Leistungsdruck

13. Oktober 2017 11:57; Akt: 13.10.2017 11:57 Print

Schon 11-Jährige leiden an Stress und Schlaflosigkeit

Bereits Kinder leiden zunehmend unter Stresssymptomen. Schuld sind laut Pro Juventute auch Eltern, die die Freizeit ihrer Kinder verplanen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

29,5 Prozent der Jugendlichen, die sich beim Sorgentelefon 147 von Pro Juventute melden, haben im ersten Halbjahr 2017 Hilfe wegen «schwerwiegenden persönlichen Problemen» gesucht. 2010 waren es noch 12,1 Prozent.

«Bereits Kinder und Jugendliche leiden zunehmend unter Stress», erklärt Pro Juventute das «wachsende Problem». Vergleichbare Studien zeichneten ein ähnliches Bild: Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation bei Schweizer Schulkindern leiden 27 Prozent der elfjährigen Schulkinder an Schlafproblemen, einem typischen Stresssymptom. 15 Prozent klagten über Niedergeschlagenheit.

Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Depression

«Hält der Druck über längere Zeit an, können Symptome wie Kopf- und Bauchschmerzen oder Schlaflosigkeit chronisch werden und zu depressiven Verstimmungen oder gar
Suizidgedanken führen», erklärt Pro Juventute. Die Organisation lanciert deshalb die Kampagne «Weniger Druck, mehr Kind».

Ansetzen will Pro Juventute dabei in einem ersten Schritt bei den Eltern. «Rund 90 Prozent der Kinder, die sich gestresst und überfordert fühlen, beklagen sich darüber, dass sie über zu wenig Freizeit, insbesondere über zu wenig selbstbestimmte Zeit verfügen», heisst es in der Kampagnenbroschüre. Laut Pro Juventute ist die Angst um die berufliche Zukunft der treibende Faktor für Stress bei Kindern und Jugendlichen.

Die Freizeit vieler Kinder ist von den Eltern verplant

«Viele Eltern möchten ihre Kinder bereits früh auf die Anforderungen der Leistungsgesellschaft vorbereiten und ihnen möglichst alle Optionen offenhalten», erklärt Katja Wiesendanger, Direktorin der Pro Juventute. «In der Absicht, nur das Beste für ihr Kind zu wollen, verplanen Eltern oft die Freizeit ihrer Kinder. Denn sie finden, auch die Hobbys müssten zielführend sein.»

Das freie Spiel komme dabei je länger je mehr zu kurz. Laut Pro Juventute ein Fehler: «Durch das freie Spiel eignen sich Kinder aus eigener Motivation wertvolle Kompetenzen an, wie zum Beispiel den Umgang mit anderen Kindern und mit Konflikten.»

«Jugendliche stressen sich vor allem selber»

In der Pflicht sieht die Jugendorganisation aber auch die Schule sowie die Jugendlichen selbst. «Viele Jugendliche haben die
Werte der Leistungsgesellschaft aufgenommen – sie stressen sich vor allem selber, haben eine ausgeprägte Erfolgsorientierung und möchten alles perfekt machen.»

Gleichzeitig habe durch Internet und Smartphones die Geschwindigkeit der Kommunikation deutlich zugenommen. Damit ist auch die ständige Angst verbunden, etwas zu verpassen, wenn man zu lange offline ist.» Abhilfe schaffen will Pro Juventute hier mit einer Online-Plattform, die Jugendlichen Tipps gibt, wie sie ihren Alltag mit weniger Stress gestalten können.

(pam)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tinu am 13.10.2017 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Traurige Zukunft

    Schuld sind die Eltern?!? :) Wohl eher die Wirtschaft und die Anforderungen welche diese schon heute und in Zukunft noch verstärkt von uns abverlangt!!

    einklappen einklappen
  • E. Schweizer am 13.10.2017 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Arme Kiddies

    Lasst doch die Kinder einfach Kinder sein und spielen. Bin ich froh, noch in den 70ern/80ern aufgewachsen sein zu dürfen. Mir tun die Kiddies von heute echt leid.

    einklappen einklappen
  • sam max am 13.10.2017 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder will halt sein Federer

    Was die Eltern früher versäumt haben müssen nun die Kinder ausbaden.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • 94er am 14.10.2017 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Tag zur Schulzeit

    Also ich hatte früh ein Handy (mit 10 Jahren), da meine Eltern getrennt waren und ich regelmässig zu meinem Vater wollte, der 30 Minuten mit den Zug entfernt wohnte. Im Jahr reichten mir 10.- Prepaid. Da kam bei mir die Sek A, welche ich gut abschliess (2010), also ist es noch nicht lange her. Wir hatten Hausaufgabe, jeden tag ca. 1 Stunde, weil ich während dem Unterricht schon damit angefangen habe und die meisten lieber rumgeblödlet haben. Jetzt mach ich eine Technikerschule und die meisten in meiner Klasse heulen rum, dass wir so viele Hausaufgaben haben und ich finde es gut zu erarbeiten.

  • Jöggi am 14.10.2017 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weniger wäre mehr.

    Es ist nun mal so das der Leistungsdruck immer grösser wird, wohl kein gutes Ohmen. Jeder will nur der beste, egal ob am Arbeitsplatz, Schule, Lehre und so weiter. Wer dem nicht genügt hat Heute keine Chancen mehr. Aus diesem Grund wollen Eltern Ihre Kinder fördern, fördern und so weiter. Dazu kommt noch Hobbys wie Fussball, Karate und was noch alles. Ob das gut ist, und wohin die Reise dann geht, weiss mann oft, zu spät, oftmals will man es auch nicht wahrhaben, das das Kind leidet, oder schlaflose Nächte hat. Weniger wehre hier sicher auch mehr.

  • Ursus K. am 14.10.2017 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Probleme an allen Ecken...

    Die Schule mit ihren Aufgaben sind wohl noch die kleinsten Übeltäter. Ohne Handy, fb, whatsapp & Co. hätten die Kinder sicher schon mal eine Stunde täglich mehr Zeit für sich. Zieht man noch die Zeit von Schrottsendungen im TV, netflix usw ab, ist nochmals eine Stunde drinn. Und und und. Es wird massenhaft Zeit verblödet, weil man jeden Hafenkäse glaubt mitmachen zu müssen. Auch die Eltern mit ihren Anforderungen an die Kinder sind nicht unschuldig: Klavierstunden, Tennis spielen, Radfahren, Karate usw. sind gerngesehene Prestigebeschäftigungen der Kinder - für die Eltern!

  • Vater am 14.10.2017 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Zeit für Schule als Arbeitszeit

    Wenn ich mir anschaue, wie lange meine Kinder (4. Klasse Primar und 2. Sek). für die Schule in der Woche arbeiten, nur um den normalen Schulstoff zu erledigen, wären das Vergehen gegen das Arbeitsrecht. Kinder dürfen heute keine Kinder mehr sein. Und die Kommentare gegen die Natels: mit dem Smartphone werden heute andere Dinge gemacht als nur gespielt, das ist zu einfach dahergesagt. Es wird als Wörterbuch, Duden, Lexikon, Atlanten etc. benutzt, Dinge, die man früher in viel längerer Zeit in Büchern suchen musste. Es gibt viele sinnvolle Lernspiele, es können Bücher darauf geladen werden.

    • Durchswasser Water am 14.10.2017 10:46 Report Diesen Beitrag melden

      @Vater

      Verrückt, oder "crazy" wie man heute sagen würde. Um Zugang zu elektronischen Lexika, usw. zu erhalten, braucht es ein Telefon für. Ich dachte ja immer, ein simpler Rechner (auch PC genannt) genüge dafür vollends. (kann man auch Bücher darauf laden, denn solche PC-Gehäuse sind ziemlich tragfähig). Und ja, eben weil die Leute von heute, Lernspiele und Lexika auf den modernen Schlauen-Telefonen so leicht zugänglich haben, sind heute alle so breit und gut gebildet, das kann man schliesslich täglich mehr beobachten...

    einklappen einklappen
  • Therapeutin am 14.10.2017 08:08 Report Diesen Beitrag melden

    Schule stresst

    Ich habe therapeutisch viel mit Kindern zu tun. Nicht nur der Druck der Eltern, sondern vielmehr der Druck durch die Schule führt zu diesem Stress. Die Kinder haben durch zu viel Dchulzeit und dann noch die Hausaufgaben fast keine Zeit mehr für anderes, z. B. Hobbies. Dazu kommt noch, dass fast die Hälfte aller Kinder in eine Therapie muss. Da kann doch etwas am System nicht stimmen.