Balzers (FL)

27. März 2017 16:52; Akt: 27.03.2017 16:52 Print

Massentötung von Bibern – WWF geschockt

Umweltorganisationen protestieren gegen das Töten von Bibern in Liechtenstein. Das Land sieht Handlungsbedarf, jedoch keine Eile.

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«In Liechtenstein wurden in den letzten Jahren insgesamt rund zwei Dutzend Biber teils gefangen und getö-
tet, teils direkt erschossen», empören sich die Umweltorganisationen WWF St. Gallen und Pro Natura St. Gallen-Appenzell in einer gemeinsam verfassten Medienmittelung am Montag.

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Allein dieses Jahr seien schon fünf Tiere getötet worden, letztes Jahr vier. «Dieses Vorgehen kommt schon fast an eine Massentötung heran.»

Schäden an Schutzdämmen

Das sei störend, zumal Liechtenstein die Berner Konvention unterzeichnet habe, welche die Tötung von geschützten Tieren, und dazu gehört der Biber, nur in Ausnahmefällen erlaubt.

«Bei der Liquidierung von so vielen Bibern kann nicht mehr von Ausnahmefällen, sondern muss von einer neuen Regel gesprochen
werden. Liechtenstein hat es bisher versäumt, ein Biberkonzept auf die Beine zu stellen», so die Umweltverbände.

Schutzmassnahmen kosten viel Geld

Zudem sei man in Liechtenstein wohl nicht gewillt, Geld für schützende Massnahmen in die Hand zu nehmen: «Man hätte mit baulichen Massnahmen die Schutzwälle längst so befestigen
können, dass die Tiere keine Schäden mehr anrichten können. Diese Befestigungen kosten Geld, doch diese sind für ein mitteleuropäisches Land absolut zumutbar.» Laut «Liechtensteiner Vaterland» würde es rund fünf Millionen Franken kosten, die Hochwasserschutzanlagen bibersicher zu machen.

Claudia Friedl, Biologin und Vorstandsmitglied des WWF St. Gallen und SP-Nationalrätin, stösst sich daran, dass Biber sich im Rheintal ausbreiten, bei Grenzübertritt nach Liechtenstein aber getötet werden.

«Was Liechtenstein macht, ist einfach der billigste Weg.» Ein Zusammenleben von Mensch und Biber müsse möglich sein, der Biber sei ein geschütztes Tier. «Mit geeigneten Massnahmen ist es möglich, Infrastrukturen vor Biberschäden zu schützen.» Einen politischen Vorstoss plane die Nationalrätin nicht. «Ich hoffe, dass Liechtenstein einsichtig wird.»

Liechtenstein sieht Konvention nicht verletzt

Das Land Liechtenstein nimmt zu den Vorwürfen nur schriftlich Stellung: Es werde derzeit darüber diskutiert, wie die Gelder für bauliche Massnahmen optimal eingesetzt werden können. «Hierzu gehen die Meinungen zwischen den Verantwortlichen des Amtes für Bevölkerungsschutz einerseits und den Naturschutzorganisationen andererseits sehr weit auseinander», teilt das Ministerium für Infrastruktur und Umwelt mit. «Der Vorwurf, der Abschuss erfolge allein deshalb, weil es billiger sei, ist somit verfehlt, und damit auch die Aussage hinsichtlich eines unethischen Umgangs mit der Natur.»

Einen Verstoss gegen die Berner Konvention sieht man in Liechtenstein nicht: «Die Konvention lässt Eingriffe in Populationen geschützter Arten aus Sicherheitsgründen zu.» Und genau darum gehe es im Fall des Bibers.

(jeb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tristan72 am 27.03.2017 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Liechtensteiner.....

    Unssr Land ( FL ) nimmt Millionen an Steuern ein, von Banken und Treuhänder, die Schwarzgeld verwalten, dann sollte das bisschen Steuergeld für die Biber vorhanden sein!! Das Land Liechtenstein soll sich schämen für dies Aktion!! Gruss von einem Liechtensteiner

    einklappen einklappen
  • Rainer am 27.03.2017 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Biber unterbinden

    In Deutschland werden die Biber in Fallen gefangen,Sterilisiert und wieder freigelassen.

  • Marco S am 27.03.2017 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Biber oder Mensch?

    Der Schutz muss gewährleistet werden. Im Reusstal lichtet sich die Flussläufe von Jahr zu Jahr. Da die Bäume nicht so schnell wachsen können wie sie gerodet werden, ist der Schutz bald nicht mehr gewährleistet.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Panzer am 28.03.2017 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Natur

    Es fehlt einfach der natürliche Feind des Bibers, das Leistenkrokodil. Also bitte sofort handeln und diese seltenen Tiere hier ansiedeln. Wir können nicht warten, bis die Klimaerwärmung das übernimmt.

  • Florian am 28.03.2017 07:17 Report Diesen Beitrag melden

    Sankt Florian!!!

    Ich habe kein eigenes Land und schon gar nicht eigene Bäume!! Also stören mich die Schäden von herzigen Biebern wenig. Die sind allerdings massiv und wie gesagt ein Baum der in einer Nacht gefällt wird wächst 10 und mehr Jahre.

  • Lidel Liechtenstein am 28.03.2017 02:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Caran d'Ache

    könnte die Biber einstellen um Buntstifte zu spitzen, denn genauso sehen vom Biber heimgesuchte Bäume aus. Letzens gesehen an der Schweizerstrasse Hohenems- Dornbirn. Daneben ca. 30 Störche im Moorfeld. Das Gebiet da ist vermutlich Naturschutzgebiet und sehr schön anzusehen, dies benötigt Platz, das Ländle( FL) ist jedoch zu klein um solche Naturflächen zu erhalten, deshalb sollte die Dame vom WWF den Liechtensteiner mehr Verständnis und eine Annehmbare Lösung vorschlagen. Man könnte die Biber evt. umsiedeln, da wo sie erwünscht oder willkommen sind.

  • Pff am 27.03.2017 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieses Jahr 5

    Letztes Jahr 4, kommt schon fast einer Massentötung gleich? Und dann wollt ihr noch ernst genommen werden....

  • Wakka am 27.03.2017 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fünf Millionen Franken

    Und die Bieber könnten in ruhe gelassen werde , kein Geld da? Da wo jeder 3te Millionär ist?