Von links bis rechts

20. März 2017 11:41; Akt: 20.03.2017 14:00 Print

Jungpolitiker zeigen ihre Glamour-Seite auf Insta

von Mira Weingartner - Party, Champagner, Anzüge und Golfschläger: Auf Social Media präsentieren sich männliche Politiker gern mal als «Rich Kids».

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Wer liegt denn hier mit schmachtendem Blick im Bett und macht ein Selfie? Kleiner Tipp: Er ist Präsident einer Jungpartei. Er posiert auch gern mal mit jungen Frauen auf einer Yacht – oben ohne, versteht sich. Richtig, es ist Andri Silberschmidt von den Jungliberalen. Er spielt auch gern Golf. Er posiert auch gern mit Autos, auch wenn es ein Opel ist. Ein Follower findet es aber schade, dass es kein Porsche ist. Er feiert auch gern. Das ist Philip Kohli, Fraktionspräsident der BDP und CVP im Stadtrat von Bern. Während er in seinen offiziellen Fotos einen Anzug trägt und freundlich lächelt, ... ... gibt er sich privat lockerer. Auf seinem Instagram-Profil posiert er auch mal mit nacktem Oberkörper vor luxuriösen Autos ... ... oder mit jungen Damen. Sein Hobby: Golf spielen. Dieses Hobby teilt er mit einem SVP-Nationalrat, der auch gern Fotos auf Instagram postet. Erkennen Sie ihn? Richtig, es ist Erich Hess, hier mit seinem guten Freund Thomas Fuchs. Hier posiert er mit seiner neuen Freundin unter dem Hashtag #inlove. Ein User fragt mit etwas saloppen Worten nach, wie es im Liebesleben der beiden läuft. Da schaltet sich die Ex-Freundin von Hess ein, und kritisiert den Kommentarschreiber scharf. Auch dieses Bild wird nicht sehr freundlich kommentiert. Auf Instagram hat Hess offenbar viele Feinde. Das ist Nils Fiechter. Er ist im Vorstand der Jungen SVP Bern. Er behält seinen Anzug auch auf Instagram an, besonders hervorheben will er offenbar die pinkfarbene Krawatte. Auch ein Filter wird mal ausprobiert. Das ist Adrian Spahr, Vorstandsmitglied der Jungen SVP Bern. Prägen Sie sich seine Kleidung genau ein, denn ... ... auf Instagram hat er selten viel an, ... ... vor allem seinen muskulösen Oberkörper zeigt der Latino gern ... .... und oft. Auch seine Trainings-Fortschritte werden dokumentiert. Auch ein Rücken könne entzücken, schreibt er zu diesem Bild. Er ist auch stolzer Panzergrenadier. Ein letztes Bild von seinem gestählten Oberkörper, dann geht es ab in die Uniform. Er posiert auch mit Waffen, ... ... in verschiedenen Ausführungen. Das ist Pascal Staehli, Medienverantwortlicher bei der jungen FDP. Er zeigt sich auf seinem Instagram-Profil mit einer Flasche Gin in der Hand, ... ... drei Flaschen Rum und Zigarren. Mehr hochprozentiger Alkohol und Raucherwaren ... ... oder ein Bärner Müntschi. Auch er mag es, vor Autos zu posieren. Seinen Bart pflegt er mit diesen Utensilien. Das ist David Stampfli, SP-Grossrat in Bern. Auch er posiert gern oben ohne, hier mit Parteikollegin Ursula Wyss. Er kann aber immerhin geltend machen, dass er in Wassernähe nun mal in Badebekleidung unterwegs ist. Auch einen romantischen Moment mit seiner Partnerin hat er auf Instagram gepostet. Beim Gespräch mit dem Wähler lässt er sich ebenfalls ablichten. Und die Frauen? Das ist Juso-Frau Barbara Keller. Ihr Hobby laut Instagram-Profil: Tanzen. Sie posiert gern mit Freunden ... ... oder postet Katzenbilder. Das ist Anna Wartmann, FDP-Politikerin im Kanton Aargau. Sie geht gern an Pferderennen, mit Hut, wie es sich gehört. Oder auf Wanderung unter dem Hashtags #WandernmitAnna.

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Während der Präsident der Jungfreisinningen, Andri Silberschmidt (23), in Badehosen und in Begleitung junger Frauen vor einer Jacht posiert, präsentiert Vorstandskollege Pascal Stäheli (27) öfter seine teure Zigarren- und Whiskey-Sammlung auf Instagram.

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Das Interesse für Bling-Bling-Posts scheint aber nicht nur bei Jungfreisinnigen vorhanden zu sein: So präsentiert sich der Berner Stadtrat und BDB/CVP-Fraktionspräsident Philip Kohli (25) auf Instagram mal oben ohne vor einem teuren Bentley-Cabrio, dann postet er Bally-Geschenke oder lichtet sich auf dem Golfplatz ab. Auch Silberschmidt und SVP-Nationalrat Erich Hess (35) ernten von der Insta-Community für ihre Golf-Abschläge unzählige Likes.

Während Hess seine Follower zusätzlich mit Pärchen- oder Hunde-Selfies bei Laune hält, ist das Programm seines Parteikollegen Adrian Spahr (22) monothematischer: Dieser veröffentlicht auf Instagram auffällig viele Fotos seines durchtrainierten Oberkörpers – als Spiegel-Selfie, im Sonnenlicht oder gern auch in Nahaufnahme. Diese Posts wechseln sich regelmässig mit Fotos seines teuren Audis und Armee-Erinnerungsfotos ab.

«Null Planung» und #justforfun

Steckt dahinter politisches Kalkül oder sind die Posts #justforfun? «Ich finde es wichtig, dass man auf Instagram authentisch rüberkommt», sagt Andri Silberschmidt. Auf dieser Plattform sei er vor allem privat unterwegs – «für mein Profil habe ich also auch keine Redaktionsplanung», sagt der Politiker mit der stets perfekten Frisur. «Null Planung» hat auch BDPler Kohli bei der Bewirtschaftung seines Accounts. Und wieso all dieser Luxus? «Ich veröffentliche, was mir gefällt.» Er habe zwar eine Vorliebe für «schöne, ästhetische, einzigartige oder spezielle» Sachen, «doch oberflächlich bin ich nicht». Allgemein nutze er Instagram nicht mit politischer Absicht, «dafür ist das Format gar nicht geeignet».

Dem widerspricht Experte Flavio Bundi. Als Bereichsleiter des Portals Easyvote versucht er unter anderem via Instagram, die junge Generation zu politisieren: «Die Plattform kann Politik und Politiker den Jugendlichen näherbringen.»

Sixpack-Spahr weckt Interesse für seine Politik

Diese Erfahrung hat auch JSVPler Adrian Spahr gemacht. Dank den verwendeten Hashtags wie #patriot oder etwa #jsvp würde er die gewünschte Zielgruppe erreichen. «Ich erhalte deshalb immer wieder Anfragen von jungen Instagramern, die sich für meine Politik interessieren oder gar unserer Partei beitreten wollen.» Parteiintern habe er aber auch schon Rüge erhalten, «meine Waffen-Bilder sehen vielleicht manchmal schon etwas gefährlich aus».

Das A und O auf Instagram sei es, die Sprache der Nutzer zu beherrschen, weiss Experte Bundi: «Dazu gehört auch, Persönliches preiszugeben.» Besonders lobt er dabei das Profil von Silberschmidt: «Er hat einen guten Mix aus Persönlichem und Politischem.» Instagramer würden genau auf solche Profile abfahren.

Polarisiernde Posts können Interesse wecken

Ob sich aber etwa Kohli bewusst sei, dass auch er auf Instagram als Politiker wahrgenommen werden könnte, kann Bundi nicht einschätzen. «Man muss der Community zwar nah sein, doch stets gilt es zu prüfen, welche Message man mit seinen Beiträgen verbreitet.»

Im Grossen und Ganzen glaubt Flavio Bundi aber, dass die Botschaft der einzelnen Polit-Instagramer bei der Zielgruppe ankommt. «Gerade polarisierende Posts wecken Interesse – vielleicht googelt dann jemand die Typen und merkt, dass sie auch politisch interessant sein könnten.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ruedi am 20.03.2017 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Tja....

    das passiert eben, wenn 80% der Schweizer durch Erben und nicht mehr durch Arbeiten reich geworden ist.

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  • Frau27 am 20.03.2017 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke

    Und so was wird in der Schweiz mal im BR sitzen und was zu sagen haben? Ich plane jetzt schon meine Auswanderung. Diese möchtegern Rich-Kids werden von mir keinen Rappen sehen!

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  • Alex am 20.03.2017 11:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Protz statt Taten und Handeln

    Die Jungen sind wie die Alten, Protzen ohne Verantwortung und nebenbei geht es mit dem Land bergab. Da sieht man gleich was bei den zukünftigen Landesvertretern Prio hat. So sad! Sowas ist unwählbar für mich, es widert mich nur an!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Michel Lussana am 21.03.2017 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Menschen, wie du und ich.

    Sind halt auch nur Menschen, was Politiker zumindest wieder ein klein wenig sympathischer erscheinen lässt. So what? Ich meine, für das mediale Sommerloch ist es noch zu früh. Und der FDP Fraktionspräsi sieht doch geil aus! :-)

  • Mr. Money am 21.03.2017 07:12 Report Diesen Beitrag melden

    Anerkennung

    Ich sehe nichts Schlechtes an Reichtum und dem damit verbundenen Spass. Ich bin stolz reicher Erbe zu sein und je mehr andere ihren Neid und ihre Missgunst zeigen, desto mehr fühle ich mich auf meinem Weg bestätigt. Neid ist die schönste Form der Anerkennung.

  • Omega am 21.03.2017 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    ein grosses Problem

    die Reichen - Links oder Rechts regieren die Armen.

  • Lulu am 21.03.2017 04:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unschöne Sitten

    Die selbstverliebten Halbnackten sind nicht der Aufsteller des Tages.

  • meine Güte am 21.03.2017 01:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spinnts öich?!

    Ich sehe das Probelem nicht? Was soll genau so schlimm sein an den Bildern und Sachen die die Jungen tun? Warum haben denn die Alten hier immer das Gefühl die Jungen wären faul und verwöhnt und was weiss ich was?