Kommission empfiehlt

10. April 2013 14:31; Akt: 10.04.2013 20:58 Print

HIV-Tests für zuhause sollen verboten bleiben

Ist ein HIV-Test, der bequem zuhause gemacht werden kann, Segen oder Fluch? Letzteres, findet die Eidgenössische Kommission für sexuelle Gesundheit. Sie spricht sich gegen eine Zulassung aus.

Zum Thema
Fehler gesehen?

HIV-Tests für den Heimgebrauch sind in den USA seit 2012 zugelassen. In der Schweiz ist ihr Verkauf verboten. So soll es auch bleiben, befindet die Eidgenössische Kommission für sexuelle Gesundheit (EKSG) in einer am Mittwoch freigegebenen Stellungnahme.

Umfrage
Finden Sie HIV-Selbsttests für den Heimgebrauch sinnvoll?
58 %
8 %
34 %
Insgesamt 1835 Teilnehmer

Diagnose, Beratung und Therapie von so schwerwiegenden Infektionskrankheiten wie HIV müssten von gesicherter Qualität sein. Im Moment erfüllen die sogenannten Hometests diese Bedingungen nicht, resümierte die Kommission ihrer Sitzung vom 13. März.

Die Kommission rät deshalb davon ab, die HIV-Hometests für den Schweizer Markt zu bewilligen. Derzeit verbietet die Medizinprodukteverordung, diagnostische Tests für Infektionskrankheiten an Private abzugeben. Es sei aber nicht illegal, übers Internet gekaufte Tests zu verwenden, schreibt die EKSG.

Falsches Resultat verheerend

Sie ermutigt jedoch alle, die dies tun, sich dennoch an eine professionelle HIV-Beratungsstelle zu wenden. «Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn jemand allein zuhause feststellt, dass er HIV-positiv ist», sagte Roger Staub, Leiter Prävention beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), der Nachrichtenagentur SDA.

Fast noch schlimmer wäre es, wenn eine HIV-infizierte Person fälschlicherweise ein negatives Resultat erhält, sagt er. Diese würde davon ausgehen, dass er oder sie nicht ansteckend ist.

In USA gut akzeptiert

Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat HIV-Hometests im Juli 2012 zugelassen. Sie sind in den USA frei erhältlich. Das Amt geht davon aus, dass die Tests die Hemmschwelle senken wird, somit mehr Menschen ihren HIV-Status kennen und das Virus weniger häufig übertragen wird.

Die Selbsttests sollen recht präzise sein und werden von der Bevölkerung in den untersuchten Ländern sehr gut akzeptiert. Zu diesem Schluss kommen kanadische Forscher in einer Übersichtsstudie, die sie letzte Woche im Fachblatt «PLOS Medicine» veröffentlicht haben. Allerdings identifizierten Tests ohne Beratung eine HIV-Infektion weniger treffsicher als solche mit.

Beratung durch Fachperson

Zwar könnten die Selbsttests unter optimalen Bedingungen die Qualität der Labortests annähernd erreichen, erklärte auch Staub. Doch gerade in der Schweiz seien die Bedingungen zuhause nie so optimal wie bei den zahlreichen, zum Teil auch anonymen Beratungsangeboten.

«Der Labortest ist sicherer als der Heimtest und die Beratung durch eine Fachperson besser als eine Bedienungsanleitung», sagte Staub. Deshalb gebe es «keinen Grund, das System zu ändern. Die Nachteile überwiegen».

Finger weg vom Internet

Dies gilt vor allem bei Tests, die übers Internet bestellt werden. «Finger weg», rät Staub, denn ihre Qualität sei oft «sehr zweifelhaft». Das BAG hat zusammen mit der Konsumentenstiftung Fédération romande des consommateurs (FRC) 40 Selbsttests im Internet bestellt und ihre Treffsicherheit anhand von Blutproben von HIV-Infizierten getestet.

Die Resultate waren laut Staub «eine Katastrophe». Von 33 Tests zeigten nur 21 die Infektion korrekt an, sieben falsch, und beim Rest war das Testpaket nicht vollständig oder das Resultat nicht interpretierbar. Fünf Bestellungen wurden zwar einkassiert, aber nicht geliefert.

«Die hohe Rücklaufrate zeigt, dass es den Zollbehörden nicht gelingt, den Verkauf in die Schweiz zu unterbinden», sagte Staub. Dabei sind die Internettests nicht einmal günstiger als die HIV-Tests in Schweizer Beratungszentren, die im Schnitt 50 Franken kosten: Der günstigste Selbsttest kostete zwar nur 28 Franken, der teuerste jedoch satte 92 Franken.

(jbu/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pascal am 11.04.2013 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja

    Ich würde ihn benutzen, und wenn er positiv anzeigen würde, würde ich zur Sicherheit noch einen "richtigen" Test machen.

  • Werner am 10.04.2013 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Komische Ansicht der EKSG

    Das ist wieder mal ein Argument. Was soll daran schlecht sein wenn der Test positiv ist geh ich eh zum Arzt und lass es nochmals untersuchen. Wenn ich gar nichts mache passiert ja auch nichts oder geht jetzt jeder der mit jemandem anderern schläft gleich zum Arzt wegen Aids? Wohl kaum meistens kommt es per Zufall raus. Also geht es wieder mal, wie immer in der Schweiz nur ums Geld mehr nicht.

  • Tony am 11.04.2013 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bund

    Reine Geldmacherei der Schweizer Gesundheitsbehörde! Frechheit!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tony am 11.04.2013 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bund

    Reine Geldmacherei der Schweizer Gesundheitsbehörde! Frechheit!!

  • Pascal am 11.04.2013 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja

    Ich würde ihn benutzen, und wenn er positiv anzeigen würde, würde ich zur Sicherheit noch einen "richtigen" Test machen.

  • Nella Müller am 10.04.2013 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    Pro Verbot

    Ich finde das Verbot richtig. Ich stelle mir gerade vor, in welcher Verfassung eine Person sein muss nach positivem Ergebnis allein in seinen 4 Wänden... In dem Moment darf sie nicht allein sein.

    • Rosmarie Kull am 11.04.2013 15:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Finde ich auch. Ist ja keine Krankheit die geheilt werden kann.

    einklappen einklappen
  • Arzt am 10.04.2013 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Verbot tabuisiert weiterhin Thema AIDS

    Die Argumente der EKSG sind schlicht nicht mehr haltbar, die heutigen Selbst-Tests sind durchaus zuverlässig und anwendungsfreundlich, von Testverfälschung etc. kann also gar keine Rede sein. Zudem muss ein positiver Test so oder so bei einem nachgetestet werden. Im Kampf gegen HIV aber auch im Umngang mit diesem Thema hat es die EKSG nun schlicht versäumt, eine zeitgemässe, moderne Testmöglichkeit anzubieten. Als Arzt halte ich diesen Entscheid für ethisch als auch wissenschaftlich falsch.

  • Werner am 10.04.2013 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Komische Ansicht der EKSG

    Das ist wieder mal ein Argument. Was soll daran schlecht sein wenn der Test positiv ist geh ich eh zum Arzt und lass es nochmals untersuchen. Wenn ich gar nichts mache passiert ja auch nichts oder geht jetzt jeder der mit jemandem anderern schläft gleich zum Arzt wegen Aids? Wohl kaum meistens kommt es per Zufall raus. Also geht es wieder mal, wie immer in der Schweiz nur ums Geld mehr nicht.