Schweizer Armee

13. November 2017 05:46; Akt: 13.11.2017 07:27 Print

Hunderte versäumen den Militärdienst

von Jennifer Furer - Zahlen der Militärjustiz zeigen: Immer mehr Militärangehörige versäumen ihren Dienst. Es drohen Arrest, Bussen und Geldstrafen.

Bildstrecke im Grossformat »
Immer wieder kommt es aber vor, dass Militärangehörige, von Offizieren bis Soldaten, die einen Militärdienst leisten müssen, diesen versäumen. Wie Zahlen der Militärjustiz, die 20 Minuten vorliegen, zeigen, muss sich diese immer wieder mit Dienstversäumern auseinandersetzen. Ein Dienstversäumnis begeht nicht nur, wer seinen Dienst nicht antritt, sprich nicht einrückt, sondern beispielsweise auch, wer nicht am Orientierungstag oder an der Rekrutierung teilnimmt. Das Militärdienstversäumnis kann sowohl vorsätzlich als auch fahrlässig begangen werden. Dabei kann das vorsätzliche Militärdienstversäumnis mit einer Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen Geldstrafe bestraft werden, das fahrlässige Militärdienstversäumnis wird mit einer Busse bestraft. Beide Varianten sehen einen sogenannten leichten Fall vor, welcher disziplinarisch erledigt werden kann. Wie Armeesprecher Daniel Reist sagt, kann in solch einem Fall beispielsweise der Kompaniekommandant maximal zehn Tage Arrest oder eine Disziplinarbusse bis höchstens 500 Franken verhängen. Im Jahr 2014 wurden rund 674 Schuldsprüche wegen Militärdienstversäumnissen ausgesprochen. Die Zahl nahm im darauffolgenden Jahr um etwa 100 Fälle ab. 2015 wurden 570 Urteile ausgesprochen. 2016 stieg die Zahl wieder um knapp 90 Fälle auf 656 Urteile wegen Militärdienstversäumnissen. Armeesprecher Reist sagt, dass die meisten Vergehen nicht mit voller Absicht erfolgen würden. «In vielen Fällen vergessen die Männer den Dienst zu verschieben. Sie erhalten ein Aufgebot und merken erst zu spät, dass sie hätten einrücken sollen», so Reist. Es komme auch vor, dass kurzfristig etwas Familiäres oder Berufliches dazwischenkommt.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Jeder männliche Schweizer Bürger ist ab dem 18. Lebensjahr verpflichtet, Militärdienst zu leisten. Immer wieder kommt es aber vor, dass Militärangehörige diesen versäumen, indem sie beispielsweise nicht einrücken. Wie Zahlen der Militärjustiz, die 20 Minuten vorliegen, zeigen, muss sich diese immer wieder mit Dienstversäumern auseinandersetzen.

Ein Dienstversäumnis begeht nicht nur, wer seinen Dienst nicht antritt, sprich nicht einrückt, sondern beispielsweise auch, wer nicht am Orientierungstag oder an der Rekrutierung teilnimmt. Das Militärdienstversäumnis kann sowohl vorsätzlich als auch fahrlässig begangen werden.

Leichte Fälle können disziplinarisch geahndet werden

Dabei kann das vorsätzliche Militärdienstversäumnis mit einer Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen Geldstrafe bestraft werden, das fahrlässige Militärdienstversäumnis wird mit einer Busse bestraft. Beide Varianten sehen einen sogenannten leichten Fall vor, welcher disziplinarisch erledigt werden kann. Wie Armeesprecher Daniel Reist sagt, kann in solch einem Fall beispielsweise der Kompaniekommandant maximal zehn Tage Arrest oder eine Disziplinarbusse bis höchstens 500 Franken verhängen.

Im Jahr 2014 wurden rund 674 Schuldsprüche wegen Militärdienstversäumnissen ausgesprochen. Die Zahl nahm im darauffolgenden Jahr um etwa 100 Fälle ab. 2015 wurden 570 Urteile ausgesprochen. 2016 stieg die Zahl wieder um knapp 90 Fälle auf 656 Urteile wegen Militärdienstversäumnissen.

Zahlen in der Realität deutlich höher

Die Anzahl Versäumer dürfte in der Realität noch einiges höher sein, wie Mario Camelin, Sprecher der Militärjustiz, sagt. Es gelte zu beachten, dass zahlreiche sogenannt leichte Fälle durch die Truppe oder die zuständige Verwaltungsbehörde behandelt werden. Über die Anzahl Administrativ- und Disziplinarverfahren führt die Armee keine zentrale Statistik, wie Armeesprecher Reist sagt.

Zu den Versäumnissen sagt Reist: «Es stellt nicht ein grosses Problem dar. Wenn man die Zahlen ansieht, ist es ein kleiner Bestandteil der Armeeangehörigen, die ihren Dienst versäumen.» 2016 verzeichnete die Armee rund 166'500 Angehörige. 2015 waren es noch knapp 170'000, 2014 lagen die Effektivbestände bei 176'700. Während also die Urteile wegen Militärdienstversäumnissen zunehmen, verringert sich der Personalbestand der Armee. Die Gründe dafür erschliessen sich Reist nicht.

Auslandreisen als Grund?

Reist sagt aber, dass die meisten Vergehen nicht mit voller Absicht erfolgen. «In vielen Fällen vergessen die Armeeangehörigen den Dienst zu verschieben. Sie erhalten ein Aufgebot und merken erst zu spät, dass sie hätten einrücken sollen», so Reist. Es komme auch vor, dass kurzfristig etwas Familiäres oder Berufliches dazwischenkommt.

Lewin Lempert, Sekretär der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA), die unter anderem Beratungen für Armeeangehörige macht, stimmt dem zu. Er sagt: «Es kommt oft vor, dass der Militärdienst schlicht vergessen geht. Trotzdem raten wir den Leuten, sich einigermassen an die Regeln zu halten, und helfen dabei, ohne Konflikt mit der Militärjustiz von der Armee wegzukommen. Das vereinfacht das Leben massiv.»

Über den Anstieg der Urteile wegen Militärdienstversäumnissen vom Jahr 2015 auf 2016 von 570 auf 656 Fälle sagt Lempert: «Ich vermute, es hat damit zu tun, dass junge Menschen vermehrt ins Ausland gehen und vergessen, sich abzumelden.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sven am 13.11.2017 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    in einem

    spital erlebte ich zivildienstleistende. die waren fast so gut wie das personal.

  • Bernd das brot am 13.11.2017 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dienstverweigerer

    Wer ins militär will der versäumt es nicht.

    einklappen einklappen
  • Frido Lin am 13.11.2017 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Militär für fast nichts

    Gebt mir ein par Daumen nach unten, ich bin im Zivildienst und stolz drauf:)

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • I_AM_VAMPIRE am 13.11.2017 09:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    echt jetzt?

    Ich finde Militär sollte freiwillig sein. Zivildienst ist sicher sinnvoller. Als ich eingebürgert wurde, hiess es, ich sei zu alt fürs Militär. Trozdem musste ich nachzahlen. Und zwar 4500 fr in 5 Raten. Und 900 fr kammen auch jeden Monat bis der Betrag einbezahlt wurde. Ich hab nachgefragt, ob ich wenigstens Zivildienst machen könnte. Es hiess, nein, so sind die Gesetze. Hat zwar jetzt nicht unbedingt mit dem Thema zu tun, wollts nur mal loswerden.

  • Hansimausi am 13.11.2017 09:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum wohl?

    Es liegt doch auf der Hand das es keinen Sinn macht, eine Truppe aufzubauen wenn man die hälfte eben dieser dazu zwingen muss an einer gemeinsamen Übung teilzunehmen. Das System wie es so ist ist nur schon rein ökonomisch gesehen kompletter schwachsinn. Es sollen nur die ins Militär die dies auch wirklich wollen, dann hätte man nur, wie ihr so zu glauben meint, "die wahren Männer". Desweiteren würden die Kosten sinken, man könnte mehr in neue Technologien investieren und man könnte unsere Armee auch wirklich brauchen.

  • Der Stadthalter am 13.11.2017 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt immer einen Weg!

    Militär hat noch keinem geschadet und wer wirklich nicht einrücken will, könnte dies auch über den offiziellen Weg abklären lassen!

  • Julian Marti am 13.11.2017 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum gezwungen werden?

    Es ist nicht schlecht, dass es das Militär gibt. Aber es ist schlecht das die Leute gezwungen werden dahin zu gehen. Wenn ich nicht freiwillig und mit überzeugung dem Vaterland dienen will sondern nur unter Androhung von Straffen dazu gezwungen werde, ist es wohl klar das ich bei einem echtem Kriegseinsatz meine Sachen packe und gehe. Wenn 80 % der Leute Unmotiviert sind und einfach Ihre Zeit ab sitzten kann das ja nicht effizient sein. Weshalb prüft man nicht ob ein Berufsarmee, mit Motivierten Menschen welche dazu stehen was sie tun, besser wäre?

  • Liechtensteiner am 13.11.2017 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wäre gern ins Militär gegangen...

    ...es wäre eine bereichernde Erfahrung gewesen. Aber ich wir haben kein Militär in Liechtenstein.