Kanton Uri

12. November 2017 17:16; Akt: 12.11.2017 17:28 Print

Frau mit Hirnschlag wartet 50 Minuten auf Ambulanz

Bis die Ambulanz bei einer Frau in Altdorf war, die einen Hirnschlag erlitten hatte, dauerte es lange. Die Frau wohnt nur einen Kilometer vom Kantonsspital entfernt.

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Als F. W.* im gemeinsamen Heim in Altdorf seine Frau reglos auf dem Boden liegend sah, kontaktierte er seinen Hausarzt. Dieser forderte an jenem Tag Mitte Oktober eine Ambulanz an, wie der Bote der Urschweiz berichtet. Die Anfahrt des Krankenwagens dauerte allerdings lang: Zum Zeitpunkt des Anrufes des Hausarztes war das Rettungsteam in Altdorf bereits zu einem anderen Einsatz losgefahren. Deshalb wurde ein Team in Andermatt aufgeboten.

45 Minuten Anfahrt

Um 14.02 forderte der Hausarzt die Ambulanz an. Der Rettungsdienst des Kantonsspitals Uri wurde um 14.06 Uhr informiert und fuhr eine Minute später los. Durch die Verkehrssituation in der Schöllenen dauerte die Fahrt des Krankenwagens von Andermatt bis nach Altdorf mit 45 Minuten länger als üblich. 50 Minuten nach dem Anruf des Arztes erreichte der Krankenwagen um 14.52 Uhr die Patientin, die mit einem Hirnschlag umgehend ins Kantonsspital Uri eingeliefert wurde. Der Wohnort der Patientin liegt nur einen Kilometer vom Spital entfernt.

Der Rettungsdienst Schwyz wäre vom Standort Seewen aus in etwa 20 Minuten vor Ort gewesen. Doch in diesem Fall kam aber kein Alarm, sodass das Team von Andermatt den Weg auf sich nahm. «Der Fall ist eine Verknüpfung von unglücklichen Zufällen», erklärt Fortunat von Planta, Direktor des Kantonsspitals Uri.

Geografische und strukturelle Herausforderung

Dass eine Patientin so lange auf die Ambulanz warten muss sei selten, sagt Planta. Die Mitarbeiter des Rettungsdienstes seien hervorragend ausgebildet und leisteten gute Arbeit. Allerdings liege die Herausforderung in der geografischen und strukturellen Situation des Kantons Uri. «Auf ein grosses Einsatzgebiet kommen relativ wenig Rettungseinsätze», sagt er dem Boten.

Ohne Blaulicht zum Einsatzort

Das Urner Gebiet wird durch die Notrufzentrale abgedeckt. Ist die Ambulanz in Altdorf für längere Zeit unterwegs, wird automatisch die Ambulanz in Andermatt in den Warteraum Erstfeld geordert. Ebenso wird die Ambulanz aus Stans oder Schwyz in die Nähe geordert, wenn die Ambulanzen von Andermatt und Altdorf ausgefahren sind.

In manchen Fällen werde auch die Rega aufgeboten, sagt Planta und gesteht ein, dass im Fall der Urnerin kein Sondersignal ausgelöst wurde, sodass die Ambulanz ohne Blaulicht fuhr. Es sei wichtig, den Ablauf nun zu analysieren, sagt Planta.

Nach Hirnschlag wieder zu Hause

Die Urnerin konnte nach einem Reha-Aufenthalt am vergangenen Wochenende wieder nach Hause. Ihr Gedächtnis sei beeinträchtigt, ebenso werde sie schnell müde und sei auf die Unterstützung ihres Mannes angewiesen, berichtet ihr Mann.

*Name bekannt

(jas)

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