Eishockey-WM

18. Mai 2017 19:22; Akt: 19.05.2017 14:33 Print

Der Torklau von Paris

Nach den Sensationssiegen gegen Kanada und Tschechien scheitert die Schweiz im WM-Viertelfinal an Schweden – aber auch an einem fatalen Fehlentscheid.

Bitter: Dominik Schlumpfs Anschlusstreffer vier Minuten vor Schluss wird nicht anerkannt. Video: SRF
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«Jeder Gegner ist verwundbar, auch Schweden», hatte Fischer im Vorfeld des Viertelfinals gesagt. In der Tat vermochten die Schweizer den klar höher dotierten Gegner ernsthaft zu fordern. Im Mitteldrittel hätten sie gar in Führung gehen müssen. Am Ende aber setzte sich die Klasse der Schweden doch durch – wie immer, wenn es in einem K.o.-Spiel gegen die Schweizer geht. Auch im siebten Anlauf, dem ersten seit dem WM-Final 2013, mussten die Schweizer als Verlierer vom Eis.

Umfrage
Gewinnt die Schweiz den Viertelfinal gegen Schweden?
31 %
45 %
24 %
Insgesamt 956 Teilnehmer

Torklau von Paris

Die Schweizer durften sich damit trösten, dass sie noch nie so nah dran waren, die Schweden aus einem WM- oder Olympia-Turnier zu werfen. Den Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 (13.) erzielte Gaëtan Haas nach einem schönen Solo. Oliver Ekman-Larsson lenkte dabei den Puck ins eigene Tor ab, nachdem Haas die Scheibe von hinter der Linie vors Tor gespielt hatte.

Nylanders Nackenschlag

Die letztlich spielentscheidende Szene ereignete sich in der 34. Minute. Die Schweizer verloren im gegnerischen Drittel die Scheibe und wurden danach von einem schnellen Gegenstoss überrascht. Ekman-Larsson bediente William Nylander, der alleine auf Leonardo Genoni loszog und die Schweden 2:1 in Führung brachte. Christian Marti vermochte dem 21-jährigen, schwedischen Jungstar nicht zu folgen.

Marti, der nominell siebte Verteidiger, stand in dieser Szene erstmals in diesem Spiel auf dem Eis. Er kam zum Einsatz, weil der angeschlagene Philippe Furrer nicht mehr mittun konnte. Später fielen auch noch Cody Almond und Raphael Diaz aus. Weil Ramon Untersander wegen einer Oberkörper-Verletzung gar nicht erst hatte antreten können, beendeten die Schweizer die Partie mit fünf Verteidigern.

Tapfer kämpfende Eidgenossen

Auch wenn den Schweizern im letzten Drittel der Schnauf – nicht zuletzt wegen der personellen Knappheit – etwas ausging, gaben sie nicht auf. Nur in der Startphase hatten sie etwas zu viel Respekt gezeigt. Dafür wurden sie nach vier Minuten mit dem 0:1 durch Nicklas Bäckström bestraft.

Erst mit dem Ausgleich legten sie ihre Passivität ab. Wie bereits in der Gruppenphase gegen Kanada, Finnland und Tschechien vermochten sie in der Folge mit Tempo, viel Einsatz und Leidenschaft zu glänzen. Bezeichnend dafür: Als bester Spieler Schwedens wurde nach dem Spiel Stargoalie Henrik Lundqvist auserkoren.

Sensationssiege gegen die Grossen

Trotz der Niederlage kann die WM 2017 als Erfolg abgebucht werden. Die unerfahrene Schweizer Mannschaft, auf dem Papier nicht mit allzu viel Talent gesegnet, war mit wenig Kredit ins Turnier gestartet. In den ersten Spielen deutete wenig auf ein erfolgreiches Turnier hin. Dann aber setzte Fischers Auswahl zu einem Steigerungslauf an.

Die Schweizer verblüfften mit total sechs gewonnenen Punkten gegen die Kanadier, Finnen und Tschechen. Dabei überzeugten sie auch spielerisch. Weil sie in jedem Vorrundenspiel punkteten, schlossen sie die Gruppe B auf dem zweiten Rang ab. Nur zweimal schloss eine Schweizer Mannschaft in diesem Jahrhundert eine WM mit einer besseren Klassierung als dem 6. Rang ab: 2010 in Deutschland (5.) und 2013 beim Gewinn der Silbermedaille in Stockholm.

Hoffnungen für Olympia

Bei beiden Turnieren hiess der Trainer Sean Simpson. Nun folgte an seiner zweiten WM die erste Viertelfinal-Qualifikation für Fischer. Für den Zuger dürfte das erfolgreiche Abschneiden eine Genugtuung sein. Nach dem misslungenen WM-Debüt vor einem Jahr in Moskau war Fischer in die Kritik geraten, weil er auf Kosten der Stabilität zu offensiv spielen liess. Mit dem neuen Assistenten, dem Schweden Tommy Albelin, trat die Schweiz in Paris deutlich verbessert auf.

In neun Monaten steht mit dem Olympia-Turnier von Pyeongchang bereits der nächste Ernstkampf auf dem Programm. Der Auftritt von Paris lässt auf einen erfolgreichen Schweizer Auftritt hoffen, umso mehr, als die NHL ihre Spieler mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht ziehen lässt und zum Beispiel die Schweden mit einer ganz anderen, deutlich schwächeren Auswahl antreten werden.

Schweiz - Schweden 1:3 (1:1, 0:1, 0:1)

Paris. - 8417 Zuschauer. - SR Iverson/Kubus (CAN/SVK), Otmachow/Suchanek (RUS/CZE).
Tore: 5. Bäckström (Lindberg, Nylander) 0:1. 13. Haas 1:1 (Eigentor Ekman-Larsson). 34. Nylander (Ekman-Larsson) 1:2. 44. Edler (Joel Lundqvist) 1:3.
Strafen: 1mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 3mal 2 Minuten gegen Schweden.
Schweiz: Genoni; Diaz, Furrer; Loeffel, Genazzi; Untersander, Kukan; Marti; Rüfenacht, Almond, Schäppi; Praplan, Haas, Hollenstein; Ambühl, Malgin, Herzog; Bodenmann, Suter, Suri; Brunner.
Schweden: Henrik Lundqvist; Stralman, Hedman; Brodin, Ekman-Larsson; John Klingberg, Edler; Lindholm, Rask, Landeskog; Nylander, Bäckström, Lindberg; Söderberg, Karlsson, Everberg; Eriksson Ek, Krüger, Joel Lundqvist; Nordström.
Bemerkungen: Schweiz ohne Untersander (verletzt), Richard, Hiller (beide überzählig) und Schlegel (Ersatzgoalie). Schweden ohne Carl Klingberg (Zug) und Omark (beide überzählig). - Furrer (im zweiten Drittel), Almond (nach zwei Dritteln) und Diaz (49.) verletzt ausgeschieden. - Timeout Schweiz (57.) - Schweiz von 56:20 bis 56:27 und ab 57:03 ohne Goalie. - Schüsse: Schweiz 27 (5-13-9); Schweden 29 (8-9-12). - Powerplay-Ausbeute: Schweiz 0/3; Schweden 0/1.

(nos/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • An. Gekotzt am 18.05.2017 22:29 Report Diesen Beitrag melden

    Spiel war schön

    Aber warum muss ich zwischendurch immer wieder Werbung sehen, zahle immerhin mehr als einen halben Tausender pro Jahr an die Billag!!!!!!!!

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  • ZSC4ever am 19.05.2017 00:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich bin total zufrieden

    Mir hat die Nati an dieser WM richtig Spass gemacht. Die Jungs haben bis zum Schluss gekämpft und haben heute gegen starke Schweden richtig gut mitgespielt und dagegen gehalten. Die Nati hat unseren Respekt verdient - alles geili Sieche! Meine Reise mit meinem Sohn nach Paris mit dem mega coolen Sieg gegen Kanada war ein sensationelles Erlebins zusammen mit tausenden Schweizer Fans, diese Party werde ich nie vergessen. Danke unsere Nati für diese WM und ich freue mich auf die nächste Hockey Saison.

  • Murtello am 18.05.2017 20:42 Report Diesen Beitrag melden

    Jep jep

    Zum glück gibt es Eishockey, kann dieses fussballzeugs nicht mehr sehen. Hopp schwiiz

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roli, Seeland am 19.05.2017 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach Danke

    Egal was die ewigen Besserwisser und Kritiker schreiben, Bravo ihr Schweizer fuer die tollen Spiele und geniesst nach der langen Saison die Ferien...

  • Derek Boogaard am 19.05.2017 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Stolz?!

    Wie bitte kann man stolz sein, über ein 1/4Final Rausflug? Wow, wir haben Kanada besiegt. In der Gruppenphase, wo das Team auch alles soo ernst nimmt. Schweizer geben sich einfach sooo schnell zufrieden. Da ist nichts auf das man stolz sein kann. Aber lassen wir euch mal den 8. Oder 7. Platz bejubeln. und noch stolz darauf sein =)

  • Er Cla am 19.05.2017 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..

    Haetten trotzdem verloren

  • Pascal Stenz am 19.05.2017 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Überheblichkeit

    Es ist immer so. Gewinnt man gegen eine Schwache Mannschaft oder mal auch gegen eine Stärkeren, dann ist die Selbstüberschätzung in der Schweiz derartig hoch. Da steckt auch viel Arroganz dahinter. Wenn man dann veliert sind immer die anderen Schuld und alles war ungerecht und und und. Super das Sie ausgeschieden sind. Weil jetzt stimmts wieder.

    • Minerspeed am 19.05.2017 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pascal Stenz

      Und wieder einmal ein Kommentar von einem selbst ernannten Sportfachmann. Wenn Du keine Ahnung von diesem Sport hast dann äussere Dich auch nicht dazu.

    • vladimir am 19.05.2017 09:26 Report Diesen Beitrag melden

      Klingt besser, nicht wahr?

      Minerspeed@ Du hast völlig recht. Hör mal dies von einem echten Sportfachmann: Schweiz ist die beste Hockey-Mannschaft aller Zeiten der Welt und der weiten Umgebung.

    • Minerspeed am 19.05.2017 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @vladimir

      Auch wenn es gut tönt ;-) es enspricht auch nicht dem. Fakt ist einfach wenn Du nicht von Dir überzeugt bist das Du gewinnen kannst dann brauchste gar nicht anzutreten. Und alle die meinen es sei selbst überschätzung sind einfach keine Teamplayer.

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  • Wädi glarner unterland am 19.05.2017 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    Trotz allem CH Eishockey Nati gut.

    Das Tor der Schweizer hätte man geben müssen .Trotzdem hätte die CH dasSpiel verloren gehabtes hätte einfach besser ausgesehen 3-2 zu verlieren als 3-1.Was schwach war ,das die CH den 4 Minuten Ausschluss des Schwedischen Spielers nicht genutzt hat+auch noch viel andere Torchancen Schweizer seits.Finde ,unsere Boys haben doch eine gute Eishockey WM gespielt.

    • Peter Paul am 19.05.2017 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wädi glarner unterland

      was das gute abschneiden anbelangt gebe ich dir recht...wenn das 2/3 gekommen wäre, hätte schweden auch nochmals was versuchen müssen....das wären nochmals heissere 3min gegeben...und schweizer die noch mehr daran geglaubt hätten....

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