 Print

Einfacher Trick nimmt Angst vor Spinnen

Hoffnung für Menschen mit Angststörungen: Schwedische Forscher haben einen Weg gefunden, der selbst bisher Untherapierbaren helfen könnte.

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Frische Erinnerungen können leichter überschrieben werden als ältere. Diese Erkenntnis nutzten nun schwedische Forscher, um bisher langjährige Spinnenphobiker zu therapieren. Auch anderen Angstpatienten könnte damit geholfen werden. So auch folgenden. Es gibt Menschen, die sich vor einer Ansammlung von kleinen Löchern fürchten. Ihr Leiden nennt man . Verantwortlich für extreme Reaktionen sind Objekte, deren Muster durch eine Wiederholung von Löchern gebildet werden. So wie bei den Samenkapseln der Lotus-Blüte». Zwar ekelt sich wohl jeder vorm Erbrechen, bei -Betroffenen ist die Abscheu aber so gross, dass ihr Leben beeinträchtigt wird. Manche fürchten sich, das Erbrechen anderer zu erleben und meiden Orte, die sie als riskant einstufen. Andere haben Angst vor dem eigenen Erbrechen, jedes Magengeräusch wird so zur potenziellen Gefahr. Besonders fies: Die Angst selbst verursacht Übelkeit. sollte man besser keine Jethro-Tull-CD schenken. Denn die fürchten sich vor Flötenklängen jeglicher Art. Eine Phobie, die möglicherweise durch eine traumatisierende Erfahrung während des Flötenunterrichts in der Kindheit ausgelöst wurde. Entspannt ins Bett fallen und ruhig einschlafen? Bei funktioniert das nicht. Sie ergreift Panik, wenn sie ans Zubettgehen denken. Die Wurzel des Übels findet sich auch hier - wie so oft - in der Kindheit. Einzeln findet er sie abstossend, gebüschelt gar haarsträubend. Der ekelt und fürchtet sich ausserordentlich vor Haaren, die an Kleidern hängen bleiben oder auf dem Boden herumliegen. Für den ist es der Schreckensmoment: Er kann den Anblick von Menschen mit Amputationen nicht ertragen, egal, wie freundlich und sympathisch sie auch sein mögen. (Im Bild: Team Row2Recovery der Talisker-Whisky-Atlantic-Challenge 2015) Mit diesen Knollen schlägt man garantiert in die Flucht: Wenn sie Knoblauch sehen, geschweige denn riechen, suchen sie das Weite. Bei einer besonders stark ausgeprägten Form dieser Erkrankung reicht sogar der Anblick einer Knoblauchzehe aus, um beim Gegenüber einen Brechreiz zu provozieren. Am Fusse des neuseeländischen Bergs wird ein nie Ferien machen. Er ängstigt sich nämlich vor langen Wörtern. Alles Gute kommt von oben - nicht für den : Die Tatsache, dass man nach seinem Dasein auf Erden «in den Himmel kommt», machte ihn längst zum Atheisten: Er bekommt Panik, wenn er seinen Blick gen Himmel richtet. Aulophobie, Parthenophobie - schlimm? Nicht, wenn man Panophobiker ist: Dann hat man Angst vor allem und jedem. Damit ist die die mit Abstand schlimmste existierende Angststörung überhaupt.

Zum Thema
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Spinnen, Statuen oder Löcher: Alltägliche Dinge jagen vielen Menschen Angst ein. Warum, wissen die Betroffenen oftmals selber nicht. Die Angst ist einfach da. Während die einen ganz gut damit leben können, wissen die anderen weder ein noch aus. Ihnen kann eine Konfrontationstherapie (siehe Box) helfen. Allerdings schlägt eine solche nicht immer an. Das könnte sich nun ändern.

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Denn Forscher der schwedischen Universität Uppsala und des Karolinska Instituts haben eine Möglichkeit gefunden, Therapien zu verbessern. Und zwar mit einem ganz einfachen Kniff, wie sie im Fachjournal «Current Biology» berichten.

Konfrontation vor der Konfrontation

Für die Studie versammelte das Team um Johannes Björkstrand 45 Spinnenphobiker im Labor, die alle seit durchschnittlich 20 Jahren unter ihrer Angst litten.

22 Teilnehmern zeigten sie zehn Minuten vor Beginn der eigentlichen Therapiesitzung ein Spinnenbild und aktivierten so die angstbesetzte Erinnerung. Die anderen 23 Probanden dienten als Kontrollgruppe: Ihnen wurde zwar auch ein Bild von einer Spinne gezeigt, dies jedoch sechs Stunden vor der Behandlung.

Deutlicher Erfolg

Um Aussagen über die unterschiedlichen Auswirkungen treffen zu können, befanden sich alle Patienten während der Therapie in einem Magnetresonanztomographen (MRT). Mit dessen Hilfe zeichneten die Forscher die Hirnaktivität der Amygdala auf, der Gehirnregion, die an der Entstehung von Ängsten beteiligt ist. Dabei wurden beiden Gruppen dieselben Bilder gezeigt – von Spinnen sowie von neutralen Motiven.

Am darauf folgenden Tag wurde erneut getestet, wie stark die Probanden aus beiden Gruppen nun auf Spinnenbilder reagieren. Ergebnis: Die 22 Personen, deren Erinnerung an den Auslöser der Phobie erst kurz vor der Therapie aktiviert worden war, wiesen deutlich weniger Aktivität in der Amygdala auf als die Teilnehmer der Kontrollgruppe. Das heisst: Ihre Angst ist weniger geworden.

Negative Erinnerungen überschreiben

«Es ist bemerkenswert, dass so eine einfache Manipulation so deutliche Auswirkungen auf die Hirnaktivitäten und das Verhalten hat», kommentiert Björkstrand das Resultat in einer Mitteilung.

Verantwortlich dafür ist wahrscheinlich ein Effekt, der noch nicht allzu lange bekannt ist. Demnach wird durch das Aufrufen des Auslöser der Phobie – in diesem Fall Spinnen – die Erinnerung instabil gemacht und kann deshalb durch eine positive Erinnerung überschrieben beziehungsweise ersetzt werden. Die aktuelle Studie zeigt, dass das Zeitfenster dafür begrenzt ist. Schliesslich hat sich die angstauslösende Erinnerung bei der Kontrollgruppe in den sechs Stunden bis Therapiebeginn wieder stabilisiert.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandrine am 02.09.2016 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Angst und Ekel nicht das Gleich!

    Angst und Ekel sind nicht das Gleiche! Leide seit Jahren an einem unbeschreiblichen Ekel vor Spinnen. Wenn sie eine bestimmte Grösse erreicht haben, gibt es kein Pardon in meinen 4 Wänden. Sage mir dann, sie hätten genügend Platz draussen, habe sie nicht eingeladen. Dabei sind andere Insekten kein Problem. Jaja, ich weiss es ist nicht nett von mir, aber die, die das gleiche Problem haben, verstehen die konsequente Handlung.

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  • Anne89 am 02.09.2016 11:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Untherapierbar ;)

    Wenn bei mir eine Spinne im Schlafzimmer zu nahe beim Bett ist und ich schlafen will, gewinnt i m m e r die Spinne! Ich ziehe dann nämlich mit Matratze in ein anderes Zimmer, eine Spinne zu töten, nur weil ich Angst vor ihr habe, bringe ich bis heute nicht übers Herz!

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  • Brumm am 02.09.2016 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ängste gehören zum Leben

    Ich weiss nicht warum man immer alles therapieren muss. Ausser in speziellen Fällen finde ich es ok.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • André am 04.09.2016 00:38 Report Diesen Beitrag melden

    Spinnen

    Solange ich weiss wo die Spinne ist und sie auch schön da bleibt ist alles okay. Aber wehe sie plötzlich weg. Dann gehts los ;-)

  • Becky am 03.09.2016 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    Mut an alle Phobiker

    Angst zu haben macht Evolutionstechnisch Sinn. Das Problem ist aber, dass eine Phobie keine rationale Angst ist. Ich kann das Gefühl des Ekels gemischt mit Angst und Panik selbst nicht richtig erklären. Und die Wut auf mich selbst, wenn ich mal wieder heulend vor einer Spinne sitze, ist fast das schlimmste. Dabei bin ich ein absoluter Tier- und Naturliebhaber, weshalb das Töten auch nie eine Option ist. An alle Betroffenen: man muss die Phobie verstehen. Man projieziert eine andere - oft unbekannte - Angst auf das Phobieobjekt. Habe positive Erfahrung mit Hypnose gemacht.Kann's jedem empfehlen

  • Poltergeist am 02.09.2016 23:26 Report Diesen Beitrag melden

    hätten wir keine Angst

    wären wir alle schon lange weg. Am meisten Angst machen mir diese kleinen "Änderungen" die unsere Einstellungen ändern können.

  • binnee majä am 02.09.2016 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falsche bilder! 

    Also die Personen die diesen Artikel lesen möchten sind ja solche die Panik vor spinnen haben. Nur wie will ich diesen Artikel lesen wenn es voll ist mit Bildern von spinnen? super!!

  • O.S. am 02.09.2016 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbs therapieren

    Ich habe mich selbst therapiert. Wir hatten in Zürich kleine Springspinnen auf dem Balkon. Es war faszinierend zu sehen, wie sie jagen, wie sie meinen Finger anglotzten und dass sie auf mich mit meinem Grashalm reagierten... Seit da sehe ich Spinnen anders.

    • André am 04.09.2016 00:22 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, ist eine Möglihckeit

      Mir ging es ähnlich. Ich stell sie mir immer mit einem lächelnden Comic-Gesicht vor. Seither sind wirklich nur noch die grösseren Kandidaten ein Problem oder wenn ich in ein Spinnennetz laufe. Doch wie hier auch schon Erwähnt geht es eher um Ekel statt um Angst. Eigentlich sind es sehr spannende Tiere im wahrsten Sinne des Wortes ;-)

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