Drogenschiff-Initiator

11. Februar 2016 05:46; Akt: 11.02.2016 06:02 Print

«Jeder Drogenexperte braucht eine Sucht»

von Dominique Rais - Nach dem Weinschiff ankert das Drogenschiff in Zürich. Warum braucht es das und können dort Drogen probiert werden? Der Initiator des Drogenschiffs klärt auf.

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Nach dem Weinschiff im November 2016 soll nur einen Monat später am Bürkliplatz das Drogenschiff vor Anker gehen. Das Zürichsee-Linienschiff Helvetia ist eines der beiden Schiffe, auf denen die Drogenschiff-Veranstaltung stattfinden soll. Die Drogen-Diskussionen sind eingeschlafen - nicht zuletzt wegen des Erfolgs in den 90er-Jahren bei der Bewältigung des Drogenproblems auf dem Zürcher Platzspitz. Mit dem Drogenschiff soll sich das ändern, so Peter J. Grob, emeritierter Medizinprofessor und Initiator des Drogenschiffs. «Ich habe damals die hunderten Drogensüchtigen auf dem Platzspitz gesehen - und deren Hochs gleichermassen wie deren Tiefs erlebt. Trotzdem: Als Suchtexperte muss man, um darüber reden zu können, mindestens eine Sucht haben - ich rauche», sagt Peter J. Grob (78). Peter J. Grobs Buch über Zürichs Drogengeschichte zwischen 1968 und 2008: «Wir sind wegen des erfolgreichen 4-Säulen-Modells ein Opfer unseres eigenen Erfolgs.» Das 4-Säulen-Modell besteht aus Prävention, Therapie, Schadenminderung und Repression. Bei Letzterem steht im Gegensatz zu früher nicht mehr die polizeilichen Verfolgung von Drogenkonsumierenden im Vordergrund, sondern die Ahndung von Verbrechen und Vergehen im Zusammenhang mit Herstellung, Transport und Verkauf von Drogen. Ein Fixer setzt sich am Platzspitz einen Schuss (Juni 1990). Die offene Drogen­szene am Platzspitz in Zürich sorgte in den 80er- und 90er-Jahren weltweit für Schlagzeilen. Drogenszene auf dem Platzspitzareal im Sommer 1990. Drogensüchtige spritzen sich Heroin in die Venen (Juni 1990). Der Zürcher Platzspitz wird am 13. Januar 1992 erstmals während der Nacht geschlossen. Um die Drogenszene in den Griff zu bekommen, fordert die Polizei um 21.15 Uhr die anwesenden Drogenabhängigen und Sympathisanten auf, das Areal zu verlassen und riegelt den Park ab. Nach der Räumung des Platzspitzareals verlagerte sich die Drogenszene zum Letten. In Spitzenzeiten trafen sich über tausend Drogenkonsumenten. Die Polizei kontrollierte die Drogenabhängigen zwar regelmässig, doch es wurde trotzdem weitergedealt und -gefixt.

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Herr Grob, im Dezember wollen Sie beim Bürkliplatz ein Drogenschiff lancieren. Möchten Sie dem Weinschiff Konkurrenz machen?
Peter J. Grob: Unser Schiff hat mit dem Weinschiff überhaupt nichts zu tun. Der Fokus liegt ausschliesslich auf dem Konsum illegaler Drogen. Das Drogenschiff ist für den Zeitraum vom 5. bis 9.Dezember 2016 geplant, also einen Monat nach dem Weinschiff.

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Auf dem Weinschiff kann man Weine degustieren. Auf dem Drogenschiff gibt es in diesem Fall Drogen zum Probieren?
Nein, Drogen wird es bei uns keine geben. Wir wollen mit dem Drogenschiff die Besucher mit fundierten Informationen auf den neusten Stand bezüglich illegaler Drogen bringen.

Das wurde doch schon so breit thematisiert. Müssen die Leute noch mehr über Drogen wissen?
Nein. Tatsächlich hatte die Schweiz Anfang der 90er-Jahre während der Bewältigung der Drogenkrise auf dem Zürcher Platzspitz eine weltweite Pionier-Rolle. Dank der Einführung des 4-Säulen-Modells (siehe Bildstrecke) damals, konnten grosse Fortschritte im Kampf gegen Drogen erzielt werden. Wir sind darum ein Opfer des eigenen Erfolgs. Denn seither ist die Drogen-Diskussionen zunehmend eingeschlafen. Das wollen wir mit dem Drogenschiff ändern.

Wie machen Sie das genau?
Wir informieren auf zwei Schiffen mit unserer multimedialen Ausstellung über die verschiedenen Drogen – etwa über Heroin, Methadon, Cannabis und Partydrogen. Dabei soll Aufklärung betrieben werden und so ein wichtiger Beitrag zur Prävention geleistet werden. Zudem zeigen wir auch historische Fakten.

Zur Prävention gehört auch, dass man seine Drogen testen lassen kann. Gibt es dieses Angebot auf dem Drogenschiff?
Es wird kein Drug-Checking geben, wie es das Drogeninformationszentrum anbietet. Allerdings wird in der Teilausstellung «Party- und Lifestyle-Drogen» das Prinzip erklärt.

Sie gelten als einer der wichtigsten Drogenexperten der Schweiz. Haben Sie schon mal illegale Substanzen probiert?
Nein, dafür war ich zu wenig mutig. Ich habe damals die hunderten Drogensüchtiger auf dem Platzspitz gesehen – und deren Hochs gleichermassen wie deren Tiefs erlebt. Trotzdem: Als Suchtexperte muss man, um darüber reden zu können, mindestens eine Sucht haben – ich rauche.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dr. Gabber am 11.02.2016 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eine wichtige aber undankbare Aufgabe

    Es ist derart wichtig, dass man der Öffentlichkeit gute und brauchbare Informationen zur Verfügung stellt. und trotzdem werden sich Drogengegner und Alkoholverhamloser unglaublich darüber aufregen. Darum meine Forderung: Weitet das Angebot aus. Jede Stadt soll eine entsprechende Stelle haben, wo sich die Leute informieren können. Ohne ideologisch oder religiös angehauchtes Geschwafel.

  • Sehnsucht 67 am 11.02.2016 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sucht.

    Alleine der Name ist ja schon fehlgeleitet. Drogenschiff , man hatte ja Suchtverhalten oder solche ähnliche Namen verwenden können. Ach ja so hätte man nicht auf sich aufmerksam machen können.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dr. Gabber am 11.02.2016 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eine wichtige aber undankbare Aufgabe

    Es ist derart wichtig, dass man der Öffentlichkeit gute und brauchbare Informationen zur Verfügung stellt. und trotzdem werden sich Drogengegner und Alkoholverhamloser unglaublich darüber aufregen. Darum meine Forderung: Weitet das Angebot aus. Jede Stadt soll eine entsprechende Stelle haben, wo sich die Leute informieren können. Ohne ideologisch oder religiös angehauchtes Geschwafel.

  • Sehnsucht 67 am 11.02.2016 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sucht.

    Alleine der Name ist ja schon fehlgeleitet. Drogenschiff , man hatte ja Suchtverhalten oder solche ähnliche Namen verwenden können. Ach ja so hätte man nicht auf sich aufmerksam machen können.