Gondel als ÖV-Alternative

08. August 2016 19:48; Akt: 09.08.2016 11:28 Print

Schweizer Städte planen Seilbahnen gegen Stau

Sie brauchen kaum Boden und machen wenig Lärm: Mit Seilbahnen wollen Schweizer Städte Verkehrsprobleme lösen.

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Vom Bahnhof Stettbach aus soll eine Seilbahn zum Zoo Zürich hinaufführen. Hier ein Blick auf die Konzeptstudie zur Seilbahn. Gleich neben der Masoala-Halle sollen die Fahrgäste ankommen. Für die Zooseilbahn wurde 2009 heftig geworben. Ursprünglich war geplant, die Bahn dieses Jahr zu bauen und sie nächstes Jahr fertigzustellen. Doch die Bahn ist durch Einsprachen blockiert. Von vielen zurückgewünscht wird auch das Landibähnli, das während der Landi 1939 über den Zürichsee schwebte. Auch für die Gartenausstellung wurde das Bähnchen nochnmals aufgestellt. Die riesigen Masten wurden danach abgerissen. Eine weitere ehemalige Bahn, die wieder schweben soll, ist diese Luftseilbahn über den Rhein. Beim Fest zu 600 Jahre Basel verband sie Klein- mit Grossbasel. Jetzt gibt es Bestrebungen, wieder so eine Bahn zu errichten. Doch die beiden Grossstädte Zürich und Basel sind längst nicht die einzigen Gemeinden, in denen über eine Stadt-Seilbahn nachgedacht wird. Baden hat ebenfalls solche Pläne Die Seilbahn soll das Bäderquartier mit dem Bahnhof verbinden. Die Pläne sind schon ziemlich konkret. Dennoch ist man auch hier noch weit von einer Realisierung entfernt. In Luzern soll eine Schwebebahn den Verkehr zwischen Kriens und Luzern links liegen lassen. Auch in Ankara hatte man solche Pläne. Im Gegensatz zu den Projekten in der Schweiz wurden sie auch realisiert. Die Bahn wurde 2014 gebaut. Die Bahn ist 3228 Meter lang und verbindet den Stadtteil Sentepe mit der U-Bahn-Station Yeni Mahalle.

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St. Gallen, Winterthur, Zürich, Luzern, Baden, Bern, Basel und Freiburg: In all diesen Schweizer Städten wurden in den letzten Jahren Konzepte für städtische Seilbahnen oder Gondeln präsentiert. In Zürich gibt es derzeit gleich drei solche Projekte. Das Bekannteste ist jenes vom Bahnhof Stettbach zum Zoo Zürich, das fest geplant ist, aber von Einsprachen blockiert wird.

Aber man wünscht sich in Zürich auch das Bähnli zurück, das während der Landi 1939 und an der Gartenausstellung 1959 von der Enge über Wollishofen ans andere Ufer des Zürichsees übersetzte. Diskutiert wird zudem eine Seilbahn, die vom Bahnhof Altstetten aus zur ETH Hönggerberg hochführt und gleich noch bis nach Affoltern verlängert werden könnte.

Von Gross- nach Kleinbasel per Gondel

In St. Gallen war im Zusammenhang mit den mittlerweile abgelehnten Expo-Plänen eine Seilbahn zwischen Gossau und der Kantonshauptstadt geplant worden. Diese Pläne will man nun nicht einfach verwerfen, sondern überlegt, die Bahn tatsächlich zu bauen. Für Winterthur hat ein Maturand erarbeitet, was ein Seilbahnnetz bringen könnte. Mittlerweile unterstützt die lokale FDP das Projekt.

In Luzern plant man mit einer Schwebebahn nach Kriens den Verkehr links liegen zu lassen und die Talstation zum Pilatus ein Stück näher an die Stadt zu holen. In Baden soll eine Seilbahn den Bahnhof mit dem Bäderquartier verbinden. In Bern gibt es die Idee, eine Gondel von der Münsterplattform bis über die Aare zu führen. In Basel würde man gern jener Seilbahn über den Rhein, die zur 600-Jahr-Feier 1992 Gross- und Kleinbasel miteinander verband, ein Comeback geben. In Freiburg soll eine Stadtgondel die Autobahnausfahrt Süd mit dem Zentrum verbinden.

Interpellation an Bundesrat

Allen Projekten gemein ist, dass sie der Entlastung des öffentlichen Verkehrs dienen sollen. Seilbahnen in der Stadt sind immer dann ein Thema, wenn die Verkehrswege sonst ausgereizt scheinen. Sie gelten als günstige Alternative zur U-Bahn, sind aber umstritten, weil sie das Stadtbild verändern.

Dennoch greifen immer mehr Städte auf diese Option zurück. Im Februar dieses Jahres äusserte sich sogar der Bundesrat in einer Interpellations-Antwort zur Frage der Luftseilbahnen in Schweizer Städten und anerkannte die «zahlreichen Vorteile als urbanes Verkehrsmittel». Dies, weil Seilbahnen helfen, Boden zu sparen und kostengünstiger sind als andere Lösungen. Er stellt aber auch fest, dass der Bau einer Seilbahn in der Stadt mit «anderen Herausforderungen verbunden ist als in unbebautem Gelände». Vor allem, weil man sich mit sehr vielen Grundeigentümern einigen müsse.

10 statt 60 Minuten

Während man in der Schweiz noch hadert, wurden bereits in vielen anderen Städten der Welt Gondel-Verbindungen gebaut. So erhielt London anlässlich der Olympischen Spiele 2012 eine Bahn, die die Stadtteile Greenwich und Docklands verbindet. Die Seilbahn blieb nach Ende der Spiele stehen und befördert 1,5 Millionen Fahrgäste pro Jahr.

In Ankara wurde 2014 die längste urbane Horizontal-Seilbahn Eurasiens fertiggestellt. Sie ist 3228 Meter lang und verbindet den Stadtteil Sentepe mit der U-Bahn-Station Yeni Mahalle. Zehn Minuten dauert die Fahrt in einer der Kabinen, die für jeweils zehn Passagiere ausgelegt sind. Mit dem Auto brauchten sie bisher 30 bis 60 Minuten, weil die Verbindungsstrasse völlig überlastet war.

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Slonik69 am 08.08.2016 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Bravo sofort umsetzten! Die Schweiz holt auf! bravo endlich mal wieder etwas positives

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  • martin tschuemperlin am 08.08.2016 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ewige Planung

    Vielleicht könnten die Planer noch einen Computer anschaffen, damit solche Projekte keine 20 Jahre dauern.

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  • Vreni am 08.08.2016 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gondeln

    Freu mich schon mit Gondeln zu fahren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kevin am 09.08.2016 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solarbetrieben wäre super

    das wäre ja mal eine super idee.. das würde die strasse entlasten und somit weniger stau und man hat erst noch etwas weitblick in der gondel.. vielleich sogar solarbetrieben...hammer..

  • Eckzahn am 09.08.2016 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seilbahn über den Zürichsee

    Habe überhaupt nie begriffen, weshalb die Seilbahn über den Zürichsee demontiert worden ist. War als Kind selber damit gefahren. Klar: es war halt nur ein Provisorium. Aber das Globusprovisorium steht ja auch noch. . .

  • Till Eulenspiegel am 09.08.2016 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Kopfschüttel

    Es ist schon interessant dass jeder I. eine einsprache gegen ein zukunftsweisendes Projekt erheben kann. Schweiz halt. Woran sich die Beschwerdeführer wohl stören??

    • Wandervogel1 am 09.08.2016 19:32 Report Diesen Beitrag melden

      Das nennt man Rechtsstaat

      Einsprachen gegen Bauvorhaben sind in jedem Rechtsstaat möglich. Sonst wäre es eine Diktatur. Wenn in der Schweiz ja alles schlecht sein soll, weshalb sind Sie nicht schon ausgewandert?

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  • BVBkusi am 09.08.2016 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rendiert das wirklich?Dann machen

    Idee iss super.

  • Chrisitan Duerig am 09.08.2016 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SICHERHEIT

    Der nächste Blitz wird einschlagen ! Der nächste Sturm wird keine Rücksicht nehmen. Sabotage wird zum Kinderspiel.