Bazenheid SG

01. Oktober 2017 18:25; Akt: 01.10.2017 21:05 Print

Wirtin bedient keine «Neger» – Polizei ermittelt

Nach Rassismusvorwürfen gegen ein Wirtepaar in Bazenheid SG gehen im Dorf die Emotionen hoch. Jetzt hat sich die Polizei eingeschaltet.

Augenschein in Bazenheid am Sonntag, 1. Oktober.
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«Wir bedienen hier keine Neger», soll die Wirtin im Restaurant Traube gesagt haben, als Jonas Brunschwiler mit einer Gruppe Asylsuchender das Lokal betrat. Es war der 23. Juni 2017. Brunschweiler hatte als Zivi mit den Flüchtlingen in der Gegend invasive Pflanzen vernichtet, als sich die Männer in der Traube ein Feierabendbier gönnen wollten. Die Gruppe bestand vorwiegend aus äthiopischen Flüchtlingen.

Doch aus dem Bier wurde nichts, wie das «St.Galler Tagblatt» berichtete. Der Englisch- und Philosophie-Student Brunschwiler kann es noch heute kaum glauben: «Das Verhalten der Wirtsleute ist in jeder Hinsicht unverständlich.» Abgesehen vom Menschlichen komme auch das Wirtschaftliche zu kurz: «Wir hätten ja gerne bezahlt.»

«Gehe nicht mehr hin»

Noch ein weiterer merkwürdiger Vorfall wurde publik: Anfang August wollte die örtliche SP den Saal der Traube für eine Podiumsdiskussion mieten. «Wir hatten immer wieder Veranstaltungen dort», sagt Stefan Diener, Präsident der SP-Sektion Alttoggenburg. Doch als er angefragt habe, hätten ihm die Wirtsleute zu verstehen gegeben, dass man keine politischen Veranstaltungen mehr wünsche – es sei denn für «Leute in Springerstiefeln.» Diener: «Ich traute meinen Ohren nicht.» Er und die Partei würden die Traube bis auf weiteres meiden.

Genau das wolle das Wirtepaar erreichen, glaubt ein Gast in der Bazeheider Silbermine-Bar: «Ich denke, dass solche Aussagen bei vielen Gästen der Traube gut ankommen.» Sein Kollege hingegen will Konsequenzen ziehen: «Das ist rassistisch», sagt er. «Nach dieser Geschichte werde ich die Traube bestimmt nicht mehr aufsuchen.»

Polizei will Beteiligte befragen

Das Wirtepaar der Traube war am Sonntag für 20 Minuten nicht zu sprechen. Gegenüber dem «Tagblatt» will sich der Wirt nicht an die besagten Vorfälle erinnern. Inhaberin der Traube ist eine Erbengemeinschaft. Dort zeigte man sich am Wochenende überrascht von den negativen Schlagzeilen. Handeln wolle man vorerst aber nicht, wie einer der Miteigentümer sagt: «Zuerst muss sich zeigen, was wirklich an der Geschichte dran ist.»

Das will auch die Kantonspolizei St. Gallen wissen. Wie Sprecher Hanspeter Krüsi gegenüber dem «Blick» sagt, habe man aus den Medien von den Vorwürfen erfahren und werde nun Ermittlungen zuhanden der Staatsanwaltschaft aufnehmen und alle Beteiligten befragen. Diese soll dann über den Fall entscheiden.

(eli/viv)