Aussage verweigern

11. Januar 2018 18:27; Akt: 11.01.2018 18:47 Print

Anwalt rät Bauern zu Vorsicht gegenüber Polizei

Polizisten und Beamten mangele es an Landwirtschaftserfahrung. Deshalb sollten Bauern nach Unfällen besser schweigen, sagt ein Anwalt der Branche.

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Unfälle in der Landwirtschaft bringen der Polizei Mehrarbeit: Tübbach, 19.10.2017. Ein Anhänger mit 20 Tonnen verkeilt sich mit dem Traktor. Der 16-Jährige Fahrer bleibt unverletzt. Es wird untersucht, ob der Anhänger korrekt gekoppelt war. Wittenbach, 30.05.2017. Eine 70-Jährige auf Roller überholt den Traktor mit Güllenfass. Sie touchiert den Traktor und stürzt. Wittenbach, 15.02.2017. Ein Überholmanöver geht schief, der 30-Jährige Autofahrer kollidiert mit dem Traktor und wird ins Wiesenbord geschleudert. Der genaue Unfallhergang ist unklar. Altstätten, 23.08.2016. Eine Traktorfahrerin fährt mit einem drei-Tonnen-Anhänger auf eine abschüssige Wiese und verliert die Kontrolle. Es stellt sich heraus, dass der Anhänger ohne Bremswirkung war. Die Rega fliegt die Frau ins Spital. Mörschwil, 14.08.2016. Ein 15-Jähriger fährt auf einem Feldweg. Eine entgegenkommende Radfahrerin hält an, stürzt unglücklich. Ihr Fuss wird vom Ladewagen des Traktors überfahren. Sie musste in eine Klinik. Muolen, 11.07.2016. Ein Mann wird vom Traktor überollt und schwer verletzt. Er hatte den Motor gestartet, war aber neben dem Traktor gestanden. Er wollte einem Mechaniker ein technisches Problem zeigen. Lenggenwil, 06.05.2016. euine 54-Jährige gerät unter einen Traktor mit angehängtem Heuwender. Sie war dem Traktor nachgerannt, weil er nach dem Abstellen plötzlich davonrollte. Lütisburg, 18.11.2015. Ein 15-Jähriger Mofafahrer muss mit der Rega ins Spital geflogen werden. Er wird von einem Traktor frontal erfasst. Der 26-jährige Fahrer hatte ihn übersehen.

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Worauf sollten Landwirte achten, wenn sie in einen Unfall verwickelt sind und mit Polizei und Justiz in Kontakt kommen? Rechtsanwalt Stephan Stulz rät seinen Klienten aus der Landwirtschaft, mit detaillierten Ausführungen der Polizei gegenüber zurückhaltend zu sein oder im Zweifelsfall besser ganz zu schweigen.

«Die meisten Polizisten und Untersuchungsbeamten haben wenig praktische Erfahrung mit der Landtechnik, da diese Geräte und Maschinen sowie das Verhalten komplex ist und von vielen Faktoren abhängt», sagte Stulz im Rahmen der Generalversammlung des Verbands für Landtechnik St. Gallen, Appenzell und Glarus, vergangenen Samstag über die auch das «St. Galler Tagblatt» berichtete.

Verhängnisvolle Details

Manchmal sei für die Polizei der Fall schon klar und der Landwirt schuldig. «Technische Details können für den Polizisten oder Untersuchungsbeamten unverständlich sein. Oft werden diese dann grob zusammengefasst, und dies nicht immer zum Vorteil des Beschuldigten», so Stulz, selber Bauernsohn und gelernter Landmaschinenmechaniker.

Einer seiner Klienten habe zum Beispiel auf die Frage des Polizisten, ob sein Anhänger auch schon früher ins Schlingern geriet, einfach mit «Ja» geantwortet, ohne zu fragen, was mit Schlingern genau gemeint ist. «Der befragende Polizist notierte die Antwort und leitete sie an die Staatsanwaltschaft weiter. Dem Landwirt wurde dies zum Verhängnis, denn eigentlich wollte er nur ausdrücken, dass ein beladener Anhänger aufgrund der Federung bei Unebenheiten wippt.»

Bedeutende Mehrarbeit

Zwar seien die ersten Patrouillen am Unfallort nicht unbedingt Spezialisten, sagt Florian Schneider, Sprecher der St. Galler Kantonspolizei. «Wir haben aber viele Polizisten mit landwirtschaftlichem Hintergrund in unseren Reihen, die wir nötigenfalls zu Rate ziehen.» Ansonsten würden externe Fachleute beigezogen.

Das Schweigen von in Unfälle verwickelten Landwirten bringt laut Schneider jedoch oft bedeutende Mehrarbeit mit sich. Mario Christen, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, bestätigt: «Dies kann beispielsweise dazu führen, dass Fahrzeuge oder ganze Fahrzeugkombinationen sichergestellt, technische Gutachten eingeholt, Spurenauswertungen durchgeführt und weitere Auskunftspersonen befragt werden müssen.»

Auch Schweigende können verurteilt werden

Laut Roman Dobler, Mediensprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft, hat jeder Beschuldigte das Recht zu schweigen. Dass allfälliges fehlendes Wissen über Landmaschinen der Verfahrensleiter den Bauern zum Verhängnis werden kann, lässt auch Dobler nicht gelten: «Wir greifen in Fällen, die eine technische Expertise erfordern, auf Sachverständige aus der Landwirtschaft zurück», so der Mediensprecher.

Zwar erschwere das Schweigen eines Beschuldigten in manchen Fällen die Ermittlungen, aber die Staatsanwaltschaft könne sich mittels Sachverständigen, Spuren und Aussagen von Drittpersonen meist ein schlüssiges Bild machen. Allgemein gesagt sei Schweigen in keinem Verfahren zwingend von Vorteil für den Beschuldigten: «Es wurden auch Beschuldigte verurteilt, die durchs Band geschwiegen haben.» Dobler betont ausserdem, dass jeder Beschuldigte das Protokoll seiner Einvernahme zum Durchlesen erhält und dieses unterschreibt: «Missverständnisse und Unklarheiten können so ausgeräumt werden.»

(tso)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ludwig am 11.01.2018 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    alle

    Nicht nur Bauern. Der große Schweiger wurde einst gefragt, wo er seine Kunst erlernte. Da war er fast versucht, zu antworten. Doch dann besann er sich seiner Kunst.

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  • Leo65 am 11.01.2018 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jedem das seine...aber recht hat er der RA

    reden ist silber schweigen gold wert...gilt in allen bereichen.....auch lkw fahrer sollten den Rat zu herzen nehmen.

  • Strafverteidiger am 11.01.2018 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    VORSICHT !

    Vermutlich ist der Herr Kollege auf Klientensuche. Überlegtes Reden und das Zugeben von Fehlern wo nötig, kann ein sehr teures Gutachten eines Sachverständigen vermeiden. Die Verfahrenskosten werden einem zu recht Beschuldigten aufgebrummt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Servicemonteur am 16.01.2018 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Bei allen meinen Verkehrsunfällen habe

    ich erfolgreich geschwiegen. Denn sonst hätte ich mein Billet ständig abgeben müssen, das konnte ich mir nicht leisten weil ich das Auto für die Arbeit brauche!

  • Schnäpfe am 14.01.2018 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Protokoll verlangen

    Vorsicht, ja! Hatte vor langer Zeit mal einen Unfall mit Blechschaden. Der Polizist hat meine Aussage auch total anders in den Rapport aufgenommen und den Hergang zu meinen Ungunsten beschrieben. Konnte nachher auch mit Rechtsschutz nichts mehr ausrichten. Tipp: wenn schon die Polizei kommen muss, ein am Unfallort erstelltes Protokoll verlangen, das alle Beteiligten und Zeugen unterzeichnen!

  • Mister T am 13.01.2018 00:23 Report Diesen Beitrag melden

    The Law

    Alles was sie sagen kann und wird vor Gericht gegen sie verwendet werden. Diese Satz sagt alles aus denn es kann nicht nur verwendet werden es wird ganz sicher verwendet und das zu Ungunsten des Angeklagten.

  • Schweigen der Lämmer am 13.01.2018 00:18 Report Diesen Beitrag melden

    Nur das nötigste

    Ich sage schon lange nichts mehr, ich wiederhole nur meinen Namen, Wohnort und Geburtsdatum mehr nicht.

  • Eine Q am 13.01.2018 00:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oh je!

    Da wird wider eimal gewettert und gegen die Landwirte getobt. Neben bei ist zu lese, dass bei einer Kontrolle auf der A1 jeder 10te nicht fahrtüchtig ist!