Gilliéron über Seferovic-Pfiffe

13. November 2017 13:12; Akt: 13.11.2017 15:38 Print

«Die Zuschauer brauchen wohl etwas Erziehung»

Der Wirbel um die Pfiffe gegen Haris Seferovic dreht eine Runde weiter. Nun haben sich Verbandspräsident Peter Gilliéron und Trainer Vladimir Petkovic geäussert.

Das hält SFV-Präsident Peter Gilliéron von den Pfiffen der Zuschauer in Basel. (Video: 20 Minuten/E. Tedesco)
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Am Tag nach dem erfolgreichen Abschluss der WM-Barrage gegen Nordirland sprechen die Schweizer Strategen nochmals über die irritierenden Pfiffe gegen Haris Seferovic. Er habe menschlich auf die sonderbare öffentliche Behandlung von Seferovic reagiert, so Nationalcoach Vladimir Petkovic.

Noch auf dem Platz musste Captain Stephan Lichtsteiner Seferovic trösten. In der Kabine weinte der Schweizer Quali-Topskorer (4 Tore/3 Vorlagen) bittere Tränen. «Haris war enttäuscht und sehr betroffen», beschrieb der Nati-Trainer den Gemütszustand des Benfica-Stürmers. Wie sehr ihm die Geringschätzung seines Stürmers missfiel, war auch tags darauf spürbar. Seferovic indes reiste noch in der Nacht nach Zürich, von wo aus er die erste Maschine nach Lissabon nahm.

«Ein Tor verschiessen kann jeder. Ein Eigentor schiessen kann jeder. Aber unterstützen wir einander doch 90 Minuten und kritisieren erst nachher», sagte Petkovic. Er versuche, mit seiner Mannschaft Bodenständigkeit vorzuleben. Vielleicht müsse man einen Teil der Zuschauer etwas erziehen, mutmasste der Selektionär weiter. «Wir sind eine kleine Nation, die viel erreichen will. Das sollte niemand vergessen. Während des Spiels sollte der Support vorrangig sein.»


Pfeifkonzert im St.-Jakob-Park: Haris Seferovic wird ausgewechselt. (Video: Tamedia/SRF)

«Das Publikum der Nordiren hat gegen unser Publikum gewonnen»

Nachher sei eine kritische Aufarbeitung durchaus berechtigt, fuhr der Nationalcoach bei der Aufarbeitung der Reaktionen auf Seferovics Auswechslung fort. «Wir haben alle die Möglichkeit, uns zu steigern.» Petkovic ist guter Dinge, dass auch der eher negativ veranlagte Teil des Publikums künftig wieder positiv reagieren wird.

Wesentlich deutlicher äusserte sich Peter Gilliéron zum Thema: «Das Publikum der Nordiren hat gegen unser Publikum gewonnen.» Er habe schon oft erlebt, dass «die Schweizer Zuschauer nicht gerade die begeisterungsfähigsten sind».

«In bin in dieser Hinsicht ein wenig abgebrüht, weil ich in Sachen Zuschauer – und ich sage nicht Fan – einiges erlebt habe. Ich denke da an Alex Frei und Marco Streller. Es ist ein Übel», sagte Gilliéron. Marco Streller wurde 2008 in St. Gallen ausgepfiffen. Für Alex Frei gab es im Oktober 2010 in Basel Pfiffe und er daraufhin den Rücktritt.

Dann aber streifte der SFV-Boss seine übliche Diplomatie ab und sagte: «Die Schweizer Zuschauer brauchen wahrscheinlich etwas Erziehung.»

(ete/mch/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Matteo21 am 13.11.2017 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin nicht für die Pfiffe, aber...

    Klar war das Pfeifkonzert unschön, aber unschön ist es auch das Spiel von Seferovic anzusehen. Schon unter Hitzfeld ein Chancentod hat er unter Petkovic einen Freipass auf dem Platz. Klar, er läuft viel und arbeitet stark gegen den Ball, aber er macht auf 10 Chancen eine rein und das ist zu wenig. Am Ball ist gerade Embolo um einiges stärker. Man hat gestern auch gesehen: Embolo versprühte in 10min mehr Spielfreude und Gefahr als Seferovic in den 80min davor. Das sollte auch Seferovic und Petkovic zu denken geben.

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  • Qkuqer am 13.11.2017 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sind die

    Zuschauer schuld an seiner Leistung? Zum Vergleich, Embolo hat in 5 min mehr überzeugt als Seferovic in 85`...

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  • Piso am 13.11.2017 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das sind nicht die Fans

    Das waren Ihre Konsumenten!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • bailar_chica am 14.11.2017 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teamsport

    Ich verstehe die Pfiffe nicht. Fussball ist ein Teamsport und daher ist nie einfach jemand Schuld an einem schlechten Spiel/einer Niederlage. Ich empfinde es als total unsportlich, als Zuschauer die eigene Mannschaft auszupfeifen. Ausserdem bringt das niemandem was, jeder Spieler weiss ja selber, was er vielleicht nicht so gut gemacht hat und der Trainer auch und daher ist es nicht Sache der Zuschauer. Ich fände es super würden wir als Zuschauer zusammenstehen und die Spieler motivieren und animieren, was als einziges eine positive Wirkung hat aif die eigene Mannschaft.

  • Otto Tranic am 14.11.2017 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry ihr Überflieger...

    Die Leistung war auf beiden Seiten schlecht! Aber zuerst auf dem Spielfeld und erst danach auf der Tribüne. Die Spieler wollen wie Weltmeister gefeiert werden. Egal wie geschenkt sie gewonnen haben. Offenbar auch egal, was für eine Leistung von ihnen gezeigt wird.

  • CH Fussballfan am 14.11.2017 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Lob an die echten Fans - wo?

    Was ist eigentlich der Dank von Mannschaft/ Verantwortlichen an die Fans ausser einem "Danke"-Poster und jeweils müdem Klatschen nach den Spielen? Die Fans, die das Team regelmässig für viel Geld (= ein Teil der fürstlichen Spieler-Saläre!) und mit Entbehrungen an die Spiele in jede Ecke der Welt begleiten und unterstützen, hätten eine Anerkennung verdient(z.B. Gratis-Freundschaftsspiel gegen den Weltmeister o.ä.) statt ein tagelanges Bashing wegen ein paar Pfiffen gegen einen Spieler. Herr Gilliéron: "ein wenig Erziehung" bräuchten vor allem die Herren der FIFA nach all den Skandalen!

  • grisu am 14.11.2017 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht, vielleicht..

    .. hätte sich die Nati ohne die Pfiffe gar nicht qualifiziert? Vielleicht brauchte es dieses Gepfeiffe, damit sich die Spieler nochmals zusammenreissen. Ich bin nicht fürs Pfeiffen, aber Spieler lassen sich gerne feiern und bejubeln, dann müssen sie auch kritische Töne akzeptieren. Die Spieler geben, ganz unschweizerisch, auch grosse Ziele für die Endrunde vor, dann müssen sie sich auch daran messen lassen.

  • Erzähler am 14.11.2017 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Unterschied

    Seferovic wurde wegen seiner andauernd schlechten Leistungen ausgepfiffen (nicht die feine Art) aber Alex Frei (Rekordtorschütze Nati) wurde nur ausgepfiffen weil er für Basel spielte. Selbst wenn Frei getroffen hatte gabs noch pfiffe und was kam vom Vorstand? NICHTS!

    • YöngBöy am 14.11.2017 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Erzähler

      Jemand der andere anspuckt hätte aus meiner Sicht noch mehr als Pfiffe verdient!!

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