Barrage-Rückspiel

13. November 2017 20:29; Akt: 14.11.2017 08:58 Print

WM-Aus – Buffon weint schon vor dem Anpfiff

Die WM 2018 in Russland findet ohne Italien statt. Goalie Gianluigi Buffon bestätigt seinen Rücktritt aus dem italienischen Nationalteam.

Den Abschied vor Augen: Buffon gibt sich schon vor dem Anpfiff höchst emotional.
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Zuvor kamen die Italiener nach dem 0:1 im Hinspiel im Playoff-Rückspiel gegen Schweden trotz drückender Überlegenheit nicht über ein 0:0 hinaus.

Das Hinspiel hatten die Skandinavier drei Tage zuvor 1:0 gewonnen. Bei hitziger Atmosphäre im legendären San Siro übernahmen die Gastgeber von Trainer Gian Piero Ventura schnell die Initiative und drängten auch ohne den gelbgesperrten Spielmacher Marco Verratti auf den Führungstreffer. Jedoch taten sie dies bis zuletzt trotz drückender Überlegenheit ohne Erfolg. Das dritte 0:0 im dritten europäischen Playoff-Rückspiel ist gleichbedeutend mit Italiens erstmaligem Verpassen einer WM-Endrunde seit 60 Jahren. 1958 hatten die Italiener an den Titelkämpfen das einzige Mal gefehlt; 1930 hatten sie freiwillig auf eine Teilnahme verzichtet.

Probleme mit dem letzten Pass

13:1 Schüsse und 75:25 Prozent Ballbesitz notierten die Statistiker am Ende. Die Italiener, von Trainer Gian Piero Ventura wiederum in einer 3-5-2-Formation aufs Feld geschickt, waren klar überlegen und bis zuletzt am Drücker, doch das für die Verlängerung benötigte eine Tor gelang ihnen nicht. Nicht zum ersten Mal in der jüngeren Vergangenheit offenbarten die Italiener in der entscheidenden Zone Probleme mit dem letzten Pass.

Ciro Immobile kam dem Torerfolg in der 40. Minute am nächsten, als er Schwedens Keeper Robin Olsen zwischen den Beinen hindurch überwand, der abgelenkte Ball es aber nicht über die Torlinie schaffte. Eine Vielzahl weiterer (Halb-)Chancen, darunter in der Schlussphase ein Volley des eingewechselten Stephan El Shaarawy (87.) und ein knapp daneben gegangener Kopfball von Marco Parolo (88.), führte ebenfalls nicht zum Erfolg.

«Tutto o niente»

Die Schweden ihrerseits waren weitestgehend mit dem Verteidigen ihres kleinen Hinspiel-Polsters beschäftigt. Zweimal monierten sie im italienischen Strafraum nicht zu Unrecht ein Handspiel, das aber vom spanischen Referee Antonio Mateu Lahoz nicht geahndet wurde. Auf der Gegenseite blieb die Pfeife bei zwei ähnlich strittigen Zweikampf-Szenen stumm.

«Tutto o niente» hatte die «Gazzetta dello Sport» am Matchtag in grossen Lettern getitelt, die folgenden neun Seiten dem Spiel der Spiele gewidmet, in dem es die Apokalypse – «l'Apocalisse» – zu vermeiden galt. Der Druck spornte die Squadra gleichermassen an, wie er sie in den wichtigsten Momenten lähmte. Am Kampf fehlte es nicht, aber an der Coolness. Neun Gelbe Karten manifestierten das ruppige Spiel.

Umstellungen beheben Offensivmanko nicht

Gegenüber dem 0:1 drei Tage zuvor in Schweden nahm Italiens umstrittener Trainer drei Änderungen vor: Für den gesperrten Verratti sowie den in Schweden ohne entscheidende Impulse gebliebenen Routinier Daniele De Rossi rückten Jorginho und Andrea Florenzi ins Mittelfeld, im Sturm begann Manolo Giabbadini für Andrea Belotti neben Ciro Immobile. Auch die Umstellungen behoben Italiens Offensivmanko nicht.

Buffon tritt zurück

Gianluigi Buffon bestätigt seinen Rücktritt aus dem italienischen Nationalteam im Anschluss an das Scheitern im WM-Playoff gegen Schweden unter Tränen. Die 39-jährige Goalie-Koryphäe verpasste im 175. Spiel für sein Land die sechste WM-Teilnahme.

Mit Milans 18-jährigem Stammgoalie Gianluigi Donnarumma steht Buffons Nachfolger in der «Squadra Azzurra» bereit. Buffon hatte das italienische Tor in den letzten 20 Jahren gehütet.

Telegramm:

Italien - Schweden 0:0 in Mailand. – 72'000 Zuschauer. - SR Lahoz (ESP).

Italien: Buffon; Barzagli, Bonucci, Chiellini; Candreva (76. Bernardeschi), Florenzi, Jorginho, Parolo, Darmian (63. El Shaarawy); Gabbiadini (63. Belotti), Immobile.

Schweden: Olsen; Lustig, Lindelöf, Granqvist, Augustinsson; Claesson (72. Rohden), Johansson (19. Svensson), Larsson, Forsberg; Toivonen (54. Thelin) , Berg.

Bemerkungen: Italien ohne Verratti (gesperrt) und Zaza (verletzt), Schweden ohne Ekdal (verletzt). Verwarnungen: 9. Chiellini (Foul). 10. Johansson (Foul). 22. Barzagli (Foul). 29. Forsberg (Reklamieren). 65. Lustig (Foul). 69. Thelin (Foul). 92. Bernardeschi (Foul). 92. Immobile (Reklamieren). 93. Olsen (Unsportlichkeit).

(rub/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R. Best am 13.11.2017 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Schweden-Hymne

    Das ganze Stadion pfeifft. Buffon kann es nicht hören, klatscht in die Hände und schüttelt den Kopf. ER ist DER GRUND weshalb ich FÜR Italien bin. Gianluigi Buffon ist der Grösste für mich!

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  • Phil Dill am 13.11.2017 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gigi

    Was für ein vorbild, gigi applaudiert bei der schwedischen hymne -ganz gross!

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  • Dieter Riga am 13.11.2017 23:34 Report Diesen Beitrag melden

    Buffon

    Eigentlich müsste ich (deutscher) ja froh sein, dass Italien nicht bei der WM dabei ist. Wer die Begegnungen der deutschen gegen Italien bei wichtigen Turnieren kennt, weiss wo von ich rede. Aber für diesen , einer der besten, sympathischsten und fairsten Torhüter der Welt (Buffon), tut es mir sehr leid. Einen solchen Abgang hat er nicht verdient.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Toni am 14.11.2017 23:17 Report Diesen Beitrag melden

    Das macht doch erst die Barrage aus!

    Wenn vorher schon feststünde, dass die grossen Nationen weiterkommen und die kleinen ausscheiden, dann bräuchte man keine Barrage spielen. Ist wie im Schweizer Cup, auch da scheitern manchmal die grossen Vereine an den kleinen. So ist Fussball.

  • Diana am 14.11.2017 21:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chiao

    Buffon ist für mich der fairste Player (zusammen mit Eusebio). Bitter für Ihn dieser Abgang. Vielleicht sieht man Sie als Goalietrainer wieder, Ihre Erfahrung und Ihr Können wären gefragt. Grazie Buffon alles Gute für Sie und Ihre Familie.

  • Lulu am 14.11.2017 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tutto o niente

    Eine Katastrophe ist nicht kleiner, wenn sie erwartet eintrifft.

  • Marco La Porta am 14.11.2017 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    M. La Porta

    An alle Schweden: Herzlichen Glückwunsch. Als Italiener bin ich natürlich enttäuscht, aber...Italien hat ganz klar nicht überzeugt. Es spielt keine Rolle ob man gut spielt oder nicht. Am Schluss zählen nur die Resultate. Wenigstens nimmt die Schweiz an der WM teil. Darauf freue ich mich jetzt schon.

  • antiD am 14.11.2017 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wm

    Die deutschen sind nicht angewiesen auf die unterstuezung der schweizer , es sind genug deutsche in der schweiz , die werden das schon alleine hinkriegen.