Tödliches Unglück

12. Oktober 2017 14:51; Akt: 12.10.2017 14:51 Print

Seilbahn-Mitarbeiter schuldig gesprochen

Nach dem Absturz einer Transportseilbahn 2013 in Innerthal SZ hat das Gericht einen Bahnmitarbeiter verurteilt. Zwei Personen kamen damals ums Leben, ein Baby überlebte.

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Die Staatsanwaltschaft hatte dem Seilbahnbesitzer und dessen Angestellten mehrfache fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Der Angestellte, der die Seilbahn bediente, sei in beiden Punkten schuldig, teilte das Gericht am Donnerstag mit. Laut dem Urteilsdispositiv wurde er zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 20 Franken verurteilt. Der Vollzug ist bei einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben . Den Seilbahnbesitzer sprach das Gericht frei.

Eigentümer wird freigesprochen

Zudem muss der Angestellte, ein heute rund 70-jähriger Deutscher, den Angehörigen der Opfer Schadenersatz und Genugtuung in Höhe von mehreren 10'000 Franken bezahlen. Das Gericht folgte bei den Tatbeständen der Anklage, das Strafmass setzte es leicht herunter.

Der zweite Beschuldigte, der heute rund 40-jährige Eigentümer der Bahn aus der Region, wurde in sämtlichen Punkten freigesprochen und allfällige Schadenersatzansprüche auf den Zivilweg verwiesen. Das Urteil wurde den Parteien zugestellt, es ist noch nicht rechtskräftig. Bis im Dezember folgt die schriftliche Begründung.

Fehlerhafte Bedienung

Die Transportseilbahn fuhr am 3. August 2013 gegen 11.45 Uhr mit einer Familie an Bord von der Alp Bärlaui auf 1290 Metern über Meer talwärts zum Wägitalersee. Dabei wurde die Transportkiste immer schneller, entgleiste und kollidierte mit einem Masten. Nach rund 900 Metern stürzte die Gondel in steiles Waldgebiet ab.

Ein 38-jähriger Schweizer und seine 31-jährige Frau, eine kanadisch-ägyptische Doppelbürgerin, verloren beim Unglück ihr Leben. Deren 16 Monate alte Tochter überlebte den Absturz mit mittelschweren Verletzungen. Die Familienmitglieder waren als Tagestouristen in dem Gebiet unterwegs.

Die Staatsanwaltschaft war zum Schluss gekommen, dass die beiden Seilbahn-Betreiber den tödlichen Unfall verschuldet hatten. Der Arbeiter habe die nicht für Personentransporte bestimmte Seilbahn in Betrieb gesetzt und fehlerhaft bedient, schreibt die Staatsanwaltschaft. Sein Chef habe seinerseits den Arbeiter mangelhaft instruiert.

Keine technischen Mängel

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits kurz nach dem Unglück bekannt gegeben, dass an der Bahn keine technischen Mängel vorlagen. Sie war aber nicht für Personentransporte zugelassen.

Die Ermittlungen in dem Fall dauerten rund drei Jahre. Sie umfassten aufwendige Untersuchungen mit Einvernahmen, technischen Untersuchungen und die Erstellung von Gutachten.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Prof. Klar Heinz am 12.10.2017 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    unverhältmässiger Aufwand unserer Staatsjustiz

    Wieso wird hier so nach den Ursachen gesucht. Wäre die Seilbahn für den Warentransport benutzt worden hätte es nur sachschaden gegeben. Ein Personentransport ist bei solch eine Bahn nicht zulässig. Derjenige der das gestattet hat ist Verantwortlich. Für solch ein Urteil benötigt es über 3 Jahre und viele Gutachten, hallo!!!? gehts noch! Unsere Justiz verblödet doch immer mehr.

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  • Silvia D am 12.10.2017 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung

    Wo bleibt die Eigenverantwortung? Muss immer ein anderer schuld sein? Wie kann man sich in einer Transportbahn befördern lassen?

  • Denver am 12.10.2017 15:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Welcher Vater oder Mutter steigt mit seinem Kind bei vollem Bewusstsein in solch eine Transportlift!? Das der Mitarbeiter durch seine Gutmütigkeit hier voll zur Verantwortung gezogen wird wurde ist wohl möglich nicht ganz korrekt! Was für eine traurige Geschichte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Spaniel am 13.10.2017 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch

    Es bleibt einfach zu hoffen dass es keine weiteren solche Fälle mehr gibt. Bahnmitarbeiter müssen einfach wirklich konsequent nein sagen. Auch dem besten Freund. Das darf sich nicht mehr wiederholen. Wünsche doch auch dem Betroffenen Bahnmitarbeiter viel Kraft dies zu verarbeiten.

  • Barcelona am 13.10.2017 07:55 Report Diesen Beitrag melden

    4 Jahre bis zum Urteil

    Eine sehr traurige Geschichte, sehr schlimm finde ich dass die Gerichte 4 Jahre brauchten bis sie zu diesem Urteil gekommen sind. Das ist leider keine Einzelfall. Egal für welche Sparte, die Gerichte brauchen Jahre bis sie ein Urteil fällen. Man sollte sich mal überlegen was man tun könnte, damit unsere Gerichte schneller arbeiten.

  • Jan am 13.10.2017 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm?

    Mal davon abgesehen, dass die Seilbahn zum Personentransport benutzt wurde; warum ist sie denn zu schnell geworden, wenn kein technischer Defekt vorlag? Waren zwei Erwachsene und ein Kind schlicht zu schwer für den Transport oder ist da noch was mehr im Busch?

  • Fritz Suter am 12.10.2017 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Es tönt grad so, als hätte der Bahnmitarbeiter die Familie geradezu genötigt in den Kübel mit der Aufschrift:"Nur für Warentransport" zu steigen. Vielleicht hatte er noch eine Pistole dabei?

    • Innerschweizer am 12.10.2017 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fritz Suter

      Wurde der Bahnmitarbeiter mit Waffengewalt gezwungen die Leute zu transportieren oder hat er es freiwillig gemacht obwohl er wusste das er das nicht darf? Zudem kommt noch dazu das die Bahn fehlerhaft bedient wurde, die Strafe ist absolut gerecht.

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  • Peter am 12.10.2017 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Übermass

    Auf der Kiste ist klar ersichtlich: Zur Personenförderung nicht zugelassen. Wer da einsteigt hat die Selbst-Verantwortung. Der Angestellt war nur gutmütig genug und hat nun darunter zu leiden. Ich nehme mal an, die Schadenersatzsumme sind ein paar Jahresgehalte.

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