Montreal

11. August 2017 05:25; Akt: 11.08.2017 13:59 Print

Teenager eliminiert Nadal – Federer bald Nummer 1?

Sensation am Masters-1000-Turnier in Montreal: Rafael Nadal verliert gegen den kanadischen 18-jährigen Denis Shapovalov. Nun winkt Roger Federers grosse Chance.

13 Jahre jünger als sein Gegner: Denis Shapovalov überrascht in Montreal. (Video: Tamedia/AP)
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Rafael Nadal hätte mindestens den Halbfinal erreichen müssen, um Andy Murray an der Spitze der Weltrangliste abzulösen. Der 18-jährige Denis Shapovalov, letztes Jahr Juniorensieger in Wimbledon und aktuell die Nummer 143 der Welt, gewann einen Krimi in zweidreiviertel Stunden 3:6, 6:4, 7:6 (7:4).

Im dritten Satz zeigte Nadal überraschend Nerven. Er verpasste sämtliche sechs Breakmöglichkeiten, während der in Israel geborene Shapovalov zu keiner einzigen Chance kam. Im Tiebreak führte der 13 Jahre ältere Spanier 3:0, gewann dann aber nur noch einen der letzten acht Punkte. Beim Matchball brillierte der Kanadier, wie Nadal Linkshänder, mit einem seiner vielen Vorhand-Winner. Insgesamt schlug der 49 direkte Gewinnpunkte, gegenüber 18 seines Gegners.

Rafael Nadal verliert gegen kanadischen Teenager

Shapovalov verblüfft mit Hartnäckigkeit

Der hochtalentierte Shapovalov, dessen Eltern in den Grossraum Toronto auswanderten, als er weniger als ein Jahr alt war, verblüffte auch mit seiner Hartnäckigkeit. Nachdem er bis zum 3:3 im ersten Satz gut mitgehalten hatte, schien alles seinen erwarteten Lauf zu nehmen, als Nadal innert weniger Minuten auf 6:3 davonzog. Der junge Kanadier liess sich jedoch nicht abschütteln und verdiente sich letztlich den Sieg, weil er mutiger spielte als der zu passive Spanier.

Nun winkt stattdessen Roger Federer die grosse Chance, sich mit dem Turniersieg in Montreal in eine ausgezeichnete Position zu bringen, um in einer Woche seinerseits wieder die Nummer 1 zu werden. Er spielt seinen Viertelfinal gegen Roberto Bautista Agut heute Freitag gegen 20.30 Uhr Schweizer Zeit. Mit Federer und Alexander Zverev erreichten nur zwei Top-Ten-Spieler die Viertelfinals.

Im Achtelfinal hatte Roger Federer einige Mühe gegen David Ferrer. Letztlich siegte er aber doch 4:6, 6:4, 6:2. Federer agierte ungewohnt fehlerhaft und zeigte seine Unzufriedenheit immer wieder deutlich. Am Ende rang er den zähen Spanier aber nieder. Mit zunehmender Dauer fand der Schweizer besser zu seinem Spiel. Im dritten Satz gelang ihm gleich im ersten Game das Break, von dem sich der ehemalige Top-Five-Spieler Ferrer nicht mehr erholte. Letztlich gewann der Spanier im 17. Duell mit Federer lediglich seinen sechsten Satz, nicht aber erstmals den Match.

So viel Mühe wie am Donnerstagabend bekundete Federer aber noch selten. Erst zum zweiten Mal überhaupt entschied der Spanier den ersten Satz für sich – und er tat dies mit viel Hilfe des Schweizers. Ferrer, einer von nur vier aktiven Spielern (neben Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic) mit mehr als 700 Siegen auf ATP-Level, führte nach einem Break zum 3:1 mit 5:2, ehe Federer nochmals herankam. Bei eigenem Aufschlag gab der 36-jährige Basler den Satz mit einem Vorhandfehler aber dennoch ab.

Auch im zweiten Satz blieb er fehlerhaft und gab ein erstes Break mit einem von vier Doppelfehlern gleich wieder aus der Hand. Der ein Jahr jüngere Ferrer, der nach Verletzungen nur noch die Nummer 33 der Welt ist, konnte davon aber nicht profitieren. Federer gelang zum 3:2 erneut ein Break, das er bis zum Ende verteidigte. Deutliches Zeichen der nicht optimalen Tagesform: Als er bei 5:4 zum Satz servierte, musste Federer nochmals zwei Breakchancen abwehren. Er tat dies mit zwei Aufschlagpunkten aber sehr souverän.

Mit 47 unerzwungenen Fehlern – fast gleichmässig auf Vor- und Rückhand verteilt – gelang Federer für einmal keine Gala, obwohl die Bedingungen ideal waren. «Ich hatte Mühe, von der Grundlinie einen Rhythmus zu finden», erklärte er. «Und David konnte mir auf meinen zweiten Aufschlag wehtun.» Man fühle sich nicht an jedem Tag gleich gut, stellte Federer nach seinem 33. Sieg im 35. Spiel in diesem Jahr fest. Am Ende sei ein solcher Erfolg nach einem Rückstand aber auch sehr befriedigend.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anonym am 11.08.2017 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich frage mich...

    ... was in Köpfen der ganzen Federer-Kritiker, die sein Ende bereits vor sieben oder acht Jahren heraufbeschwören wollten (quasi dann, als er nicht mehr mindestens zwei Grand Slams im Jahr gewann und nicht mehr die Weltnummer 1 war) aktuell so vorgeht. :') Finde es toll für Federer, dass er einerseits nicht nur sein grösstes Hobby weiter ausleben kann, sondern auch noch ganz vorne mit dabei ist. Und diese Chance tut sich nun auf, obwohl er die French Open komplett ausgelassen hat, um sich zu schonen!

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  • Querus schlägerus am 11.08.2017 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wandel der Zeit

    Die Top 4 müssen sich langsam warm anziehen. Ihr Körper ist nicht mehr auf dem Level von vor 10 Jahren. RF mag ich es gönnen, nochmals die Nummer 1 zu werden. Sympathisch und bodenständig.

  • Max Zorin am 11.08.2017 05:43 Report Diesen Beitrag melden

    Armer Rafa...

    Rafa hat zwar noch das Kämpferherz aber seine Spielweise hat sich leider nicht verändert. Er versucht es weiterhin mit Kraft aber das reicht leider nicht mehr aus. Roger hat bei Zeiten gemerkt, dass er etwas ändern muss und das tat er sehr erfolgreich. Der junge Kanadier hingegen hat sehr aggressiv und mental nervenstark gespielt und das war der Schlüssel zum Sieg.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • S. Hüftgold am 11.08.2017 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Neues Spiel, neues Glück

    Ich hatte das im Gefühl. Jetzt ist der Weg frei für Roger. So ist das Leben.

  • Marek am 11.08.2017 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Versprechen für die Zukunft?

    Hatte das Glück diesen Shapovalov live im letztjährigen Wimbledon Final (Boys) aus nächster Nähe beim spielen zuzusehen. Haben uns dann schon gefragt wie der wohl mit einem Erwachsenen auf der ATP mithalte könnte. (>zuerst Kyrgios und nun Nadal) Top der junge. Mir gefällt sein Spielstil.

  • Volley am 11.08.2017 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Bald wird für Nadali auch der Sandplatz

    zu schnell sein.

  • Ritiker K. am 11.08.2017 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Die zwei Linkshänder

    Nadal spielt zwar Links, ist jedoch Rechtshänder.

  • Döme am 11.08.2017 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Geringe chancen

    Federer ist ein Opa im Tennissport. Und die jungen wilden kommen und wollen auch etwas vom Kuchen - siehe Niederlage von Nadel.

    • Jenni am 11.08.2017 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Döme

      Stricknadel, Nähnadel? RF ist ein Opa der anscheinend noch vieles gewinnt ;-)

    • CptMcROFLcopter am 11.08.2017 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Döme

      Federer hat dafür viel mehr Erfahrung. Würden Sie lieber mit einem altgedienten Veteranen oder einem körperlich etwas fiteren Rekruten in den Krieg ziehen wollen? Ich würde den Vereranen wählen.

    • Taurus am 11.08.2017 12:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Döme

      Nun, die sog. Jungen Wilden gab es schon immer. Aber was ist bloss los mit denen? Spricht nicht gerade für die junge Generation, wenn der "Opa" bald wieder die Nummer eins ist... Oder sie erzählen einfach den selben Quatsch, wie die ständigen ewigen Roger-Kritiker...

    • Pumpi am 11.08.2017 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Döme

      Martina Navratilova hat noch mit 39 Jahren Turniere gewonnen. Und sie hat damals schon gewusst, dass sie nicht mehr alles spielen kann und darf und hat ihre Einsätze dosiert. Rafa's Spielweise schleisst den Körper. Demzufolge sind sie nicht in allem vergleichbar. Roger kennt seinen Körper sehr gut und wird nichts forcieren, was ihn für immer vom Tennis fern hält und er will ja auch mit seinen Kids mithalten können und die werden ihn noch fordern.

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