Abgebrochene Kanülen und Rost

13. Januar 2018 12:12; Akt: 13.01.2018 16:48 Print

Schweizer Spitäler kauften kaputte Ware ein

Drei Kliniken erhielten Bussen. Sie unterliessen es, fehlerhafte Produkte den Behörden zu melden.

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Einkaufsverantwortliche des Universitätsspitals Zürich, des Universitätsspital Basel und das Kantonsspitals St. Gallen beschwerten sich bei der Swsi Medical AG über mangelhafte Ware. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Über Jahre bezogen das Universitätsspital Zürich, das Universitätsspital Basel und das Kantonsspital St. Gallen bei einer Firma zum Teil grob fehlerhafte Medizinprodukte. So tropfte aus einer Kanüle zum Absaugen von Blut Rost. Nasensauger waren verbogen. In einem anderen Fall brach bei einem operativen Eingriff der hintere Teil einer Kanüle ab, wie aus Recherchen des «Tages-Anzeigers» hervorgeht

Die Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic eröffnete Anfang 2017 gegen die drei Spitäler Strafverfahren. Im Juli wurden sie zudem mit einer Busse von 5000 Franken bestraft. Laut Swissmedic haben die Kliniken ihre Meldepflicht «auf schwerwiegende Weise» verletzt, da sie die Missstände den Behörden nicht meldeten.

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Produkte aus Pakistan

2011 informierte ein anonymer Verfasser die Behörde, die Firma Swsi Medical AG vertreibe im Kanton Zug Medizinprodukte, die aus Pakistan stammten. Diese würden lediglich in einer Geschirrspülmaschine gewaschen und mit einer Luftdruckmaschine aufgeblasen. Swissmedic eröffnete darauf ein Verwaltungsstrafverfahren gegen zwei Swsi-Verantwortliche. Das Verfahren läuft noch.

Eine Hausdurchsuchung zeigte, dass die Firma die drei Kliniken seit Jahren belieferte. Swissmedic stiess auf gegen ein Dutzend E-Mails, in denen sie sich bei der Firma über fehlerhafte Produkte beklagten. Trotz gesetzlicher Verpflichtung unterliessen die Kliniken die Information an die Behörden.

«Die Ware ist verbogen, rostig»

Am 10. Oktober 2013 schrieb ein Einkaufsverantwortlicher des Kantonsspitals St. Gallen, über Kanülen: «Es befindet sich Rost auf diesen Instrumenten.» Einen Monat später: «Die Ware ist verbogen, rostig, und der Durchmesser stimmt nicht mit dem vorherigen Modell überein. Kurz: inakzeptabel.» Später meldeten die St. Galler der Firma falsch beschriftete Packungen und solche, aus denen Rost tropfte.

Eine Angestellte der Neurochirurgie des Unispitals Zürich beklagte sich bei der Firma im März 2013 über Saugkanülen. «Während des Eingriffs ist der hintere Teil abgebrochen.» Zudem bemängelte eine leitende Ärztin im August 2013 schnell verstopfende Sauger, weil sich Bluttropfen bildeten. Auch seien sie an einer bestimmten Stelle «teilweise scharf, das kann unter Umständen gefährlich für den Patienten sein». Weiter zeigten Saugkanülen manchmal Rückstände wie Metallsplitter. Auch in einer E-Mail des Unispital Basels ist von 245 verunreinigten Kanülen die Rede.

Spitäler stehen zu Fehlverhalten

Die Swsi AG befindet sich mittlerweile in Liquidation. Sie hätten auf Beanstandungen immer sofort reagiert und die Ursache abgeklärt, verteidigt sich ein ehemaliger Verwaltungsrat der Firma. «Ansonsten hatten wir von den Spitälern immer gute Rückmeldungen.» Gegen den ehemaligen Geschäftsführer läuft im Kanton Solothurn seit zwei Jahren ein Strafverfahren. Er soll mit Komplizen eine reiche Erbin um 4,5 Millionen Franken gebracht haben.

Die Spitäler streiten das Fehlverhalten nicht ab. Die Rückmeldungen an die Firma zeigten aber, dass die Mitarbeitenden nach der Entdeckung der schadhaften Medizinprodukte die Situation sehr ernst genommen hätten, so etwa das St. Galler Kantonsspital. Die betroffenen Medizinprodukte seien aus dem Materiallager entfernt und nicht mehr eingesetzt worden. Auch das Unispital Basel schreibt, die schadhaften Kanülen nie an Patienten angewendet zu haben. Die Spitäler berichten, das Personal verstärkt dafür zu sensibilisieren. So hätten im Unispital Basel die Meldungen an Swissmedic in jüngster Zeit stark zugenommen.

(bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fredi Zug am 13.01.2018 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ein Witz

    Firma geht Konkurs und es wird eine neue eröffnet und der Spass beginnt von vorne.

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  • Eisblume am 13.01.2018 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja...

    ...da fragt man sich, was für unfähige Leute in Spitälern dafür zuständig sind solchen Schrott einzukaufen. Eine Schande...

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  • Ein Leser am 13.01.2018 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts...

    ... wenn man im Spital noch kränker wird als vorher

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Irma am 14.01.2018 23:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Spitäler kaufen kaputte Wäre ein

    Schaut die Einkaufsabteilungen und ihre Führungen genau an! Die wandern von einem Spital zum Nächsten und das Vorgehen und die Auswahl der Lieferanten bleibt gleich.

  • Zaludna Mara am 14.01.2018 22:41 Report Diesen Beitrag melden

    Folgen

    Einfach unglaublich. Schweiz geht unmerklich aber sicher berg ab, scheint es mir. Konsequente Disziplin, Ethik, hohe Normen...alles Vergangenheit?

  • A.Furrer am 14.01.2018 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Zahnärzte

    Und die Zahnärzte, was haben die für Bohrer? Abgestumpfte ? Wo wird sonst noch gespart? Bei den Füllungen? Ein Computer sollte die Wahl überprüfen.

  • Nick am 14.01.2018 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Packichdann

    Das Packichdann gar nicht. Das überhaupt so was vorkommt. Ich finde solche Geschäftspraktiken schon Kriminell. Geiz und Rendite auf kosten anderer Mitmenschen. Schämt euch!!!!!

  • Prämienzahler am 14.01.2018 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Sparwut und die Folgen

    Der politische Kostendruck im Gesundheitswesen ist enorm. Wenn sich das Sparen allerdings in solchen Schlampereien mit Vertuschen von Systemversagen oder auf dem Buckel von Patienten manifestiert, wird die Geduld der Prämienzahler und Stakeholder am Gesundheitswesen überstrapaziert.