Staad SG

11. Oktober 2018 05:37; Akt: 11.10.2018 08:26 Print

«Aus Tod des Babys Profit zu schlagen, ist pervers»

Jasmina (1) wurde im August 2015 tot im Keller des Elternhauses gefunden. Die Eltern müssen sich dafür vor Gericht verantworten. Die Mutter bittet derweil um Spenden.

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Voraussichtlich Ende November dieses Jahres müssen sich Jessica T.* und Hanspeter H.* vor dem Kreisgericht Rorschach verantworten. Ihnen wird die vorsätzliche Tötung ihrer gemeinsamen Tochter Jasmina vorgeworfen. Die Einjährige wurde am 4. August 2015 tot im Keller eines Einfamilienhauses in Staad SG gefunden. Die Eltern wurden daraufhin verhaftet. Nach weniger als 50 Tagen wurden sie aus der U-Haft entlassen.


Hanspeter Krüsi von der Kantonspolizei St. Gallen zum Tötungsdelikt von Staad SG. (Video: M. Fischer/M. Temel)

Im Februar 2018 erhob die St. Galler Staatsanwaltschaft Anklage. Die beiden stehen im Verdacht, unter anderem aufgrund ihres Drogenkonsums ihre elterlichen Sorgfaltspflichten verletzt und die gemeinsame Tochter vernachlässigt zu haben. Die Vernachlässigungen sollen schliesslich zum Tod der Einjährigen geführt haben. Der Mutter drohen zehneinhalb Jahre Haft, dem Vater acht Jahre. Hinzu kommen unbedingte Geldstrafen.

Mutter sieht sich als Opfer

Schon bei Bekanntwerden der Anklage sagte T.s Anwältin gegenüber 20 Minuten: «Meine Mandantin hat ihr Kind sicherlich nicht getötet, schon gar nicht vorsätzlich.» Ihre Mandantin werde deshalb auf nicht schuldig plädieren.

Dass sich Jessica T. offenbar selbst als Opfer des Ganzen sieht, zeigt auch ein Spendenaufruf, den sie auf einer Plattform für persönliches Crowdfunding, private Spendenaktionen und Gemeinschaftskassen geschaltet hat. Darin schreibt sie, dass sie nach dem plötzlichen Kindstod ihrer Tochter an PTBS (Posttraumatischer Belastungsstörung) leide. Zudem habe sie eine Sozialphobie und akute Panikattacken. «Um diese in den Griff zu kriegen, wurde mir ein speziell ausgebildeter Hund ans Herz gelegt. Leider kann ich mir den Hund so nicht leisten und bin nun auf eure Hilfe angewiesen», heisst es im Aufruf. Insgesamt erhofft sie sich 3500 Euro.

Gerechte Strafe gefordert

Eine Bekannte der Familie findet für den Spendenaufruf deutliche Worte: «Unter aller Sau. Aus dem Tod des eigenen Babys noch Profit schlagen zu wollen, ist einfach nur pervers.» Eine Frechheit sei in ihren Augen auch, dass T. den Tod der Tochter als plötzlichen Kindstod darstellt. Das sei schlicht absurd. «Wäre das der Fall gewesen, hätte man doch direkt die Polizei verständigt», so die Frau.

Schon vor der Entdeckung der Leiche durch die Polizei war der Mutter von T. aufgefallen, dass etwas nicht stimme. Jasmina habe immer geschlafen, wenn man sie habe sehen wollen. Als eines der anderen Kinder von T. – insgesamt hat sie vier – in diesem Zeitraum bei der Mutter war, sollte sie im gleichen Zimmer schlafen wie Jasmina, das konnte sie aber nicht, weil es so fürchterlich stank. Danach habe die Mutter von T. die Kesb informiert. In der Folge kam das ganze Drama ans Licht.

Für 20 Minuten war Jessica T. nicht zu erreichen.

* Namen der Redaktion

(taw)