Arbon TG

09. Oktober 2018 18:05; Akt: 09.10.2018 18:31 Print

Eltern vor Gericht wegen Schwänzens der Tochter

Nachdem sie ihre elfjährige Tochter wegen Panikattacken kurzfristig vom Skilager abgemeldet hatten, hat eine Thurgauer Schule ein Elternpaar angezeigt.

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Wie die «Thurgauer Zeitung» berichtet, musste das Ehepaar diese Woche vor dem Bezirksgericht Arbon erscheinen. Die ehemalige Spitzenathletin und der Sportseelsorger verzichteten auf einen Anwalt: Sie seien sich keiner Schuld bewusst.

Anders sahen das die Schulbehörde ihres Wohnorts und die Staatsanwaltschaft Bischofszell. Sie warfen dem Ehepaar vor, gegen das Volksschulgesetz verstossen zu haben. Grund: Im Januar 2016 hatten sie ihre damals elfjährige Tochter kurzfristig vom Skilager abgemeldet, nachdem diese eine Panikattacke hatte.

Geweint und gezittert

Per Strafbefehl wurde den Eltern eine Busse von je 450 Franken plus Verfahrensgebühren von je 300 Franken auferlegt. Dagegen haben sie Einsprache erhoben, weshalb es diese Woche zum Gerichtstermin kam. Die Vorwürfe gegen sie seien haltlos: Weder hätten sie sich von der Tochter um den Finger wickeln lassen, noch hätten sie zu spät das Gespräch mit der Schule gesucht. Schon gar nicht hätten sie das Ganze lange im Voraus geplant.

Im Gegenteil: Für sie sei selbstverständlich gewesen, dass die Tochter ins Lager fährt, so die Eltern. Doch am Vorabend sei das Kind von Panik ergriffen worden, es habe geweint und gezittert. Und auch am Tag der geplanten Abreise habe es sich nicht beruhigt: «Ich hätte sie mit körperlicher Gewalt zwingen müssen, in den Bus einzusteigen», wird die Mutter von der Zeitung zitiert. Sofort habe sie den Lehrer über den Vorfall informiert.

Gleiche Regeln für alle

Auch mit dem Schulleiter habe man Kontakt aufgenommen. Dieser habe nicht viel gesagt. Ab Dienstag besuchte die Tochter den Unterricht einer tieferen Klasse. Von der Schule hätten die Eltern in der Folge nichts mehr gehört und die Sache zunächst für erledigt gehalten. Sie täuschten sich. Als die Mutter einmal die Schulpräsidentin traf, habe ihr diese erklärt, die Sache werde ein Nachspiel haben.

Das Ehepaar glaubt, man wolle ein Exempel statuieren, nachdem es bereits im Herbst 2015 verwarnt worden war. Dies, nachdem es die Kinder am Tag vor den Ferien rund eine Stunde zu früh aus der Schule geholt hatte. Die Frau bezeichnet den damaligen Vorfall als «absolutes Missverständnis»: Sie habe die zuständigen Stellen informiert, doch habe ihr niemand gesagt, dass sie ein Gesuch hätte stellen müssen.

Die Eltern vermuten, die Schule wolle womöglich ein Zeichen setzen und zeigen, dass die Regeln für alle gälten – auch für sie, die in der Vergangenheit immer wieder in der Öffentlichkeit standen. Dabei würden sie für sich gar keine Sonderstellung beanspruchen, sagt die Mutter.

Schelte für die Schule

Das Bezirksgericht Arbon sprach das Ehepaar frei. Es hält die Aussagen des Ehepaars für glaubwürdig. Es sprach ihm zudem eine Umtriebsentschädigung von 500 Franken zu. In einer akuten Ausnahmesituation hätten die Eltern zum Wohl des Kindes gehandelt. «Sie haben nichts falsch gemacht», wird die vorsitzende Richterin zitiert.

Peinlich wird die Sache für die Schule. Ihr Verhalten taxiert das Gericht als befremdlich. Im entscheidenden Moment habe sie keine Hilfe angeboten, dafür dem Ehepaar nachträglich Vorwürfe gemacht. Und auch die Staatsanwaltschaft steht in der Kritik. Es sei nicht nachvollziehbar, dass weder die Angeschuldigten noch die Schulverantwortlichen befragt worden seien.

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Erich am 09.10.2018 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Endlich mal ein vernünftiger Gerichtsentscheid! Die Kosten sollen bitte auch der Schule belastet werden. Ich hoffe für das Mädchen, dass die Lehrkräfte ihre Niederlage nicht an den Kind auslassen.

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  • Andrea am 09.10.2018 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr engstirnig

    Bravo an die Eltern. Ich dachte zuerst sie seien mit ihrer Tochter in den Urlaub gefahren aber sie war ja in der Schule, in einer tieferen Klasse. Gut muss mein Kind nicht dort zur Schule.

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  • sa am 09.10.2018 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was gilt als Krank?

    Ein Armutszeugnis von der Schule und Lehrern! Hätte das Mädchen 39Grad Fieber, Lungenentzündung oder eine Verletzung, hätte es dennoch ins Lager müssen? Seelische Beschwerden werden immer noch als Lappalien betrachten, anno Mittelalter?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kevin am 10.10.2018 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Eltern

    Ich finde dass nicht gut. Die Eltern sollen das Kind loslassen, und alle Pflichten nach kommen. Eltern fragen sich immer, warum werden gewisse Kinder in der Schule geplagt. Weil gewisse Eltern sich zu viel einmischen ins Kinder Leben. Die Kinder haben so viel eigen Kreativität und sind Selbsttätig und kommen in ganz vielen Sachen alleine zu recht. Daher Liebe Eltern, die Kinder schaffen das auch ohne Mami und Papi. Loslassen.

  • GLC am 10.10.2018 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    elterliches recht

    nicht nur die eltern,auch die schule steht in der pflicht für das leibliche und seelische wohl zu sorgen.wenn die geschichte so stimmt muss abgeklärt werden warum das kind so reagiert hat!klassenlager gehören sowieso abgeschafft oder sollten zumindest fakultativ sein.kein kind sollte dazu gezwungen werden müssen!

  • Marc Rich am 10.10.2018 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Thur-Gau

    Ja im Osten weht ein eisiger Wind! Sibirien ist nicht weit weg von Thurgau, mit dem Unterschied, dass die Sprache schöner ist in Sibirien. Ein Wunder, dass das Kind nicht im Thurgauer Gulag landete! Was da wohl der Gauleiter des Thur-Gaus dazu meint?

  • GH am 10.10.2018 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertriebene Reaktion der Behörde

    Da hat die Schule sich komplett unverhältnismässig verhalten. Geht es da um einen Nachweis oder um ein Exempel der Behörde? Machtspiel? Gratulation den Eltern, würde mich in einem solchen Fall auch nicht schuldig fühlen.

  • lila am 10.10.2018 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    yes....

    ich arbeite jeden Monat hart, für die Privatschule unserer Kinder, es lohnt sich!!! Eltern wehrt euch....