Zürich Kreis 4

02. Juni 2016 11:20; Akt: 02.06.2016 15:47 Print

Gilt ein Parkplatz, wenn die Markierung fehlt?

Die Parkuhr war in Betrieb und darum hat ein BMW-Fahrer auf einem Parkplatz parkiert, der wegen des neuen Asphalts nicht markiert war – ein Fall für den Stadtrichter.

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Der Fall ist kompliziert. Wie so oft parkierte V.G.* seinen BMW an einem Abend im Mai im Zürcher Kreis 4 auf einem öffentlichen Parkplatz an der Brauerstrasse. Weil letztere neu asphaltiert wurde, fehlte die weisse Bodenmarkierung allerdings. «Da ich den Ort bestens kenne und weiss, wo das Parkfeld mit der Nummer 10 ist, stellte ich mein Auto dennoch ab», sagt G.

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Wie es sich gehört, bediente G. auch die Parkuhr. Diese war nicht abgedeckt. Um 20.44 Uhr habe er einen Franken eingeworfen. «Das reicht, denn ab 21 Uhr ist das Parkieren gratis.» Umso mehr staunte G., als er nach der Arbeit zu seinem Auto zurückkehrte. An der Frontscheibe klebte eine Anzeige. Will heissen: Der Stadtrichter wird über die Höhe der Busse befinden. Das Vergehen: Parkieren im Halteverbot. Dieses gilt für den ganzen Strassenabschnitt – ausgenommen die Parkplätze.

«Niemals Rettungsachse versperrt»

G. war nicht der Einzige: Mehrere weitere Automobilisten kassierten ebenfalls Strafzettel. Sie hatten unter anderem auf der anderen Strassenseite parkiert, normalerweise blaue Zone. Auch hier fehlte zum Teil die Markierung wegen der Bauarbeiten. Der Unterschied: Sie alle erhielten Ordnungsbussen à 120 Franken. Sprich: Sie kommen glimpflicher davon als G.

Das stört den aber noch am wenigsten: «Ich wundere mich schon sehr über die Begründung – wir hätten im Halteverbot parkiert.» So seien die Blaue-Zone-Parkplätze zum Teil noch eingezeichnet gewesen, «und mein Auto hat niemals eine Rettungsachse versperrt». Er habe Fotos, die das beweisen würden.

Laut Polizei im Halteverbot

Trotzdem sieht man den Fall bei der Stadtpolizei Zürich anders: «Gemäss Auskunft der Polizeipatrouille stand das Auto ausserhalb des Parkfeldes, nämlich dort, wo gemäss Tafel ein Halteverbot gilt», sagt Medienchef Marco Cortesi.

Und warum muss G. beim Stadtrichter antraben? «In jener Nacht kamen zwei Patrouillen an besagtem Ort vorbei», so Cortesi. Die erste Patrouille habe noch eine Ordnungsbusse ausgestellt. «Weil das Auto bei der zweiten Patrouille immer noch da war, folgte danach eine Anzeige.» Die anderen Autos seien sowieso erst von der zweiten Patrouille gebüsst worden.

Unklar ist: Gilt das Halteverbot des Kehrplatzes auch für die Parkplätze, wenn diese nicht oder nur zum Teil eingezeichnet sind? Und: Müsste die Stadt in einem solchen Fall die Parkuhr abdecken? Um solche Fragen wird sich nun der Stadtrichter kümmern müssen, denn G. will sich gegen die Anzeige wehren: «Was hier abläuft, ist einfach unfair.»

*Name der Redaktion bekannt

(rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Silas A. am 02.06.2016 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Busse ist falsch!

    Ich bin ein klassischer zürcher Autohasser. Aber das, was hier passiert ist, finde ich geht zu weit. Wenn die Parkuhr bedienbar ist und man Bezahlt hat, dann ist eine Busse eine Frechheit!

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  • Karin am 02.06.2016 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe

    vor Jahren ebenfalls eine Parkbusse erhalten, weil ich im Winter bei schneebedeckter Strasse auf mir bekannten, aber vom Schnee bedeckten Parkplätzen parkiert hatte. Hatte mich dann erfolgreich mit Fotos vom freigeschaufelten (und somit mit sichtbarer Markierung) Parkplatz gewehrt und musste die Busse nicht bezahlen, da sie ja ungerechtfertigt ausgestellt war. Hoffe, dieser Autofahrer bekommt ebenfalls Recht, manchmal sind die Polizisten mit Parkbussen verteilen zu übereilig ...

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  • ArturoC am 02.06.2016 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Sicher ist da eine Busse fällig!

    Aber nicht für den Autofahrer, sondern für die zuständige Behörde. Wenn dort vorübergehend nicht geparkt werden darf, dann ist das auch entsprechend zu markieren und die Parkuhr ist abzudecken.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter zürcher am 03.06.2016 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rot Grüne Stadtregierung

    lässt ihr Angestellten schlafen. Wie wäre es wenn die Schlafkappen des Tiefbauamtes nicht um halb 5 Feierabend machten und nach der Neuteerung auch die Markierung auftragen würden?

    • Jan Arbeiter am 04.06.2016 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter zürcher

      Warum? Warum sollte das Tiefbauamt länger arbeiten als andere? Wer Auto fährt sollte die Regeln kennen. Kein Parkplatz kein Parkieren. Sorry wer einfach einen Parkplatz erfindet , wo eindeutig keiner ist , muss zahlen. Vielleicht sollte man noch eine Sehkontrolle anordnen .

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  • Trucker am 03.06.2016 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Zürich=No go...

    Selber schuld, wer in diesem Teil der Schweiz joch verkehren will. Darum wird diese Stadt ignoriert und für Freizeitäktivitäten seit Jahren nicht mehr berücksichtigt .Jeder Rappen , den ich in dem Molloch Zürich ausgeben würde, würde mich Reuen. ...Freut Euch, wenn wir Trucker fehlen; hat es mehr Platz für Hipsters; aber auch weniger Trinkgeld...merksch öppis?

  • BSN am 03.06.2016 04:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon sehr fragwürdiges Vorgehen der Polizei

    Sorry aber das grenzt tatsächlich an Mutwillgkeit der Behörden. Erstens gab es dort vor dem neuen Asphalt Parkplätze - wie dies ja die funktionsfähige Parkuhr beweist. Dann wurde diese Parkuhr weder deaktiviert noch abgedeckt - woraus angenommen werden darf, dass die Parkplätze auch in Zukunft wieder signalisiert werden sollen. Andererseits war es ein Fehler der Behörde, diese Parkur nicht zu deaktivieren UND die "altbekannten" Parkplätze mit Parkverbot zu signalisieren. Damit greift das Gewohnheitsrecht! Die Polizei handelt hier böswillig und wegen eigener Fehler unrechtmässig

    • Anna S. am 04.06.2016 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @BSN - Gebe Ihnen in allem Recht

      Ausser dem Wörtchen "mutwillig", welches ich durch "willkürlich" oder "böswillig" ersetzen würde.

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  • Cavi33 am 02.06.2016 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke nach Lust und Laune

    Es gibt nichts das ein Stadtzürcher Automobilist nicht erdulden muss. Weltweit wahrscheinlich einzigartig eben Zürich. Es hat ja so viele Parkplätze.

  • Pete G. am 02.06.2016 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht....

    Im Gesetz heisst es doch ganz klar, das Auto muss VOLLSTÄNDIG IM PARKFELD STEHEN. Wenn es kein Parkfeld hat, ist es kein Parkplatz, ganz einfach. Ob nun eine Parkuhr daneben steht oder nicht, spielt überhaupt keine Rolle.