Bezirksgericht Bülach

07. Dezember 2017 13:08; Akt: 07.12.2017 13:08 Print

Chef von 7 Restaurants kauft gestohlenes Fleisch

Fünf Monate lang kaufte der Chef von sieben China-Restaurants gestohlenes Fleisch. Geliefert wurde es ungekühlt und ausserhalb der Arbeitszeiten.

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Das Bezirksgericht Bülach hat den 58-jährigen Unternehmer der Hehlerei schuldig gesprochen. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Ein Angestellter einer Lagerhalle für Lebensmittelprodukte in Flughafennähe hat ab Sommer 2015 während rund eines halben Jahres Frischfleisch- und Tiefkühlprodukte entwendet. Die mehreren Tonnen Lebensmittel verteilte er danach unter der Hand an sechs Inhaber von Take-Aways, wie die «Neue Zürcher Zeitung» schreibt. Die Verfahren gegen ihn sowie fünf der sechs Abnehmer sind schon abgeschlossen.

Der letzte, laut Staatsanwaltschaft der Hauptabnehmer, stand am Mittwoch wegen gewerbsmässiger Hehlerei vor dem Bezirksgericht Bülach. Der 58-jährige Inhaber von sieben China-Restaurants, der in der Schweiz einen einwandfreien Leumund habe, wies aber alle Vorwürfe von sich.

Merkwürdige Umstände

Er habe nicht gewusst, dass die rund 400 bis 500 Kilogramm Lebensmittel einen «kriminellen Hintergrund» hätten. Auch bezahlt habe er jeweils erst, wenn ihm die Waren in Rechnung gestellt worden seien. Sein Anwalt forderte einen Freispruch. Sollte es doch zu einer Verurteilung kommen, so wäre laut dem Verteidiger eine bedingte 18-monatige Freiheitsstrafe angemessen.

Die Staatsanwältin sah die Geschehnisse jedoch anders: Aufgrund der Aussagen des Diebes habe der 58-jährige Unternehmer 15 Lieferungen entgegengenommen — mit einem Gewicht von drei bis vier Tonnen. Auch die Umstände seien, so die Staatsanwaltschaft, derart merkwürdig, dass der Angeklagte hätte merken müssen, dass mit der Ware etwas faul sei.

Ungekühlt und ohne Lieferschein in Privatauto geliefert

So wurde etwa die auffällig günstige Ware erstens immer ausserhalb der Bürozeiten und zweitens stets ungekühlt in einem Privatauto geliefert. Auch sei nie ein Lieferschein ausgestellt worden, und die Lebensmittel seien stets in bar gezahlt worden. Die Staatsanwaltschaft forderte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 28 Monaten sowie 71'000 Franken Busse.

Laut dem Gericht hätte der Angeklagte wissen müssen, dass es sich bei den Waren um Diebesgut handelt, da das Logo der bestohlenen Firma zu sehen war. Deshalb verurteilt das Gericht den 58-Jährigen wegen Hehlerei in einem Zeitraum von fünf Monaten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 22 Monaten sowie einer Busse von 18'000 Franken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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