Grabungen

14. August 2017 13:35; Akt: 14.08.2017 14:16 Print

Archäologen finden mitten in Luzern Skelette

In Luzern sind bei Grabungen nicht nur die erwarteten Reste einer ehemaligen Spitalkirche entdeckt worden, sondern auch die eines Vorgängerbaus und ein Friedhof mit Skeletten.

Die Grabungsabrieten finden auf dem Franziskanerplatz in Luzern statt. (Video: SDA)
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Die Stadt Luzern saniert zur Zeit in der links der Reuss gelegenen Kleinstadt die Leitungen und die Pflästerung. Dazu wird rund 80 Zentimeter in die Tiefe gegraben.

Weil in dem seit 800 Jahren bewohnten Teil der Altstadt historische Spuren zu erwarten waren, sind nicht nur Bauarbeiter, sondern auch Archäologen vor Ort. Die Kantonsarchäologie dokumentiert, was durch die Bauarbeiten zerstört wird, sagte Projektleiter Fabian Küng am Montag bei einer Begehung. Tiefer als 80 Zentimeter unter der Oberfläche liegende Schichten würden indes nicht angetastet.

Archäologen legen mitten in Luzern zwei Kirchen frei

Spital aus dem 13. Jahrhundert

Zur Zeit sind die Archäologen auf dem Franziskanerplatz im Einsatz. Bekannt war, dass dort bis 1656 das Heiliggeist-Spital stand. Dieses war im 13. Jahrhundert als eine der ersten Institutionen der jungen Stadt geschaffen worden, um Bedürftige, Kranke und Pilger aufzunehmen. Zu einem Spital habe damals auch eine Kirche gehört, sagte Küng.

Auf der vom Bündner Kupferstecher Martin Martini 1597 geschaffenen Stadtansicht ist neben dem Heiliggeist-Spital auch die Spitalkirche zu sehen. Das Spitalgebäude wurde 1656 abgebrochen, als die Institution vor die Stadttore verlegt wurde. Die Spitalkirche wurde 1788 abgerissen.

Gut erhaltener Boden

Bei der Grabung wurden nun nicht nur die erwarteten Reste der aus Martinis Stadtansicht bekannten Spitalkirche entdeckt, sondern auch Überreste von deren Vorgängerbau. Gemäss schriftlichen Quellen muss dieser spätestens um 1345 erstellt worden sein. Freigelegt wurden die Reste des rechteckigen Chores. Auffällig sind der gut erhaltene Mörtelboden und das Altarfundament.

Viele Hinweise zur Ausstattung gibt es nicht. Verputzfragmente zeigten, dass der Chor mit bunten Wandmalereien versehen gewesen sei, sagte Küng.

Gemäss Schriftquellen wurde die Spitalkirche im 16. Jahrhundert in zwei Etappen vollständig erneuert. Sie erhielt zunächst einen polygonalen Chor und später ein neues Kirchenschiff mit Sakristei.

Die Kirche sei eines der vier mittelalterlichen Gotteshäuser Luzerns gewesen, sagte Küng. Wegen einer wundertätigen Maria sei sie viel besucht worden. Abgerissen worden sei sie, weil sie sich in einem schlechten Zustand befunden habe.

Freigewordener Platz für Verkehr genutzt

Überbaut worden war der Standort der einstigen Spitalkirche nicht mehr. Dies dürfte daran gelegen haben, dass die Freifläche in dem dicht bebauten Gebiet gut für den Verkehr genutzt werden konnte, etwa im 19. Jahrhundert für die Kutschen, die zum nahen Posthof fuhren.

Neben dem Areal der Spitalkirche befand sich der Garten des benachbarten Franziskanerklosters. Weil die städtischen Friedhöfe stark überbelegt gewesen waren, wurde im Garten um 1600 ein Friedhof angelegt, der bis 1798 verwendet wurde. Bei den Grabungen wurden menschliche Knochen entdeckt. Diese Arbeiten sind noch im Gang.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Margie am 14.08.2017 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    So ist es halt

    Nun ja, Zürich wollte vor ein paar Jahren unter dem Münsterplatz eine Tiefgarage bauen und siehe da, ein alter Friedhof wurde zu Verhängnis. Man stiess auf alte Gräber und liess das Projekt fallen. Überall gibt es verborgene Friedhöfe und Hinrichtungsstätten welche man einfach zugedeckt hat um für etwas anderes Platz zu schaffen.

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  • Dieter Marty am 14.08.2017 14:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Archäologen finden ....

    Wahrscheinlich Wirtshausgäste, Touristen, die auf die Bedienung gewartet hatten.

  • Züri Horner am 14.08.2017 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts besonderes

    Das gibt es überall. Im Zürcher Seefeld liegen unter vielen Kellern noch Skelette.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Te Rasse am 18.08.2017 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Luzern

    War, ist und bleibt ein Friedhof!

  • luapsong am 15.08.2017 08:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da wo ich wohne gibt es auch noch einen alten Frie

    Wieso graben die nicht mal dort ? Dort wird nicht gebaut, würde also niemanden stören

    • Izzy Dee am 15.08.2017 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @luapsong

      Weil die Luzerner Archäologen wegen fehlendem Geld nur noch Notgrabungen durchführen können.

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  • Typhoeus am 15.08.2017 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso so viele auf einem Haufen?

    Pest, Glaubenssuizid, Massenmord oder Platzmankel? Die Gerichtsmedizin ist gefordeet.

  • Anna am 15.08.2017 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kirche und neben Kirche Friedhof

    Ich verstehe gar nicht, warum das eine Sensation ist? Früher war es ganz normal, dass die Friedhöfe um die Kirche herum waren. Unter jedem Platz um eine alte Kirche herum, befinden sich Gräber.

  • l'homme am 15.08.2017 01:52 Report Diesen Beitrag melden

    wo werden eigentlich

    all die +10'000enden von Kindern die jährlich getötet werden begraben die man in Müttern drin abgeschlachtet hat? Das sind schon 500'000 Kinder! Gibts auch Grabsteine für die kleinsten Toten?

    • Travelin am 15.08.2017 06:34 Report Diesen Beitrag melden

      @l'homme

      Grabsteine gibt es keine. Aber Professionelle Hilfe für sie, wenn sie zum einem Arzt gehen.

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