Horror-Crash

10. Oktober 2018 05:37; Akt: 10.10.2018 05:37 Print

Mit zerfetzter Niere fuhr er noch 20 Kilometer weit

Auf seinem Heimweg verunfallte der 17-jährige Damiano T. mit seinem Roller. Er wurde schwer verletzt. Trotzdem fuhr er nach Hause.

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Als Damiano T.* sich am Donnerstag von der Arbeit auf den Weg nach Hause machte, ahnte niemand, in welchem Zustand er dort ankommen würde. Auf der Strasse von Winterthur Richtung Elsau ZH wurde der 17-Jährige von einem schwarzen Wagen überholt. «Das Auto kam viel zu nahe», erzählt der Lehrling. Er verlor die Kontrolle über seinen Roller, geriet mit rund 50 Stundenkilometern gegen den Randstein, flog durch die Luft und prallte mit der Seite gegen einen Baum.

Waghalsige Fahrt

«Etwa zehn Minuten lang war alles weiss. Ich habe nichts mehr gesehen», erinnert sich der Logistiker am Dienstag. «Nach dem Aufprall konnte ich einige Minuten kaum atmen.» Trotz der besorgniserregenden Anzeichen setzte er sich wieder auf seinen Roller und fuhr die rund 20 Kilometer nach Felben-Wellhausen TG. «Ich wollte nur noch nach Hause», sagt er. Sein Bauch habe zwar stark geschmerzt, doch im Schock habe er nur sein Ziel vor Augen gehabt.

Daheim angekommen, habe er gehofft, die Schmerzen würden nachlassen, wenn er sich hinlege. Fehlanzeige: «Als es nicht besser wurde, habe ich meinen Vater angerufen.» Dieser habe ihn nach Frauenfeld in die Notaufnahme gefahren. «Bei der Fahrt im Auto hat jedes Holpern geschmerzt und mein Vater musste mich stützen, als wir ins Spital gingen», erzählt Damiano.

Niere musste entfernt werden

Er habe zwar einen Druck im Bauchbereich gespürt, wie fatal seine Situation war, habe er aber erst realisiert, als der Arzt ihm sagte, dass er innere Blutungen habe. «Direkt nach dem Unfall waren keine Verletzungen sichtbar», sagt Damiano. «Es war nicht mal blau.»

Zwei Tage lag der 17-Jährige auf der Intensivstation des Kantonsspitals. Nach Ultraschall, Röntgen und Computertomographie (CT) wurde er operiert. «Eine Niere wurde entfernt, sie war zerfetzt.» Sein Zimmer durfte er auch am Dienstag nicht verlassen. «Ich denke jeden Tag, dass ich Glück hatte. Ein paar Zentimeter weiter und es hätte meine Lunge erwischt.»

Nach dem Fahrer des schwarzen Wagens wurde auch am Dienstag noch gesucht. Die Polizei hat einen Zeugenaufruf erlassen. Damiano glaubt nicht, dass der Lenker Fahrerflucht begangen hat: «Er hat den Unfall wahrscheinlich gar nicht bemerkt», sagt er. Dennoch hofft er, noch vom Fahrer zu hören: «Eine Entschuldigung wäre schön», findet er.

*Name der Redaktion bekannt

(sav)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom C. am 10.10.2018 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Natur

    Ein Mix aus Schock und Adrenalin und der Körper leistet erstaunliches.

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  • guete morge am 10.10.2018 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rambo Style

    Hört sich an wie in einem Rambo Film. Harter Junge. Wünsche gute Besserung und nur das Beste.

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  • Walter Röhrl am 10.10.2018 06:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtung...

    jetzt kriegt der junge Mann sicher noch eine Anzeige wegen fahrens in nicht fahrfähigem Zustand! Würde mich nicht wundern! Trotzdem gute Besserung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 10.10.2018 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autolenker

    Leute welche nur Auto fahren haben selten eine wirklich ausgeprägte situation awarness. Anders sieht es bei Personen aus welche auch noch andere Kategorien von Fahr- oder Flugzeugen bewegen. Diese haben in der Regel viel eher ein gutes Bewusstsein für die Lage um sie herum. Deshalb ist es wirklich gut möglich dass der Autofahrer nichts mitbekommen hat.

  • anonym am 10.10.2018 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Waghalsiges Überholmanöver

    Dieser Beitrag ist sehr wichtig. Er zeigt die Folgen eines Verhaltens von vielen Autofahrern. Als täglicher Fahrradfahrer gehören solche waghalsigen Überholmanöver leider zum Tagesprogramm. Liebe Autofahrer nehmt doch einfach genügend Abstand! Ihr riskiert unser Leben mit sochen Aktionen. 5s Zeitersparniss im Verkehr sind kein Menschenleben wert! in diesem Zug bitte ich auch die Medien, die Allgemeinheit dafür zu sensibilisieren.

  • Matt am 10.10.2018 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch mal gemacht

    Ich habe das auch mal gemacht. Nach einem Sturz bin ich mit meinem Auto und zwei gebrochene Handgelenke nach Hause gefahren.

  • Trollino am 10.10.2018 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin mal mit...

    ...geschnetzelter Leber 30km von Bern nach Thun gefahren... war auch heftig. Aber die Leber schmeckte noch gut als ich angekommen war.

  • fredi gurtner am 10.10.2018 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    verunfallter Rollerfahrer

    Gute Besserung. unser Körper ist schon ein Wunderding. Unvorstellbar