St. Margrethen SG

07. Dezember 2017 05:55; Akt: 07.12.2017 09:09 Print

Hartnäckigster Salafist der Schweiz sucht das Weite

Emir Tahirovic hat seit Jahren Streit mit der Gemeinde St. Margrethen, weil er seine Kinder radikalislamisch erzieht. Jetzt hat er die Koffer gepackt.

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Ist umgezogen und hat Schulden: Emir Tahirovic, 42. (Bild: srf screenshot)

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Der «bockige Moslem», wie er oft genannt wurde, hat genug von St. Margrethen. Emir Tahirovic hat sich mit der Gemeinde einen jahrelangen Streit um Kopftuch, Schwimmunterricht und Skilager geliefert und wurde im Zuge dessen auch mehrfach verurteilt. Wie 20 Minuten weiss, ist der 42-Jährige vor Kurzem aus der Gemeinde weggezogen.

«Emir Tahirovic ist nicht mehr bei uns», bestätigt auf Anfrage auch Gemeindepräsident Reto Friedauer. Darüber dürfte er nicht unglücklich sein. Er sähe den selbsterklärten Salafisten am liebsten ausgeschafft, sagte er den Medien vor rund einem Jahr. Heute will Friedauer nichts Näheres zum Fall sagen, auch nicht, wohin sich der Bosnier abgemeldet hat.

Anhaltspunkte liefert ein Bekannter, der im Rheintal einen Imbiss betreibt: «Vor zwei Wochen war er bei mir und hat Essen geholt. Er sagte, er wolle nach Zürich ziehen, dort habe er Arbeit und eine Wohnung in Aussicht.» Ob Tahirovic seine Familie mitgenommen hat, bleibt unklar. «Sollte dem so sein, beweist das, dass politischer Druck eben doch hilft», so SVP-Kantonsrat Mike Egger. Der Rheintaler hatte schon früh gegen den Salafisten mobilisiert und ihn auch immer wieder kritisiert. «Es ist natürlich eine Erleichterung zu hören, dass er weggezogen ist.»

Zu Geldstrafe verurteilt

Weil Tahirovic seine Töchter weder zum Schwimmunterricht (auch nicht mit Burkini) noch ins Skilager liess, wurde er 2016 wegen Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht und Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen verurteilt. Es sah aus, als müsse der strenggläubige Muslim ins Gefängnis. Doch legte er Berufung ein und kam mit einer Geldstrafe davon. Ob und wie er sie bezahlte, blieb offen.

2013 ging seine damals 11-jährige Tochter erstmals mit Kopftuch zur Schule, was in St. Margrethen verboten war. Die Eltern wurden angezeigt und verurteilt, der Fall ging durch alle Instanzen. Vom Bundesgericht bekam der schweizweit bekannte Salafist 2015 zwar Recht. Doch der strenge Vater gab sich nicht zufrieden – und verbot seinen Töchtern auch Skilager und Schwimmen mit den Buben. Damit brachte er sogar Linke gegen sich auf. Integrationswillen oder Komprissbereitschaft zeigte er laut den Schulbehörden nie.

Droht ihm bald die Ausschaffung?

Mit Ausschaffung musste der 42-Jährige bisher nicht rechnen – zu gering war das Strafmass seiner Verurteilungen. Deshalb mobilisierten bereits 2015 mehrere SVP-Vertreter gegen ihn und sammelten Unterschriften. «Die Kantonsregierung soll ihm die Aufenthaltsbewilligung entziehen», forderten Kantonsrat Mike Egger und Nationalrat Lukas Reimann.

Selbst die CVP nahm den Fall im April 2016 zum Anlass, per Standesinitiative eine Verschärfung des Ausländergesetzes zu fordern. Das Geschäft ist zurzeit im Bundesparlament hängig. Kommt die Initiative durch, könnte der Familienvater wegen seiner Verfehlungen ausgewiesen werden.

Tahirovic war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

(tso )