Kristallhöhlenmord

29. November 2017 05:45; Akt: 29.11.2017 07:36 Print

Wurden die Mädchen nach einem Unfall beseitigt?

von Urs Ellenberger - Die Aussagen eines Garagisten-Ehepaars werfen ein neues Licht auf den ungelösten Kristallhöhlenmord. Wurden die Opfer nach einem Verkehrsunfall weggeschafft?

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«Hätte man das damals gewusst, wäre der Fall wahrscheinlich gelöst», sagt ein ehemaliger Beamter, der an den Ermittlungen zum Kristallhöhlenmord beteiligt war.

Grund für diese Einschätzung sind Recherchen von 20 Minuten und einem Privatermittler, die ein neues Licht auf die Ereignisse rund um das Verschwinden von Brigitte Meier (†17) und Karin Gattiker (†15) werfen. Die beiden Mädchen wurden am 31. Juli 1982, einem Samstag, an einer Kreuzung unweit der Kristallhöhle in Oberriet SG letztmals lebend gesehen: Das Auto einer einheimischen Familie musste den beiden ausweichen, weil sie so ungünstig auf der Strasse standen.

Zwei Tage nach Unfall in der Werkstatt

Wurden die Mädchen wenig später von einem anderen Fahrzeug erfasst? Fakt ist: Etwa zur selben Zeit war ein Mann aus der Gegend mit einem silbergrauen Mercedes samt Pferdeanhänger auf der Strasse unterwegs. Der Einheimische sollte später einer der Hauptverdächtigen sein, auch deshalb, weil zwei Monate später die Leichen der beiden Mädchen oberhalb seines Anwesens nahe der Kristallhöhle entdeckt wurden. Aufgrund der starken Verwesung konnten weder der Todeszeitpunkt noch -ursache ermittelt werden. Wie allen anderen Verdächtigen konnte auch dem Mann nie eine Tatbeteiligung nachgewiesen werden.

Doch nun sagen die ehemaligen Inhaber einer Carosserie-Werkstatt im Unterrheintal aus, der Mann habe nur zwei Tage nach dem Verschwinden der Mädchen, einen beschädigten silbergrauen Mercedes 230 E bei ihnen abgegeben. «Der Vorgang war sehr aussergewöhnlich», sagt die ehemalige Inhaberin, «deshalb erinnere ich mich an jedes Detail.» Man habe den Mann damals recht gut gekannt und sei auch privat miteinander verkehrt. Doch dieser habe kein Wort darüber verloren, was mit dem Wagen geschehen sei. «Er sagte nur, dass es pressiert, dass er den Wagen geliehen habe und dass er ihn schnell zurückgeben müsse», so die Frau. 1960 Franken kostete die Reparatur, nach zwei Tagen sei der Wagen weggewesen.

Delle oder Kratzer?

Von 20 Minuten auf den Vorgang angesprochen, gab sich der Mercedes-Fahrer am Dienstag zunächst ahnungslos. Eine Viertelstunde später rief er zurück, er könne sich nun doch erinnern, in der fraglichen Werkstatt einen Mercedes abgegeben zu haben. Es sei ein Parkschaden gewesen, sagte er nun, ein Unbekannter habe ihm mit seinem Auto die ganze Türe auf der einen Seite eingedrückt. Diese habe wohl ausgewechselt werden müssen.

Ganz anders die Darstellung der beiden Garagisten: Der Mercedes sei auf beiden Seiten von der Schwelle bis zur mittleren Zierleiste zerkratzt gewesen, als sei er von der Strasse abgekommen und in ein Gebüsch geraten. Dellen habe es praktisch keine gegeben. Die Polizei erfuhr nie von der Reparatur.

Mercedes nicht mehr auffindbar

Kann es sein, dass der Mercedes beim Ausweichen ins Schlingern geraten ist und der Pferdeanhänger die Mädchen erfasst hat? Der Mann bezeichnet solche Spekulationen als «hirnwütig»: Er habe nichts mit dem Verschwinden der Mädchen zu tun, nie habe man ihm auch nur das Geringste nachweisen können. Den Mercedes habe seine Frau bei einem Wettbewerb gewonnen, man habe ihn eine Weile probefahren können und ihn dann kaufen oder zurückgeben müssen. Man habe ihn zurückgegeben. Die entsprechenden Unterlagen habe er nicht mehr. 1985 dann, als der Mann vollends ins Zentrum der Ermittlungen geraten war, war der Mercedes nicht mehr auffindbar.

Bleibt die Frage, warum die Garagisten damals nicht die Polizei verständigten. Sie hätten zu jener Zeit keinen Zusammenhang zwischen der Reparatur und dem Kristallhöhlenmord gesehen, sagen sie. In den Medien sei damals vor allem über ein Sexualdelikt spekuliert worden, und für so etwas komme der Mann nicht in Frage.

Der Fall ist mittlerweile verjährt. Niemand wird je auf gerichtlichem Weg für den Tod von Brigitte Meier und Karin Gattiker belangt.

So berichtete «Aktenzeichen XY ungelöst» über den Fall.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • CB am 29.11.2017 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unverständlich

    Es ist eine Schande das Mord verjährt.Mord verjährt nie... Das gibts nur in der Schweiz

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  • Schülerin am 29.11.2017 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verjährung

    Ich kann und will nicht verstehen warum Mord und Totschlag verjähren können. In den USA kommt Jahrzehnte nach falschen Verurteilungen doch noch die Wahrheit ans Licht. Und was wenn jetzt in 10 Jahren der Täter sein Gewissen bereinigen will? Dann weiß niemand mehr davon. Mord und Totschlag, das darf einfach nicht aus den Akten verschwinden.

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  • Nick am 29.11.2017 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Beileid

    Für die Eltern der beiden Mädchen verjährt der gewaltsame Tod nicht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • A.Erger am 29.11.2017 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Motion Heer

    An Don Vito Corleone, betreffend Motion Heer, Aufhebung der Verjährungsfrist: Für die Motion Heer wurde vom Bundesrates am 04.05.16 Ablehnung beantragt und in der Herbstsession 2017 wurde die Motion am 20.09.17 durch den Nationalrat mit 117 zu 67 Stimmen abgelehnt.

  • Illumination am 29.11.2017 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Täter/Komplizen wahrscheinlicher

    Diese Unfall-Thesen halte ich für abenteuerlich - mal abgesehen davon, dass der Besitzer/Fahrer dieses Mercedes ja bereits in anderem Zusammenhang zum Verdächtigen-Kreis gehörte, aber auch für Profiler als Täter ausschied.. Fundort ist nach wie vor massgebend - der Täter muss das Gelände in- und auswendig gekannt haben, absoluter Höhlenkenner gewesen sein, Kletterer mit Kletterwerkzeug/Seil vertraut (K.G. ist höchst raffiniert versteckt worden).. Deshalb ist für Profiler auch ein bestimmter Höhlenführer "im Visier" - Tatverlauf nach wie vor rätselhaft, auch ob Mörder/Verstecker identisch sind.

    • Enza am 29.11.2017 19:05 Report Diesen Beitrag melden

      .......

      Meines Wissens wurden sie nicht in der Höhle gefunden, sondern ausserhalb unterhalb der Höhle.

    • Illumination am 29.11.2017 19:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Enza

      K.G wurde 50 m (->von B.M. entfernt) in einer Felshöhle entdeckt (Untersuchungs-Bericht) - also nicht zwingend in der "Haupthöhle"...

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  • Claudia am 29.11.2017 14:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brüche

    Hatten die Leichen Brüche ? Falls es einen Wander Unfall war oder tatsächlich einen Autounfall müssten die Leichen Brüche gehabt haben ....

  • Leserin am 29.11.2017 14:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kriminalroman

    Auch Peter Beutler hat dieses Geschehnis zum Thema gemacht in einem seiner Kriminalromane (Kristallhöhle)...

    • Aufpassen am 29.11.2017 15:59 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht vergessen

      So steht in Nachwort geschrieben; Das in diesem Buch Erzählte IST fiktiv, doch es KÖNNTE wahr sein.

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  • Frank am 29.11.2017 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einfach unfassbar

    Ich stimme dem Tenor zu. Es kann und darf nicht sein, das Totschlag oder gar Mord verjähren kann. Die Opfer sind ja noch immer tot. Die Eltern leiden noch heute darunter. Auch das die Spuren vernichtet werden, bei einem nicht gelösten Fall, ist mir unverständlich. Ein Mörder sollte NIEMALS das Gefühl haben, das er jetzt sicher vor seiner Strafe ist.