Hannah Pfalzgraf (SP/Juso)

14. November 2017 18:54; Akt: 14.11.2017 19:31 Print

Sie ist die jüngste Zürcher Kantonsrätin aller Zeiten

Mit 20 Jahren ist Hannah Pfalzgraf das Küken im Parlament. Die Studentin über ihre Parteiwahl, die politischen Ziele und ihren Exoten-Status als Linke auf dem Land.

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Bildung, Gesundheit und Feminismus sind ihre Kernthemen: Hannah Pfalzgraf. (Bild: Regula Kreis)

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Frau Pfalzgraf, Sie werden ab Anfang 2018 mit 20 Jahren die jüngste Zürcher Kantonsrätin aller Zeiten sein. Was bedeutet das für Sie?
Ich freue mich riesig darüber, diese Chance zu bekommen.

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Sie waren bei den letzten Wahlen mit 18 Jahren bereits die kantonsweit jüngste Kandidatin, holten auf Anhieb 1818 Stimmen im nicht gerade linken Säuliamt und landeten auf dem 3. Listenplatz. Wie erklären Sie sich das?
In Mettmenstetten, wo ich aufgewachsen bin, kennen mich viele. Obwohl ich SP- und Juso-Mitglied bin, landete mein Name sogar auf mancher SVP-Wahlliste. Auf dem Land sind Parlaments- eben auch Personenwahlen.

Nun hätte eigentlich die zweitplatzierte Jeannette Hubli Zürrer den Sitz des zurücktretenden Moritz Spillmann übernehmen sollen. Warum sind es nun Sie?
Sie hat aus beruflichen Gründen verzichtet.

Eine Überraschung?
Sehr. Ich hätte nie damit gerechnet. Entsprechend musste ich mir das Ganze reiflich überlegen. Bringe ich Politik und Studium unter einen Hut? Zum Glück gibt es mit Fabian Molina ein ehemaliges Juso-Mitglied im Kantonsrat. Er unterstützt mich - wir sind ja altersmässig nicht so weit auseinander.

Im Gegensatz zum Grossteil des Parlaments - Sie werden umgeben sein von mehrheitlich älteren Frauen und Männern.
Oh ja. Ich stehe im Leben an einem anderen Punkt als die meisten anderen im Rat, und am Anfang werden mich manchmal nicht alle verstehen. Aber ich sehe den Altersunterschied als Bereicherung. Zumal ich von ihnen viel lernen kann.

Welche Themen werden Sie im Kantonsrat beackern?
Bildung, Gesundheit und Feminismus. So bin ich etwa gegen Abbaumassnahmen im Gesundheits- und im Bildungswesen. Als Studentin werde ich mich überdies für mehr Freiräume für junge Menschen einsetzen - solche, die nicht an Konsum gebunden sind.

Mit Ihren Ideen werden Sie allerdings keinen leichten Stand im bürgerlich dominierten Kantonsrat haben.
Das ist mir bewusst. Aber als Linke auf dem Land bin ich mir das schon ein Stück weit gewohnt.

Wohnen Sie noch in Mettmenstetten?
Nur noch zeitweise. Ich studiere Kunstvermittlung in Basel und lebe die meiste Zeit dort.

Können Sie die linken Säuliämtler aus der Ferne überhaupt angemessen im Parlament vertreten?
Das hoffe ich doch. Die Vorstandssitzungen der SP Affoltern sind für mich Pflicht, wie auch die Lektüre des Affoltemer Anzeiger. Und ich werde Präsenz markieren an Anlässen im Amt.

Sie sind in einem linken Elternhaus aufgewachsen. War für Sie deshalb immer klar, linke Politik zu machen - oder gab es auch Anzeichen zur Rebellion?
Nein, gar nicht. Meine Eltern haben mich zwar nie beeinflusst, aber mir Grundwerte mitgegeben, die ich weitertragen möchte. Etwa, dass man soziale Ungerechtigkeiten nicht akzeptieren soll oder dass Ausländerinnen und Ausländer nicht weniger wert sind als Schweizerinnen und Schweizer.

Warum die SP und nicht die Grünen?
Ich bin der Juso beigetreten, weil mich ihre Aktionen beeindruckt haben. Eine politische Karriere war damals kein Thema. Übrigens war das nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative. Ich war extrem wütend über den Entscheid, fürchtete um unsere Zukunft - und selber durfte ich ja gar noch nicht abstimmen.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Als Lehrerin an einem Gymi, Fach Bildnerisches Gestalten. Und idealerweise immer noch in der Politik - ob vielleicht in Bern oder in einer Regierung ist im Moment völlig offen.

(rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ernesto am 14.11.2017 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch so jemand

    der glaubt, dass Geld kommt vom Bankkonto und die Bank macht es selber im Keller.

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  • roll2go am 14.11.2017 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück!

    Jung und noch voller naiver Ideal-Vorstellungen. Das waren wohl alle mal in jungen Jahren. Die Erfahrungen werden noch folgen, und die Realität ist eine andere als die Juso-Träumereien!

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  • nichtjuso am 14.11.2017 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    na ja

    Im Parlament und keine Lebenserfahrung. Das kann ja nur gut kommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sr. Kasmus am 15.11.2017 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so!

    Eine Kunststudentin die noch keine Erfahrung im Leben hat und Juso ist als Kantonsrätin. Zürich werden goldene Zeiten blühen wenn es so weiter macht.

  • Feline X am 15.11.2017 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation

    Gratuliere zur Wahl. Ich denke, dass sie es noch weit bringen wird.

  • Ruedi M am 15.11.2017 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Sie wird auch noch Erwachsen

    So wahr ich auch einmal. heute lebe ich Gezwungenermassen auf dem Land da man mit 5500.- sich keine Wohnung für eine 4 Köpfige Familie in der Stadt leisten kann (Bald 5 :-)) und konnte trotz Weiterbildung mein Lohn gerade mal halten. Links und liberal bin ich nicht mehr, seit ich damit leben muss das WT Nummernschilder vor unserer Firma parken und ich mich lohntechnisch anpassen darf... Durfte ich mir vorletzte Woche anhören das ich 700 über dem Schnitt sei mit meinem Lohn. Was soll man da sagen? ich bin nicht Deutscher? Aber wehe ich gehe in D einkaufen, das soll man ja nicht machen....

  • Rolf Pennermeister am 15.11.2017 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Faulpelz sucht

    Ich 19 Jahre alt gelernter Kunst-Schläfer suche eine Stelle, eventuell im BR.

  • Peter Zimmermann am 15.11.2017 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Jugendliche brauchen SIE

    Bedenken sie immer, es gibt sehr viele Jugendliche die auf der Jugendanwaltschaft und später in Heimen oder Massnahmenzentren landen. Genau diese Menschen brauchen und warten auf SIE! Reform 91 Organisation für Strafgefangene und Ausgegrenzte