Roger Federer

07. September 2017 19:38; Akt: 07.09.2017 21:13 Print

«Mein Schicksal lag in den Händen der Gegner»

Über gesundheitliche Probleme wollte Roger Federer nach seinem Viertelfinal-Aus am US Open nicht reden. Er betonte aber, nie sein bestes Level erreicht zu haben.

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Nach einer furiosen ersten Saisonhälfte geht der Schweizer in New York als Favorit auf den Titel ins Rennen. Das Turnier verläuft durchzogen, Federer erreicht sein Top-Niveau nicht und scheitert im Viertelfinal an Juan Martin del Potro. Federer verliert den Final beim Rogers Cup in Montreal gegen Alexander Zverev. Dominic Thiem from Austria during the semi fnal at the ATP Tournament at Weissenhof in Stuttgart, Germany, 11 June 2016. EPA/MARIJAN MURAT In seinem 10. Wimbledon-Final muss sich Roger Federer in vier Sätzen Novak Djokovic beugen und verpasst seinen achten Titel. Er nimmt die Niederlage jedoch gefasst hin, weil der Serbe einfach besser war. Federer fliegt in Madrid zum ersten Mal in seinem ersten Spiel raus. Er verliert in der zweiten Runde gegen den aufstrebenden Australier Nick Kyrgios nach vergebenen Matchbällen 7:6, 6:7, 6:7. Federer muss an den Australian Open eine überraschende Niederlage einstecken. Er verliert bereits in der dritten Runde gegen Andreas Seppi 4:6, 6:7, 6:4, 6:7. Es ist die erste Niederlage gegen den Italiener im elften Vergleich. Roger Federer scheitert bei den US Open im Achtelfinal am Spanier Tommy Robredo in drei Sätzen. Erstmals seit seinem Titelgewinn 2004 tritt Federer wieder in Gstaad an. Der Hype um den Rekord-Grand-Slam-Gewinner ist riesig. Doch bereits nach dem ersten Auftritt ist Schluss: Im Achtelfinal verliert Federer gegen die Weltnummer 55 Daniel Brands diskussionslos 3:6, 4:6. Federer tritt in Hamburg erstmals mit grösserem Schlägerkopf an. Der «Maestro» findet den Tritt allerdings nicht. Er mogelt sich bis in den Halbfinal durch, verliert dort aber völlig überraschend gegen die Weltnummer 114 Federico Delbonis. Federer tritt als Titelverteidiger und Topfavorit in Wimbledon an. Der siebenfache Champion scheitert aber in der zweiten Runde ohne Ankündigung am angriffigen Ukrainer Sergej Stachowski (ATP 116) 7:6, 6:7, 5:7, 6:7. Federer tritt erstmals seit Jahren wieder bei einer ersten Davis-Cup-Runde an. Die Hoffnung auf ein Weiterkommen ist riesig, doch der Schweizer scheitert in Fribourg an John Isner in fünf Sätzen und leitet damit die 0:5-Pleite der Eidgenossen ein. Federer verspielt im US-Open-Halbfinal gegen Novak Djokovic eine 2:0-Satzführung und verliert 7:6, 6:4, 3:6, 2:6, 5:7. Der Schweizer vergibt dabei sogar zwei Matchbälle. Im Viertelfinal von Wimbledon scheitert Federer nach einer 2:0-Satzführung an Jo-Wilfried Tsonga. Der Franzose spielt die letzten drei Sätze beim 6:3, 7:6, 4:6, 4:6, 4:6 aus Federers Sicht wie von einem anderen Stern und gesteht dem Baselbieter keinen einzigen Breakball mehr zu. Novak Djokovic ist im Halbfinal des US Open Endstation für Federer. Der Schweizer verliert 7:5, 1:6, 7:5, 2:6 und 5:7. Der Schweizer vergibt im fünften Satz zwei Matchbälle. Beim Australian Open ringt Rafael Nadal den Schweizer im Final 5:7, 6:3, 6:7, 6:3, 2:6 nieder. Federer verpasst es damit, mit Pete Sampras' 14 Grand-Slam-Titeln gleichzuziehen und vergiesst bei der Siegerehrung bittere Tränen. Roger Federer tritt als grosser Favorit bei den Olympischen Spielen in Peking an. Im Viertelfinal scheitert er allerdings an James Blake. Immerhin gewinnt Federer im Doppel mit Stanislas Wawrinka Gold. Federer verliert das wohl beste Tennisspiel aller Zeiten. Im Wimbledon-Final muss sich der Schweizer nach einem epischen Kampf, der bis in die Abendstunden dauert, mit 4:6, 4:6, 7:6, 7:6, 7:9 geschlagen geben. Federer wähnt sich vor dem French Open mit Rafael Nadal auf Sand auf Augenhöhe. Es kommt zum Traumfinal, in dem der Schweizer jedoch 1:6, 3:6, 0:6 demontiert wird. Federer scheitert bei den Hartplatzturnieren von Indian Wells und von Key Biscayne zweimal früh an Guillermo Cañas. Im Endspiel des Masters Cup in Schanghai führt Federer gegen David Nalbandian mit 2:0-Sätzen, als ihn eine alte Fussverletzung plötzlich wieder behindert. Der Schweizer muss sich letztlich 7:6, 7:6, 2:6, 1:6, 6:7 geschlagen geben. Federer ist für Olympia in Athen der absolute Topfavorit auf Gold. Doch der «FedExpress» wird in der zweiten Runde vom damals noch langhaarigen Tomas Berdych mit 6:4, 5:7, 5:7 gestoppt. Federer verliert im Davis-Cup-Halbfinal gegen Lleyton Hewitt das vierte Spiel trotz 2:0-Satzführung. Damit ist der Traum vom Final für das Team von Captain Marc Rosset geplatzt. Federer steht erstmals in seiner Karriere im Final von Gstaad. Dem frischgebackenen Wimbledon-Champion gehen allerdings die Kräfte aus, er verliert 7:5, 3:6, 3:6, 6:1, 3:6 gegen den Tschechen Jiri Novak. Top-10-Spieler Federer scheitert in der ersten Runde von Roland Garros völlig unerwartet am Peruaner Luis Horna in drei Sätzen (6:7, 2:6, 6:7). Die Weltnummer 154 Mario Ancic wirft Federer in der ersten Runde von Wimbledon raus. Der Schweizer ist beim 3:6, 6:7, 3:6 chancenlos. Federer verliert seinen zweiten Heimfinal in Basel in Serie. Nach der 3:6, 4:6, 2:6-Pleite gegen Tim Henman kullern ein paar Tränen über seine Wangen. Noch bitterer ist die erste Finalniederlage in Basel. Der Schweizer Youngster verliert 2:6, 6:4, 6:7, 6:1, 1:6 gegen Thomas Enqvist. Für den jungen Roger geht eine kleine Welt unter.

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Roger Federer gewinnt kein sechstes US Open und wird vorerst nicht nochmals die Nummer 1 der Welt. Die Niederlage im Viertelfinal gegen Juan Martin Del Potro war eine mit Ansage - und dennoch eine Enttäuschung.

Rafael Nadal dürfte am späten Mittwochabend New Yorker Zeit zwei Herzen in seiner Brust verspürt haben, als er neben dem Abendessen das Duell zwischen Roger Federer und Juan Martin Del Potro am Fernseher verfolgte. Er hatte sich gewünscht, erstmals am US Open gegen Federer zu spielen und sich für die drei Niederlagen in diesem Jahr gegen den Schweizer zu revanchieren. Anderseits hat er nach dessen Niederlage die Gewissheit, in den nächsten paar Wochen mit Sicherheit die Nummer 1 der Welt zu bleiben.

Federer hatte nicht tief gestapelt, als er Zweifel über seine Chancen beim diesjährigen US Open äusserte. Trotz überzeugenden Auftritten in der 3. und 4. Runde fand er nicht zu seiner überragenden Form der ersten Saisonhälfte. Um einen starken Del Potro zu bezwingen, hätte er diese Topverfassung aber gebraucht. In Flushing Meadows war er davon ein Stück entfernt.

Den Sieg nicht verdient

Federer vergab zu viele Chancen, vor allem im wohl vorentscheidenden dritten Satz, als er im Tiebreak vier Satzbälle nicht nutzte, zwei davon bei eigenem Aufschlag. Dennoch trauerte er der Niederlage nicht nach. «Juan Martin war der bessere Spieler, speziell bei den Big Points», stellte der 36-jährige Basler nüchtern fest. «Ich hätte den Sieg nicht verdient gehabt.» Er habe zwar nicht schlecht gespielt, aber «ich vergab zu viele Chancen und manövrierte mich in ungemütliche Situationen, in denen ich das Glück beanspruchte.»

Federer hatte beim Return grosse Mühe, vor allem auf der Rückhand und gegen den ersten Aufschlag des baumlangen Argentiniers. Zudem beging er aus dem Spiel heraus zu viele Fehler mit der Vorhand und rückte je länger je öfter in den falschen Momenten ans Netz vor.

Nie das beste Level erreicht

Mit dem Rücken schien Federer am US Open keine Probleme mehr zu haben. Die beeinträchtigte Vorbereitung, nachdem der Rücken im verlorenen Montreal-Final gegen Alexander Zverev wieder einmal blockiert hatte, dürfte aber Auswirkungen gehabt haben.

Über gesundheitliche Probleme wollte der 19-fache Grand-Slam-Champion nicht sprechen. Er betonte aber, dass er während des gesamten Turniers nie das Gefühl gehabt habe, «auf meinem besten Level zu sein». «Ich gab mein Bestes, habe den richtigen Rhythmus aber nie gefunden.»

Nicht gut genug

Das Vertrauen in die Schläge habe gefehlt. «Beim Service war ich nicht so überzeugt von mir wie sonst, und bei der Vorhand wusste ich nie genau, wo der Ball hingeht. Mein Schicksal lag diesmal in den Händen der Gegner.» Bei seinen Siegen in Wimbledon und beim Australian Open sei das nicht so gewesen. «Ich war hier nicht gut genug – im Kopf, im Körper und im Spiel nicht», zog Federer schonungslos Bilanz.

Dennoch dürfte er im Herbst nochmals eine Chance auf die Nummer 1 bekommen. Er brauche nun eine Pause, erklärte Federer. Danach plant er Einsätze am neuen Laver Cup in Prag (keine ATP-Punkte), in Schanghai, Basel, Paris-Bercy und an den ATP-Finals in London. Je nach weiterem Abschneiden Nadals in New York muss er 580, 1060 oder 1860 Punkte mehr holen als der Spanier, um ihn von der Spitze zu verdrängen.

Del Potro nicht chancenlos

Schützenhilfe könnte er nun ausgerechnet von Del Potro erhalten, der in der Nacht auf Samstag auf Nadal trifft. Federer glaubt, dass der Argentinier die besseren Siegchancen als er selber hat. Del Potro gewann immerhin 5 von 13 Partien gegen Nadal, darunter den Halbfinal auf dem Weg zu seinem ersten US-Open-Triumph 2009 und vor einem Jahr den Olympia-Halbfinal.

Er hat dank seiner Grösse von 1,98 m weniger Probleme als andere mit den hoch abspringenden Top-Spin-Bällen Nadals und kann auf einer für ihn angenehmen Höhe auf diese eindreschen. «Ich bin zwar physisch nicht in perfekter Verfassung», stellte der vor und während des Achtelfinals gegen Dominic Thiem krank gewesene Del Potro fest. «Aber ich spiele bei meinem bevorzugten Turnier und werde versuchen, die Ambiance zu meinem Vorteil zu nutzen.»

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel Düsentrieb am 07.09.2017 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Worte an Roger

    Roger, lass den Kopf nicht hängen. Du hast schon alles erreicht. Du DARFST jetzt gewinnen und musst nicht. Wir lieben dich auch wenn du verlierst. Was solls. Schwamm drüber. Nur die jetzige Selbstkritisch die du übst ist völlig übertrieben. Was bringt das? Bitte lass das und freue dich an ein paar Extratagen mit den Familie. Ist doch auch was:).

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  • Nora am 07.09.2017 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Er ist fuer sein Alter immer noch top!

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  • Zuri am 07.09.2017 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Roger Federer

    Sorry viele wo kritisieren sollte für sich selbst schauen. Bei euch schaut ja nicht die ganze Welt zu wenn ihr ein Fehler macht bei der Arbeit.Federer dem schaut die ganze Welt zu und wenn er nicht gewinnt kommen die blöden Sprüche.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nylonfeets4ever am 11.09.2017 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Den Zenit überschritten

    Klar hat er den besten Level nicht erreicht. Diesen wird er auch nie mehr erreichen, denn mit fortschreitendem Alter geht alles langsam aber sicher zurück. Auch bei Herrn Roger Federer. Gewöhnt euch endlich daran.

  • Damisi am 09.09.2017 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    wie wahr, wie wahr....

    Zitat "Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung." Niemals kommt einer der Lästerer auch nur im Ansatz in die Nähe eines solchen Erfolges. Warum nicht? Zu kleinmütig, zu wenig Durchhaltevermögen, zu wenig Talent, kein Profil, kein Charakter usw. Schon hart, das zu realisieren und mit diesem Gift verspritzen wird nur noch das eigene "Kleinsein" veröffentlicht. Mein Mitgefühl, muss hart sein, so ein Missgunstleben.

    • Jan am 09.09.2017 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Damisi

      Ich bin neidisch. So viele Worte.

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  • S. Gehirnamöbe am 08.09.2017 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    Del Potro wieder stark

    Fairer Sportsmann, fairee Verlierer. Hauptsache Del Potro zeigt heute gegen Nadal eine gute Vorstellung.

  • Hurrican Rider am 08.09.2017 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Muss der Laver Cup sein???!!!

    Man darf eins nicht vergessen. Roger kam Anfang des Jahres mit vollen Akkus zurück auf die Tour. Hungrig und kraftstrotzend beging er beinahe alle gespielten Turniere. Nun nach bereits vielen Matches in 2017 sind die Kräfte langsam im Keller. Er ist 36 Jahre alt und braucht eine Weile zur Regeneration. Ich würde den Laver Cup an seiner Stelle auslassen aber da ist er mit Sicherheit an Verträge gebunden

  • STAN am 08.09.2017 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Weg und alle sind glücklich

    Ganz einfach, AHV anmelden und alle sind glücklich oder noch paar Werbungen machen ( sicher fehlt noch paar Fränkli ) , dann einfach ab in die Rente.

    • Liz am 08.09.2017 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @STAN

      Wenn wir RF Fans WIR sagen, wird sofort reklamiert weil das WIR falsch verstanden wird. Nun muss ich auch gleich zu Ihrer Äusserung "ALLE" sagen, Nein ganz sicher sind nicht alle wären glücklich.

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