Doppelmoral?

09. Oktober 2018 21:33; Akt: 09.10.2018 22:52 Print

SRF zeigt Dildo-Test – diesen TV-Spot aber nicht

SRF lehnt Werbespots für einen Erotik-Adventskalender ab. Das stösst bei den Machern auf Unverständnis: Selbst der «Kassensturz» teste Vibratoren.

Dieser Werbespot ist dem SRF zu heiss. (Video: Amorana)
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Ein Mann öffnet im Geschäft eine Duftkerze, riecht daran und sagt: «Das ist ein super Weihnachtsgeschenk!» In Superheldenmanier rauscht eine Frau heran, gibt ihm eine Ohrfeige, reicht ihm einen mit einem Rentier dekorierten Adventskalender und antwortet: «Nein, das ist ein super Weihnachtsgeschenk.»

Umfrage
Können Sie den Entscheid vom SRF nachvollziehen?

Obwohl der Spot für einen Kalender mit Vibratoren, Liebeskugeln oder Badesalzen wirbt, kommt kein anzügliches Wort, keine nackte Haut, noch nicht mal der Begriff Sex vor. Dies, weil der letztjährige Werbespot des Sextoy-Versandhändlers Amorana vom SRF abgelehnt wurde. Doch auch der neue Spot hat bei SRF keine Chance.

Sara Tomasone von der Vermarktungsfirma Admeira, über die Werbung bei SRF gebucht werden muss, sagt zum Werbefilm: «Wir möchten die Werte und Gefühle einzelner Zuschauergruppen nicht verletzen und uns auch aus Imagegründen nicht als Werbeplattform für Sex-Utensilien anbieten.»

«Minderheiten berücksichtigen»

Das erstaunt, hat doch die hauseigene Sendung «Kassensturz» Ende 2017 die meistverkauften Vibratoren der Schweiz eingehenden Tests unterzogen. «Vibratoren haben das Schmuddel-Image abgelegt», heisst es denn auch im «Kassensturz»-Text vielsagend. Seit einigen Jahren verkaufen selbst die Detailhändler Coop und Migros Vibratoren im normalen Sortiment.

Die Einschätzung stimme für eine grössere Bevölkerungsgruppe, sagt SRF-Sprecherin Andrea Wenger. «Als öffentliches Medienunternehmen müssen wir jedoch auch die Wertevorstellungen von Minderheiten berücksichtigen.» Bei einzelnen, selektiv aufbereiteten publizistischen Inhalten habe das Publikum auch die Freiheit, diese nicht zu konsumieren. «Einer breitflächigen Werbekampagne mit zahlreichen Spots dagegen kann sich das Publikum nicht verwehren», sagt Wenger.

Das Tabu brechen

Amorana-Mitgründer Alan Frei wirft SRF Doppelmoral vor. «Unser Spot ist extrem harmlos – wir zeigen weder Haut, noch machen wir irgendwelche Anspielungen auf Sextoys – ganz anders als der ‹Kassensturz›.» Bei anderen Schweizer TV-Sendern sei die Werbung daher kein Problem, sagt Frei: «Prosieben, RTL oder 3+ zeigen alle den Spot, wenn teilweise auch erst ab 22 Uhr.»

Dass die Sender die Werbung erst am späten Abend ausstrahlen wollen, verstehe er durchaus, sagt Frei. Eine Zeitbeschränkung bei SRF hätte er darum auch nachvollziehen können. «Eine pauschale Ablehnung bedeutet aber, die eigenen Zuschauer als unmündig zu erklären.» Laut Frei sei es an der Zeit, dass SRF Sextoys, die offensichtlich bei vielen Leuten Anklang finden, enttabuisiert. «Wir befinden uns schliesslich nicht mehr im Mittelalter.»

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bern_98 am 09.10.2018 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufmerksamkeit

    Et voilà, durch die Medien gewinnt der Spot wohl noch mehr Aufmerksamkeit als wenn er auf SRF gewesen wäre.......clever gemacht Amorana

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  • p. meier am 09.10.2018 23:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Wo bitte sehr herrscht heutzutage keine Doppelmoral mehr?

  • Sara am 09.10.2018 23:00 Report Diesen Beitrag melden

    Plakate

    Lol, riesen Plakate mit Sexspielzeug hingen an Bahnhöfen :P da kann man sich auch nicht entziehen... Ist doch alles harmlos.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lukas Müller am 10.10.2018 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Advent bereits im September

    Mich nervt es, dass seit Ende September für einen Adventskalender geworben wird.

  • Sven Rieder am 10.10.2018 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Meinungsumfrage auf 20Minuten

    Umfrage Können Sie den Entscheid vom SRF nachvollziehen? Ja, Sextoy-Werbung gehört nicht ins öffentliche Fernsehen. 15 % Nein, ein Verbot ist doch pure Prüderie. 58 % Ich würde den Spot nicht verbieten, aber erst nach 22 Uhr laufen lassen. 27 % Insgesamt 2919 Teilnehmer

    • Fritz am 10.10.2018 17:13 Report Diesen Beitrag melden

      @Sven Rieder

      Da fehlt noch die mögliche Antwort: Ich schaue nie SRF

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  • van de weed am 10.10.2018 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt..?

    Mann ! Wissen die denn nicht was sonst alles zu später Stunde im Fernsehen läuft? Da ist dieser Clip ja geradezu lächerlich. Prüderie im Hochformat..

  • Peter Ineichen am 10.10.2018 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weshalb wohl?

    Hat Amorana vielleicht der zuständigen Person beim SRF zu wenig Schmiergeld angeboten?

  • Heinz Sommer am 10.10.2018 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    Der Spot hat aus meiner Sicht nur eines, das verwerflich ist. Und das ist die Gewaltdarstellung mittels einer Ohrfeige. Klar kann man sagen das ist ja nicht, würde hier im Spot aber ein Mann einer Frau eine Ohrfeige geben, wäre das Geschrei riesig. Moralisch bedenklich ist er aus meiner Sicht aber auf keinen Fall.

    • Mi Mi am 10.10.2018 16:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Heinz

      Wenn Sie sich ein wenig mit Werbung befassen, werden Sie bemerken, dass die ganzen "Frau bekommt Ohrfeige" "Frau wird als Teppich benutzt"-Werbespot-Ideen bereits in den 50ern verpulvert wurden und zusammen mit den "Weisses Kind veräppelt schwarzes Kind"-Werbespots in die Tonnne getreten wurden.

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