Engelberg

09. Mai 2017 05:57; Akt: 09.05.2017 08:18 Print

Getarnter Blitzer nervt Obwaldner Autofahrer

von Noah Knüsel - Ein Leser-Reporter hat einen getarnten Blitzkasten in Engelberg OW fotografiert. Die Polizei wehrt sich gegen den Vorwurfe reiner Geldmacherei.

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Dieser getarnte Blitzkasten wurde in Engelberg OW fotografiert. Ein anderer hat am Freitagmorgen (5. Mai 2017) in Bretigny-sur-Morrens VD diesen Blitzer entdeckt. Diese Methode benutzen auch andere Polizeikorps: In Uster hat die Stadtpolizei 2014 neben einem Gebüsch einen Radarkasten aufgestellt, der für Empörung sorgte. Ein Autofahrer muss bei solch einem gut getarnten Gerät schon zweimal hinsehen. In Auslikon ZH hat ein Leser bereits Ende März 2017 einen versteckten Blitzer entdeckt. Ganz mit der Umgebung verschmolz der Radar jedoch nicht. Das ist laut Thomas Rohrbach, Sprecher vom Bundesamt für Strassen, erlaubt. Die Polizei darf die geeichten Geräte auch in Abfallkübel und Fahrzeuge einbauen. In Uetendorf BE wurde der Blitzer unter einer Militärblache versteckt. Anderswo sind die Blitzer zwar nicht so gut versteckt, aber trotzdem leicht zu übersehen. Auch an diesem Blitzkasten hatten die Autofahrer wenig Freude. Hier waren wohl ganz kreative Polizisten am Werk. Bereis vor einigen Jahren entdeckte ein Leser diesen Radarkasten neben einem Gebüsch in Sarnen. Selbst für Fussgänger ist das Gerät nur schwer zu erkennen. Auch dieser Blitzkasten soll wohl nicht auf den ersten Blick erkannt werden. Erst kürzlich entdeckten mehrere Leser in Dübendorf einen Blitzer, der in einen Smart eingebaut war. Im Auto befanden sich gleich mehrere Blitzer. Einer an der Frontscheibe... ...und einer im Kofferraum. Die Leser ärgerten sich. «Das ist eine Riesensauerei!», schrieb einer. Welchen Zweck dieses Konstrukt erfüllen sollte, bleibt leider ein Rätsel. Wirklich getarnt wird der Blitzer dadurch nicht.

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«Das sieht man öfter im Kanton Obwalden. Manchmal sind sie in Gebüschen versteckt, oder auch wie hier unter einem Tarnnetz versteckt», sagt ein Leser-Reporter. Er fotografierte kürzlich einen mobilen Blitzer in Engelberg. «Da geht es wohl eher ums Geld, nicht um die Sicherheit.»

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Der getarnte Blitzer sei auf einer Geraden in der 50er-Zone gestanden, etwa 50 Meter vor dem 60er-Schild: «Viele Leute beschleunigen da schon oder sind am Ausrollen», so der Leser-Reporter weiter.

Kapo Obwalden: «Wollen nicht schikanieren»

Marco Niederberger, Chef der Verkehrs- und Sicherheitspolizei Obwalden, versichert, dass der mobile Blitzkasten in Engelberg deutlich mehr als 50 Meter nach der Geschwindigkeitsänderung platziert war: «Ein Autofahrer soll, wenn er ab dem ‹Generell 50›-Schild ausrollt, bis zum Blitzer das vorgegebene Tempo erreichen können.» Per Gesetz dürfe man zwar ab der Tafel kontrollieren. Aber: «Wir haben da im Sinne der Verhältnismässigkeit intern andere Regeln, wir wollen die Leute auf keinen Fall schikanieren», so Niederberger weiter.

Gegen den Vorwurf, getarnte Blitzer dienten nur der Geldmacherei, wehrt er sich: «Einerseits ist der Anteil von verdeckten Radarkontrollen gegenüber den offen sichtbaren sehr gering.» Andererseits müsse es nicht unbedingt sein, dass bei verdeckten Messungen mehr Verkehrssünder gebüsst werden: «Es gibt auch bei grossen, offensichtlichen Kontrollen teils hohe Übertretungsquoten.»

Polizei macht Radarplanung

Wann, wo und wie die Geschwindigkeit kontrolliert wird, legt die Obwaldner Kantonspolizei gemäss Niederberger mit einer genauen Radarplanung fest: «Es kann zum Beispiel sein, dass wir über mehrere Monate an der selben Stelle zwei Mal präventiv mit dem grossen halbstationären Anhänger Messungen vornehmen. Wenn wir sehen, dass die Übertretungsquote immer noch hoch ist, dann wird einmal mit einer kleineren Anlage verdeckt gemessen.»

Grundsätzlich müsse man als Fahrzeuglenker jederzeit und überall mit Geschwindigkeitskontrollen rechnen und somit das Tempo anpassen. «Ob die Kontrolle nun offensichtlich oder verdeckt durchgeführt wird, sollte eigentlich keine Rolle spielen», so Niederberger.

Luzern und Zug tarnen mobile Blitzer nicht

Laut Kurt Graf, Sprecher der Luzerner Polizei, werden im Kanton Luzern generell keine mobilen Blitzkästen mit Tarnnetzen eingepackt. Denn: «Ein Blitzer hat auch eine präventive Wirkung.» Das sei ein Punkt, der oft vergessen gehe: «Neben der Radarmessung dient ein Blitzkasten auch zur Verkehrsberuhigung.» Man müsse sich aber bewusst sein: «Gesetzlich definierte Höchstgeschwindigkeiten müssen eingehalten werden, darum sind Kontrollen nötig.»

Auch in Zug werden die Blitzer nicht getarnt, wie Polizeisprecher Frank Kleiner auf Anfrage sagt: «Bei schlechtem Wetter werden unsere Geräte geschützt.» Es handle sich dabei aber nicht um eine Tarnung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heno am 09.05.2017 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausnahmen

    Ich hab ja nichts gegen radar. Aber was nicht in ordnung ist das man im in zuchwil (solothurn) in der autobahneinfahrt hinter in dem 100 schild noch in die 80 zgiger beschleunigungszone blitzt. Das ist eine frechheit und nur abzocke.

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  • kiol am 09.05.2017 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld in AHV

    Erst wenn das Geld für Bussen direkt in die AHV fliessen würde, gäbe es keine Eigeninteresse mehr und es würde nur noch dort geblitzt werden, wo es auch 100% um die Sicherheit geht...

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  • Cavi33 am 09.05.2017 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwer zu verstehen

    Wenn ein Blitzkasten mit Tarnnetz möglichst unkenntlich gemacht wird hat das mit Verkehrssicherheit wohl nicht viel zu tun. Eine neuralgische Schnellfahrstrecke kann such mit einem normalen mobilen Gerät bestückt werden, do wäre die Zielsetzung auch erfüllt. Wenn das nicht reicht muss ein fest installierter Radar aufgestellt werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Camparista am 09.05.2017 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was ist mit zu langsam?

    ich erlebe sehr oft, dass in der 80 zone viele 60 fahren. was soll das? sollte auch radar geben für zu langsam fahren,denn das führt zu staus und verkehrbehinderung.

  • Innerschweizer am 09.05.2017 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .....

    Echt? Gibt es von nun an für jeden getarnten Blitzer einen eigenen Artikel?

  • wjp1 am 09.05.2017 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blitzer finde ich ok ,

    Das Geld müsste aber voll umfänglich in die AHV fliessen ! Nachvollziehbar offen gelegt . Getarnte Blitzer sind meiner (freien) Meinung nach nur hinterhältig und feige .

  • Zwaschpu am 09.05.2017 09:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzockeri in Reinkultur

    Habe grundsätzlich nichts gegen Radarkontrollen, aber getarnt ist nichts als Abzockerei. Von Präventation und Sicherheit kann da keine Rede sein: man beachte England, dort sind sie sogar deutlich gekennzeichnet. Das würde bei uns auch zu einer Beruhigung führen. Im übrigen sollten mal die Lastwagen kontrolliert werden: 80% fahren zu schnell. Ein generelles Lastwagenüberholverbot würde viel Sicherheit bringen!

  • Neunmalklug am 09.05.2017 08:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Luzern tarnt nicht?

    Klar tarnen die Luzerner auch! So jeden Monat einmal vor der Kirche Bertiswil in Rothenburg direkt aus einem schwarzen Kleinwagen. Mit schwarz getönten Scheiben... Auch auf der Neuenkircherstrasse in Emmenbrücke direkt nach der Feuerwehr vor einem Gebüsch, inkl. Tarnnetz! Darf denn die Polizei lügen?

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