Stadt Zürich

12. Oktober 2018 05:50; Akt: 12.10.2018 05:50 Print

Diese Heldin schritt bei Angriff auf Polizist ein

D. M. half einem Polizisten, der von einem Mann angegriffen worden war. Jetzt wird sie dafür ausgezeichnet.

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Die 35-jährige D. M.* wartete gerade beim Stauffacher in Zürich aufs Tram, als eine Personenkontrolle neben ihr komplett eskalierte. Zwei Polizisten hatten am 5. September um etwa 21 Uhr eine 27-jährige Frau und ihren 28-jährigen Begleiter angehalten. Das Paar trug 50 Gramm Kokain auf sich, wie die Stadtpolizei Zürich später mitteilte.

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Haben Sie auch schon Zivilcourage bewiesen?

«Die beiden Personen fielen mir zunächst gar nicht auf», sagt die Mitarbeiterin des Lokals Brooklyn Burger. «Ich war aber auch müde. Meine Schicht im Restaurant war gerade zu Ende.» Auch als ein Polizeiauto neben ihr anhielt, dachte sich die 35-Jährige nichts dabei: «Die Beamten stiegen aus und sprachen das Paar an.»

«Er versuchte, die Dienstwaffe aus dem Holster zu reissen»

Doch die Situation änderte sich schlagartig: «Plötzlich schrie der Mann: ‹Nimm die Tasche und renn weg!›» Daraufhin habe seine Begleiterin die Tasche gepackt und sei losgerannt. Die Polizistin folgte ihr: «Ich konnte die beiden nicht mehr sehen.»

In der Zwischenzeit verpasste der Mann dem Polizisten einen Schlag ins Gesicht: «Der Beamte blutete am Mund und sah leicht benommen aus.» Der Angreifer liess aber nicht locker: «Der Mann versuchte die Dienstwaffe des Polizisten aus dem Holster zu reissen.» Da konnte die 35-Jährige nicht mehr tatenlos zusehen: «Ich dachte mir, wer weiss, was passiert, wenn er die Pistole erwischt.»

«Ich hatte unglaubliche Angst»

M. liess ihre Tasche und den Schal fallen und eilte dem Polizisten zu Hilfe: «Ich versuchte den Mann wegzureissen. Aber er hatte so viel Kraft und ich kaum eine Chance.» Schliesslich gelang es dem Polizisten, seinen Pfefferspray gegen den Angreifer einzusetzen. Daraufhin ergriff der 28-Jährige die Flucht: «Der Beamte konnte ihn aber einholen.»

In der Zwischenzeit seien weitere Polizeipatrouillen eingetroffen und hätten schliesslich die beiden mutmasslichen Drogendealer verhaftet. Immer noch im Schockzustand, war M. froh, dass alles vorbei war: «Ich hatte unglaubliche Angst.»

«Es ist selbstverständlich, den Mitmenschen zu helfen»

Zudem sei sie die einzige Person gewesen, die geholfen habe: «Die anderen Passanten haben nur zugeschaut», so die mutige Frau. «Heutzutage scheint es keine Zivilcourage mehr zu geben.» Für die 35-Jährige sei es selbstverständlich, ihren Mitmenschen zu helfen.

Wegen ihres mutigen Einsatzes hat die Stadtpolizei Zürich die Frau am 25. Oktober eingeladen, um sie für ihre Zivilcourage auszuzeichnen. «Das Eingreifen der Frau war wirklich heldenhaft», sagt Sprecherin Judith Hödl von der Stadtpolizei Zürich.

Man schätze es sehr, wenn Passanten Zivilcourage zeigen: «Gleichzeitig wollen wir aber nicht, dass sich die Leute dabei in Gefahr bringen.» Deshalb gilt es, genau auf sein Gefühl zu hören: «Ist man sich nicht sicher, ob man eingreifen soll, dann wählt man besser die 117», meint Hödl.

*Name der Redaktion bekannt

(mon)