Einladung via Social Media

14. November 2017 05:46; Akt: 14.11.2017 10:38 Print

Home-Party eskaliert – Elternhaus total verwüstet

Während seine Eltern in den Ferien waren, lud ein heute 18-Jähriger zu einer wilden Feier ein. Über 100 folgten dem Ruf. Nach einem erneuten Aufruf steht er nun vor Gericht.

storybild

Die Verhandlung findet im Rathaus Altstätten statt. (Bild: altstaetten.ch)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wie lässt sich der Umstand, dass man sturmfrei hat, besser feiern als mit einer Party? Das dachte sich wohl auch ein damals 16-jähriger St. Galler. Als seine Eltern 2015 in den Ferien waren und er alleine zu Hause blieb, lud er deshalb über die sozialen Medien zu einer grossen Party ein. Über 100 Besucher folgten dem Ruf. Das Haus wurde geflutet und verwüstet, wie es in der Anklageschrift heisst.

Als die Eltern und Geschwister ein Jahr darauf wieder in die Ferien gingen, wollte der Jugendliche erneut nicht mit. Die Eltern verboten ihm, während dieser Zeit alleine im Haus zu bleiben. Doch schon kurz nach der Abreise schlug er ein WC-Fenster ein und gelangte so ins Haus. Er stahl seinem Bruder Geld und versandte erneut eine Party-Einladung an seine Freunde. «Die Wiederholung dieses, wie die Eltern geglaubt hatten, einmaligen Fehltrittes belastete die Beziehung zum Sohn schwer», heisst es in der Anklageschrift.

Eltern erstatten Anzeige

Die Eltern machten sich zudem grosse Sorgen, dass ihr Sohn nebst den normalen pubertären Problemen auch ein schwerwiegendes Drogenproblem haben könnte. In der Anklageschrift steht dazu: «Ein Verdacht, der durch zahlreiche Meldungen über nicht beglichene Geldschulden aus seinem Kollegenkreis noch besonders genährt wurde.» Ab November 2015 soll der Jugendliche diverse Drogen konsumiert haben. Um seine Sucht zu finanzieren, habe er sie später auch verkauft. Abnehmer waren seine Kollegen. Nach dem Einbruch ins Elternhaus zeigten seine Eltern ihn schliesslich an.

Am Mittwoch muss sich der Jugendliche nun vor dem Kreisgericht Rheintal wegen Vergehen und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes, Diebstahl und Sachbeschädigung verantworten. Die Jugendanwaltschaft beantragt als Strafe die Schutzmassnahme der Unterbringung gemäss Art. 15 des Jugendstrafrechts (siehe Box). Seit Ende Oktober 2017 ist er bereits in einer solchen Institution untergebracht. Zudem soll er für die Delikte mit einer Freiheitsstrafe von zehn Tagen bestraft werden, diese wird für die Dauer der Unterbringung aufgeschoben. Bei ordentlichem Abschluss der Massnahmen wird die Strafe nicht vollzogen.

Strafe zu mild?

Das strafrechtliche Verfahren bei Jugendlichen ist in der Schweiz grundsätzlich nicht öffentlich. Eine öffentliche Verhandlung wird nur in Ausnahmefällen angeordnet. «Die Idee dahinter ist, die Jugendlichen besser zu schützen», sagt Regula Stöckli, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft St. Gallen. Zum einen, weil sie das ganze Leben ja noch vor sich haben und sie durch eine öffentliche Verhandlung zu sehr an den Pranger gestellt werden könnten, aber auch, weil eine öffentliche Verhandlung zu sehr belasten könnte.

Dem Vorwurf, dass jugendliche Straftäter oft viel zu milde angefasst werden, entgegnet Stöckli: «Im Jugendstrafrecht gilt ein anderer Ansatz als bei Erwachsenen. Hier ist der präventive Aspekt viel wichtiger.» Die Jugendlichen sollen ihr Verhalten ändern, um später nicht erneut straffällig zu werden. Da helfe es mitunter mehr, bei einer Therapie anzusetzen, um die Ursachen der strafbaren Handlungen zu untersuchen, als einfach nur zu bestrafen. «Und so milde ist das mitunter gar nicht. Immerhin ist es möglich, Jugendliche bis zum 25 Lebensjahr in einer Institution unterzubringen. Das kann ziemlich lang sein», so Stöckli.

(taw)