Raphael Wicky

06. Dezember 2017 20:57; Akt: 06.12.2017 21:43 Print

«Ich glaube, ein Spieler muss sich frei fühlen»

von E. Tedesco, Lissabon - In seiner ersten Teilnahme in der Champions League als Cheftrainer des FCB setzt Raphael Wicky gleich ein dickes Ausrufezeichen – hat es aber noch nicht realisiert.

20 Minuten spricht mit Raphael Wicky über Historisches, Sensationelles und Unerwartetes in seiner ersten Kampagne als Cheftrainer in der Champions League. (Video: 20 Minuten)
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Die Nacht nach dem Erfolg in Lissabon und dem Einzug in die Achtelfinals in der Champions League war kurz. Wie schon nach dem 1:0-Sieg in Basel gegen Manchester United gönnte sich FCB-Trainer Raphael Wicky im Hotel in Lissabon mit seinem Staff und seinen Eltern, die Wicky wieder begleitet haben, ein Glas Rotwein. Schlaf gab es wenig. «Aber nach Spielen kann ich selten schlafen. Das war schon als Spieler so», sagte der FCB-Trainer im Interview kurz vor dem Abflug aus Portugal zu den Journalisten.

Raphael Wicky, haben Sie mit einer Nacht Distanz nun realisiert, welch grosses Ausrufezeichen der FCB im Schweizer Fussball gesetzt hat?
Raphael Wicky: Bei mir geht es ein wenig länger. Ich habe ein bisschen verzögerte Emotionen, aber ich war am Dienstag unglaublich stolz auf die Mannschaft und empfinde viel Freude für den FCB, dass er das erleben kann. Ich glaube, das braucht noch ein paar Tage. Aber es war dennoch ein schönes Gefühl mit dem Gedanken aufzuwachen, dass wir für die Achtelfinals qualifiziert sind.

12 Punkte. Noch nie zuvor hat eine Schweizer Mannschaft eine Gruppenphase so erfolgreich abgeschlossen. Worauf führen Sie das zurück?
So einen Erfolg kann man nur haben, wenn man eine geschlossene Truppe ist und in jedem Spiel eine ausserordentliche Mannschaftsleistung abgeliefert hat.

Wie gross ist der Anteil des Trainers am Erfolg?
Ich sage natürlich nicht: Es ist wegen mir. Die Arbeit, die wir machen, machen wir zusammen mit dem Staff. Ich bin dann derjenige, der die finalen Entscheidungen trifft. Aber ohne die Leute um mich herum wäre ich nichts. Danach sind es immer auch die Spieler, die ihre Aufgaben, die wir vorgeben, auf dem Platz erfüllen müssen und das machen sie sehr gut. Und dann braucht es auch immer ein wenig Kreativität von jedem Spieler selbst, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Den Hechtköpfler von Dimitri Oberlin habe ja nicht ich vorgegeben. Oder auch das Kontergoal gegen Benfica habe nicht ich vorgegeben. Aber es gibt dann auch einige Vorgaben, die wir machen und das haben sie recht gut umgesetzt.

Können Sie diese Kreativität fördern?
Ich kann sie fördern, indem ich ihnen die Freiheit gebe, auf den letzten dreissig Metern zu entscheiden, was sie machen wollen. Ich bin der Meinung, dass auf den letzten dreissig, fünfunddreissig Metern ein Offensivspieler selber entscheiden muss, was er macht. Da ist viel Instinkt mit dabei. Ich kann sie nur animieren, sich etwas zuzutrauen und mutig zu sein. Natürlich kann man einige Spielzüge eintrainieren, aber schlussendlich glaube ich, muss sich ein Spieler frei fühlen und Selbstvertrauen bekommen. Das ist, glaube ich, der Job von mir.

Der FCB ist am Montag bei der Auslosung unter den Top 16 dabei. Haben Sie einen Wunschgegner im Achtelfinal?
Erst einmal muss man sich bewusst machen, dass wir zu den besten 16 Teams in Europa zählen. Ich habe am Dienstag irgendwo im Internet alle Clubwappen gesehen: PSG, Barcelona, Bayern München, Juventus und was auch immer da dabei ist und dann ist plötzlich das des FCB Basel aufgetaucht. Das ist schon speziell. Ein Wunschlos? Rom wäre schön, Tottenham wäre schön – aber schlussendlich müssen wir nehmen was kommt.

Wie muss der FCB gegen so ein Achtelfinal-Kaliber auftreten, um doch eine Chance zu haben?
Wir müssen auch da wieder extrem solidarisch auftreten, im Achtelfinal reicht es dann eben auch nicht, nur zu verteidigen und wenn man da in zwei Spielen weiterkommen will, muss man versuchen, mit dem Ball gut zu sein, was wir am Dienstag in Lissabon nicht immer waren. Aber das ist noch weit weg und erst einmal müssen wir abwarten, was das Los uns bringt.

In drei Tagen geht es aber mit dem Kerngeschäft der Meisterschaft weiter und da wartet am Samstag mit dem FC St. Gallen jenes Team, das dem FCB in der Liga die letzte Niederlage zugefügt hat. Hat man mit den Ostschweizern eine Rechnung offen?
Das ist ein extrem wichtiger Termin für mich. Am Mittwoch nach der Heimreise habe ich die Mannschaft in Ruhe gelassen, aber ab Donnerstag ist der Fokus ganz auf diese Aufgabe gerichtet. Ich hoffe, dass wir den Schwung und die positive Energie der letzten Wochen mitnehmen können, weil die letzten zwei Spiele gegen St. Gallen am Samstag und danach auswärts gegen GC extrem wichtig sind. Wir wollen diese Spiele erfolgreich bestreiten, dann haben wir eine sehr gute Vorrunde gemacht. Aber das Schwierigste wird sein, am Samstag voll da zu sein. Doch die Mannschaft hat das schon mehrfach bewiesen, dass sie das kann und darum glaube ich auch an sie.
Vize-Captain Michael Lang und FCB-Sportdirektor Marco Streller über die Verdienste von Raphael Wicky in der Champions League bisher. (Video: 20 Minuten)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • andy oberson am 07.12.2017 00:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meister 17/18

    kommt wie es kommen muss, nähmlich gut!!

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  • Bebbi am 07.12.2017 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    gute Strategen

    Ich kann mich noch gut an die Kommentare zur Nicht Verlängerung des Vertrags mit U. Fischer und der Neuverpflichtung von R. Wicky erinnern. Im Nachhinein hat sich alles bewahrheitet was damals von der Club Leitung beabsichtigt war. Ein guter Trainer (Fischer) wurde durch einen noch Besseren (Wicky) ersetzt. Die Mannschaft drastisch verjüngt (teilweise auch unbeabsichtigt durch die Demission von Delgado). Das Resultat. Der FCB spielt in der Meisterschaft und im Cup mit, erreicht die nächste Runde der CL. Alles genau so wie gewünscht. Glückwunsch den Strategen des FCB.

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  • Benjamin am 08.12.2017 01:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wertvoller Trainer

    Ich hoffe dass die Spieler das, was sie an Wicky haben schätzen..... Und noch bis im Sommer bleiben... oder auch länger.

Die neusten Leser-Kommentare

  • T.T. am 09.12.2017 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gigis Kohle

    Alle Spieler mit der Kohle von Gigi den Schweizer-Clubs abkaufen und so die grössten sein. Einfach nur schwach!

  • Benjamin am 08.12.2017 01:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wertvoller Trainer

    Ich hoffe dass die Spieler das, was sie an Wicky haben schätzen..... Und noch bis im Sommer bleiben... oder auch länger.

  • Polo am 07.12.2017 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der walliser

    Polos Lied im Garten vom Hotel Eden mit dem Refrain Pimin(Zurbriggen) fendant,Raclette müsste mit Rafi erweitert werden. Hehehe

  • marko 32 am 07.12.2017 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frei fühlen

    Genau

  • Bebbi am 07.12.2017 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    gute Strategen

    Ich kann mich noch gut an die Kommentare zur Nicht Verlängerung des Vertrags mit U. Fischer und der Neuverpflichtung von R. Wicky erinnern. Im Nachhinein hat sich alles bewahrheitet was damals von der Club Leitung beabsichtigt war. Ein guter Trainer (Fischer) wurde durch einen noch Besseren (Wicky) ersetzt. Die Mannschaft drastisch verjüngt (teilweise auch unbeabsichtigt durch die Demission von Delgado). Das Resultat. Der FCB spielt in der Meisterschaft und im Cup mit, erreicht die nächste Runde der CL. Alles genau so wie gewünscht. Glückwunsch den Strategen des FCB.

    • marko 32 am 07.12.2017 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bebbi

      Super

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