Zoo Zürich

10. Oktober 2018 15:08; Akt: 10.10.2018 15:59 Print

«Sayan ist kein böser oder aggressiver Tiger»

Nach einem heftigen Streit hat Tiger Sayan die Tigerdame Elena zu Tode gebissen. Zoo-Direktor Alex Rübel erklärt die Problematik einer Tigerhaltung.

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Der Schock im Zoo Zürich war gross. Tierpfleger fanden am 5. September das Tigerweibchen Elena leblos in der Anlage vor. Das Institut für Veterinärpathologie der Universität Zürich untersuchte daraufhin die Todesursache und den allgemeinen Gesundheitszustand von Elena. Neben altersbedingten Veränderungen im Gehirn, im Verdauungstrakt und in der Blase führten auch Bissverletzungen im Nacken- und Kehlkopfbereich zum Tod der 14-jährigen Tigerdame. Diese stammten von einer heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Weibchen und Tiger-Männchen Sayan. Das teilte der Zoo Zürich am Mittwoch mit.

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«Hin und wieder haben sich die beiden angefaucht»

Dort sei man immer noch traurig über den Tod von Elena, sagt Zoo-Direktor Alex Rübel auf Anfrage. Es sind seltene Fälle, bei denen man ein Tier aufgrund eines Streits verloren hat. «Wir hatten vor langer Zeit mal einen Fall, wo ein Tiger nach einer Auseinandersetzung an einer Infektion starb.»

Auch Tigerpaar Elena und Sayan hatten anfänglich noch Startschwierigkeiten. Beim ersten Treffen vor fünf Monaten ohne Gitter gab es Gefauche und Zähnefletschen. Doch schnell kehrte Ruhe ein. Seitdem habe es laut Rübel keine Anzeichen oder handfeste Auseinandersetzungen gegeben: «Hin und wieder haben sich die beiden angefaucht.» Doch je näher die Paarungszeit heranrückte, desto weniger Sorgen machten sich die Tierpfleger: «Während der Rolligkeit des Weibchens wird die Freundschaft normalerweise grösser.»

Tigerhaltung nicht ganz unproblematisch

Dem Tigermännchen will Rübel aber keine Schuld geben: «Sayan ist kein böser oder aggressiver Tiger.» Das Weibchen habe sich schon in den Tagen davor geschwächt gezeigt und eine verstärkte tierärztliche Überwachung benötigt. Für den tödlichen Zwischenfall sei wahrscheinlich ein Biss im zentralen Nervensystem verantwortlich gewesen: «Elena war weder blutüberströmt noch von Sayan zerfleischt worden.» Zudem verhielt sich der Tiger am nächsten Tag ganz normal, so als ob nichts passiert wäre.

Die Tigerhaltung sei aber allgemein nicht ganz unproblematisch: «Tiger sind nun mal Einzelgänger. Aber meistens kann man sie auch zusammen halten.» Trotzdem sei eine separate Haltung nicht das Ziel: «Die Fortpflanzung und Aufzucht von Jungtieren sind sehr wichtig für das soziale Verhalten der Tiere.» Es bestehe zwar die Möglichkeit, sie zu trennen und nur für den Paarungsakt zusammenzuführen: «Es ist aber schwierig, die fruchtbare Phase der Rolligkeit festzustellen.»

Tiger Sayan bleibt vorübergehend allein

Für Sayan wird man nach einer neuen Tigerdame suchen: «Die Suche nach einer neuen Partnerin erfolgt im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes EEP für diese Art», so Rübel. Bis dahin wird Sayan allein in der Anlage bleiben. Angesichts der einzelgängerischen Lebensweise dieser Katzen stellt das laut Zoo Zürich kein Problem dar.

(mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tierfreundin am 10.10.2018 09:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Human

    Ich finde es sehr traurig das die Tigerin gestorben ist, trotzdem darf man nicht ausser Acht lassen, dass es humaner ist, da sie krank war sie nicht lange leiden musste. Ein Tier künstlich am Leben zu erhalten macht keinen Sinn. Vielleicht hat das Männchen dies gespürt. In der freien Natur kommt es öfters vor dass auf diesem Wege Tiere von ihrem Leiden erlöst werden. Oder sie werden von dem Rudel zurück gelassen.

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  • Barbi3 am 10.10.2018 10:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erlösung der Natur durch Instinkte?

    Da Tiere spüren, wann es zu ende geht, hat das Männchen vielleicht auch das alte Weibchen erlöst... wir wissen nicht, ob es ein heftiger Streit war. Es kann auch sein, dass der Tiger eine Art Sterbebegleitung betrieben hat. wer weiss das schon!

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  • Fraz am 10.10.2018 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Instinkt

    Das Männchen hat wohl getan, was es in der freien Natur auch getan hätte: Es ist seinem Instinkt gefolgt und hat das alte, schwache Weibchen ausgemerzt. Das ist Natur pur! Traurig für uns Zoobesucher aber absolut richtig für die Tiere.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pietro S am 10.10.2018 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    First world problems

    Oh Mann. Was haben da alle für ein Problem. Es ist ein Lebewesen das gestorben ist und während ihres Lebens ca. 1 Mio. Mal weniger gelitten und weniger Anstrengungen hatte als ein freilebender Tiger. Es sind gestorben und es werden, ob wild oder in Gefangenschaft noch Millonen Tiere UND Menschen sterben. Freut euch des Lebens geht heim und liebt eure Familien und Freunde. Ihr (und ich) seid auch mal dran....

  • hot dog am 10.10.2018 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wenn wundert es?

    Ein Tier bleibt ein Tier, um man kann nie wissen wie es reagiert, Vertrauen hin oder her, nur der dumme Mensch meint alles was er kontrolliert hat er im Griff...

  • tommy am 10.10.2018 16:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wunderschöne fotos

    wow, sind das schöne und majestätische tiere

  • Weitsicht am 10.10.2018 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit

    Freiheit für die Tiere. Zoohaltung gehört abgeschafft. Die Tiere sind eingesperrt und nicht in ihrem natürlichen Umfeld. Sie dienen in unserer Konsumgesellschaft nur dem Zeitvertreib von Menschen die Nichts mit sich anzufangen wissen.

  • Anto' am 10.10.2018 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    genau..

    steigt ruhig ins Gehege!