50 Jahre Mauerbau

14. Juli 2011 14:02; Akt: 14.07.2011 14:30 Print

Das politische Fundament der Mauer

von Daniel Wenisch, dapd - Die Mauer, die die ehemalige Reichshauptstadt Berlin teilte, war der steingewordene Ausdruck für die Teilung der Welt im Kalten Krieg.

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DDR-Grenzschützer bewachen die Bauarbeiter während des Mauerbaus in Berlin. (Bild: Keystone/AP/Eddie Worth)

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Als in den Morgenstunden des 13. August 1961 die Grenze zwischen West-Berlin und der DDR mit Stacheldraht befestigt wurde und der Bau der Berliner Mauer begann, war dies ein neuer Höhepunkt einer längeren weltpolitischen Entwicklung. Schon mit dem Kriegsende 1945 wurden die Weichen für eine Teilung der Welt gestellt.
Bereits kurz nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 7./8. Mai zerbrach die Anti-Hitler-Koalition der Westmächte und der Sowjetunion. Schnell wurde klar, dass die Kooperation der USA, Grossbritanniens und Frankreichs auf der einen Seite und der Sowjetunion auf der anderen Seite nur eine Zweckgemeinschaft gegen den gemeinsamen Feind war.

Schon auf der Konferenz von Potsdam im Juli 1945 wurden erste Meinungsverschiedenheiten offenkundig, beispielsweise als Stalin bei der Frage nach der deutschen Ost-Grenze die USA und Grossbritannien vor vollendete Tatsachen stellte, indem er Polen die Oder-Neisse-Linie bereits vor Beginn der Verhandlungen zusicherte. Spätestens mit der grundverschiedenen Auslegung der in Potsdam vereinbarten Demokratisierung Deutschlands traten die unterschiedlichen Auffassungen zur deutschen Zukunft und der ideologischen Ausrichtung von Ost und West offen zutage.

Beginn des Kalten Krieges

Schon im März 1946 sprach der damalige britische Oppositionsführer Winston Churchill vom «Eisernen Vorhang», der Europa durchziehe. Beide Supermächte, die USA und die UdSSR, versuchten fortan ihre Einflusszonen in Europa zu konsolidieren. Die Vereinigten Staaten setzten dabei auf die Taktik der Eindämmungspolitik («Containment»), welche die weitere Ausbreitung des Kommunismus in Europa verhindern sollte. Dazu wurde 1949 ein westliches Militärbündnis, die NATO, ins Leben gerufen. Der Ostblock beantwortete den NATO-Beitritt West-Deutschlands 1955 mit der Gründung des Warschauer Pakts.
In Deutschland machte sich der Ost-West-Konflikt durch die Währungsreformen in den westlichen und in der sowjetischen Besatzungszone bemerkbar. Vorläufiger Höhepunkt der weltpolitischen Auseinandersetzung war die Berlin-Blockade ab Juni 1948, während der die West-Berliner Bevölkerung durch die Luftbrücke fast ein Jahr lang per Flugzeug mit allem Lebensnotwendigen versorgt werden musste.

Der Kalte Krieg, die «Schlacht der Ideen», hatte begonnen und verschärfte sich auch in Deutschland durch die Vollendung der Teilung mit der Gründung der beiden Staaten 1949. Im Anschluss trieb die Bundesrepublik unter Kanzler Konrad Adenauer (CDU) die Westintegration voran, während die DDR sich den sozialistischen Staaten in Osteuropa zuwandte.

Erster grosser Stellvertreterkrieg in Korea

Mit dem ersten erfolgreichen Atombombentest der Sowjetunion 1949 wurde auch auf militärischer Ebene ein «Gleichgewicht des Schreckens» zwischen den zwei Blöcken hergestellt. Ein unaufhaltsames Wettrüsten begann. Weiter verschärft wurde der Ost-West-Gegensatz durch Maos kommunistischen Umsturz in China.

Von 1950 bis 1953 kam es in Korea zur ersten grossen militärischen Auseinandersetzung während des Kalten Krieges, nachdem der kommunistische Norden in den westlich orientierten Süden einmarschiert war. Die USA kämpften in diesem Stellvertreterkrieg offen an der Seite Südkoreas, während der Norden Unterstützung von China erhielt. Die Sowjets beteiligten sich vor allem durch Waffenlieferungen an der Auseinandersetzung.

Die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik und der Beitritt zum Nordatlantikpakt waren eine der Folgen des Konflikts, da der Westen eine ähnliche Bedrohung wie in Südkorea auch für West-Deutschland sah. Zudem reagierte die NATO Mitte der 50er Jahre mit der neuen Militärstrategie der massiven Vergeltung («massive retaliation»), wonach jede militärische Aggression mit einem nuklearen Gegenschlag beantwortet werden sollte.

Die Einflusssphäre der UdSSR wurde von den Vereinigten Staaten fortan anerkannt. Das wurde vor allem bei der Niederschlagung der Volksaufstände in der DDR (17. Juni 1953) und in Ungarn (November 1956) deutlich. Die USA unternahmen dort nichts, um der Gewalt der Roten Armee entgegenzutreten. Nach Stalins Tod 1953 setzte sich die Auffassung seines Nachfolgers Nikita Chruschtschow von der «friedlichen Koexistenz» von Ost und West durch.
Der anhaltenden Fluchtbewegung Hunderttausender DDR-Bürger nach West-Berlin konnte aber weder diese Entspannung der weltpolitischen Lage entgegenwirken noch das Berlin-Ultimatum Chruschtschows, das den Abzug der Westmächte aus Berlin und die Errichtung einer entmilitarisierten «Freien Stadt» forderte. Letztlich entschloss sich das Ost-Berliner Regime daher zur totalen Abschottung durch den Bau eines «antifaschistischen Schutzwalls».