Granit Xhaka

12. November 2017 23:50; Akt: 13.11.2017 05:57 Print

«Wir mussten Haris trösten»

von E. Tedesco, Basel - Haris Seferovic hat gegen Nordirland dicke Torchancen verpasst. Dafür, dass das Publikum ihn mit Pfiffen eingedeckt hat, finden die Nati-Kollegen klare Worte.

Granit Xhaka nimmt kein Blatt vor den Mund und ist auf die Fans hässig. (Video: 20 Minuten)
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Es ist traurig, dass nach einem derart emotional und hart geführten Duell mit gutem Ausgang und die 4. Qualifikation für die WM in Folge für die Schweiz so etwas thematisiert werden muss - und noch viel mehr - passieren muss. Man sollte meinen, dass die Schweiz mit den Rücktritten von Alex Frei (in Basel im Oktober 2010) und Marco Streller (in St. Gallen im Mai 2008) diese Dinge hinter sich hätten. Doch am Sonntag wurde just der SFV-Topskorer der Kampagne mit 4 Toren und 3 Vorlagen bei seiner Auswechslung in der 83. Minute mit einem gellenden Pfeifkonzert vom Platz begleitet. So einen Abgang hat Seferovic nicht verdient. So einen Abgang hat kein Spieler verdient.

«Es ist nicht einfach, nach einer solchen Qualifikation mit Pfiffen vom Platz zu gehen», so Captain Stephan Lichtsteiner, der dem Stürmer für seinen generösen Einsatz ein «Sonderlob» ausstellte und ihn noch auf dem Rasen umarmte, als Seferovic die Tränen über das Gesicht liefen. «Ich wünschte mir, dass einer wie er mehr Respekt erhält.»

Xhaka enttäuscht und hässig

«Das macht uns weh und Haris hat es richtig mitgenommen. Wir wollten mit ihm feiern, aber wir mussten ihn trösten», sagte Granit Xhaka, der sich zusammen mit der Mannschaft um den traurigen Seferovic kümmerte. Es zeigt den Zusammenhalt dieser Nati. Wie auch, dass die verletzten Nati-Spieler wie Josip Drmic aus Gladbach, Johan Djourou mit dem Zug aus Genf und auch François Moubandje extra nach Basel kamen. Sie und Xhaka zeigten sich von der Reaktion des Publikums in Basel schwer enttäuscht. «Und das macht mich auch hässig», so Xhaka. Der Basler sagte, er sei ein ehrlicher Mensch und sage immer, was er denke.

«Ich bin ein ehrlicher Typ. Ich bin ein direkter Typ. Ich liebe unsere Fans. Das habe ich bei Basel erlebt in Gladbach und jetzt bei Arsenal, aber so etwas ist mir noch nicht untergekommen. Ich verstehe es nicht! Wir sind vor einer WM-Teilnahme, fünf Minuten vor Schluss - und pfeift einen aus? Das hat für mich etwas mit Respekt zu tun und die Nationalmannschaft hat das nicht verdient», so der Nati-Regisseur.
Xherdan Shaqiri über die Pfiffe in Basel. (Video: 20 Minuten)

Die Unterstützung war schwach

«Bis Sonntag war die Unterstützung stark, aber gegen Nordirland war sie schwach. Von mir aus können die Leute sagen, der Xhaka redet und macht und tut - das ist mir egal. Ich stehe zu meiner Mannschaft und die Fans, die gepfiffen haben, sollen auf den Platz kommen und es besser machen», sagte Xhaka sichtlich enttäuscht und auch verärgert.

Ebenso deutlicher Worte wählten andere Schweizer Spieler. «Ich bin fassungslos», sagte zum Beispiel der für Seferovic eingewechselte Breel Embolo, der die Situation aus eigener Erfahrung («es gibt halt Spiele, in denen von drei Chancen keine reingeht») kennt. «Das kann ich nicht ernst nehmen.»

«Ein absolutes No-Go»

Der Tenor in den Aussagen der Teamkollegen war klar. Die vielen gelaufenen Kilometer auf dem schwer zu bespielenden Terrain und die einmal mehr mannschaftsdienliche Leistung des Benfica-Stürmers verdienten aber – nicht nur teamintern – grosse Anerkennung. «Er hat viel investiert», stellte Goalie Yann Sommer fest. «Die Pfiffe sind komplett unverständlich. Es ist ein absolutes No-Go, dass man einen eigenen Spieler auspfeift. Sehr schade und komplett unverständlich», so der Nati-Goalie.
Die Pfiffe sind für Yann Sommer «komplett unverständlich.» (Video: 20 Minuten)

Seferovic, der noch von den Ersatzspielern und dem Staff auf der Ersatzbank getröstet wurde und Zuspruch erhielt, zog es später vor, keine Stellung zu beziehen. Seferovic, der beim Verlassen des Feldes nach 83 Minuten still vor sich hinfluchte und (zu Recht) ebenso wenig Verständnis für die Situation aufbrachte wie der Rest des Teams, zog mit gesenktem Blick und weit ins Gesicht gezogener Kapuze Richtung Teambus. Der Topskorer der Qualifikation hätte definitiv einen anderen Abgang verdient gehabt.
Pfiffe gegen Seferovic. ((Video: Tamedia/SRF)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Joe G.I. am 12.11.2017 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Alle für Einen, Einer für Alle

    Das Team gewinnt zusammen, verliert zusammen - das Team fährt zusammen an die WM. Seferovic hat heute einfach nicht getroffen - bei allem Anderen kann man ihm und der Mannschaft praktisch nicht viel vorwerfen. Es hätte Leute gehabt, die wären gerne im Stadion dabei gewesen, bekamen aber keine Tickets - und dann gibt's dort solche, die lieber Spieler auspfeiffen anstatt zu feiern.

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  • Raeto am 12.11.2017 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WM Quali Topscorer Haris Seferovic

    Das war nicht in Ordnung... Haris Seferovic gibt immer alles für die Schweiz ;-) Danke Haris für die WM Qualifikation :-)

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  • David am 12.11.2017 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild Iren

    Die Iren sind ein gutes Beispiel für alle Fussballfans. Es wird auch bei einem 0:4 gesungen... Es ist nur Fussball

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heiri Hugetobler am 13.11.2017 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Shame on you

    Fussballer sind nicht die besten Redner.. müssen Sie auch nicht. Granit hat es in seinem Interview jedoch perfekt formuliert! Ein tolles Statement! Ja Haris hat in diesem Spiel nicht brilliert, das ist leider so. Trotz allem. Ich war gestern selbst im Stadion und ich habe mich für diejnigen Fans geschämt die Ihn ausgepfiffen haben. Fans die nicht hinter einem eigenen Team stehen? Eine Schande! Eine Schande für die Schweizer Fans :-(. Das Granit diese tollen Quali nicht verdient

  • David am 13.11.2017 21:14 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht überbewerten

    Die Pfiffe gegen Haris sind nicht gerechtfertigt. Genau diese Fans jubeln und klatschen wenn Haris das Tor wieder trifft. Als Profi musst du aber eine solche Situation ignorieren können. Das gehört auch dazu. Kopf hoch. Ich bin überzeugt, dass Haris das Tor wieder treffen wird. Stolz sein auf das geleistete. Ich freue mich die WM als Zuschauer verfolgen zu können.

  • Blerim am 13.11.2017 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussball

    Und heute Abend fest die Ohren zuhalten, sollten die Italiener scheitern..........:)

    • Fetu am 13.11.2017 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Blerim

      Ja, und euch wieder zuhören, wenn Italien doch weiter kommt..... immer Glück , ungerecht etc....

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  • Flo Huggentobler am 13.11.2017 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso in Basel statt Bern?

    Das ganze muss man relativieren, wenn man weiss wo das Spiel war: Basel... noch Fragen?

    • bünzli am 13.11.2017 18:06 Report Diesen Beitrag melden

      do lachi hösch

      waren bestimmt auch die basler die frei in basel ausgepfiffen haben oder? Und wenn das Spiel in Bern wäre...tja dann sind ja nur berner im Stadion. Von so einer logik bekomme ich flöhe

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  • Mit Leser am 13.11.2017 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Aufbauscherei

    Es entspricht dem Naturell, in einer grösseren Menschenansammlung zu Reaktionen zu neigen, die im Nachhinein gesehen unmenschlich erscheinen (Mob). Das ist seit Menschengedenken so.