Neue Kampagne

19. Mai 2017 16:26; Akt: 19.05.2017 16:59 Print

Freunde lassen betrunkene Jugendliche im Stich

Die Stadt Lausanne warnt in einer Kampagne gegen Alkoholmissbrauch, dass betrunkene Jugendliche von ihren Freunden allein gelassen werden – ein schweizweites Phänomen.

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Weil sich die Konstellationen im Lauf des Ausgangs ändern, sind betrunkene Jugendliche manchmal plötzlich allein. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

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Im Rahmen der Kampagne «Pote bourré = Pote en danger» (Betrunkener Kumpel = Kumpel in Gefahr) ruft die Stadt Lausanne Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren dazu auf, solidarisch zu bleiben – vor, während und nach dem Feiern.

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Wurden Sie schon betrunken alleine gelassen?

Das Problem: Jugendliche trinken oft bei jemandem zu Hause vor und gehen anschliessend bereits stark alkoholisiert in den Ausgang oder verbringen den ganzen Abend mit Trinken in einer Wohnung. Irgendwann finden sie sich von den Freunden allein gelassen, handlungsunfähig und sturzbetrunken wieder. Beispielsweise, wenn sie im Alkoholrausch nicht mehr allein nach Hause kommen.

Wechselnde Konstellationen und unterschätztes Risiko

«Dieses Phänomen ist eine Entwicklung, die beobachtet werden kann», sagt Philipp Frei, Sprecher des Blauen Kreuzes. Noch handle es sich um eine Minderheit, betont er.

Weshalb Jugendliche ihre betrunkenen Freunde allein lassen, dafür gibt es verschiedene mögliche Erklärungen. «Die Verbindlichkeit hat in den letzten Jahren abgenommen», sagt Frei. «Man geht nicht mehr unbedingt ‹zusammen› in den Ausgang, sondern in wechselnden Konstellationen über den Abend verteilt. Entsprechend nimmt das Verantwortungsbewusstsein ab.» Ausserdem werde das Risiko unterschätzt, da Alkohol legal erhältlich ist und somit vermeintlich ungefährlich sei.

Es geht auch anders

Auch die Preise spielen eine Rolle: «Für 5 bis 10 Franken kann man genug Alkohol kaufen, um sich ins Spital zu trinken», sagt Frei. Zudem hätten einige Jugendliche Angst, die Sanität zu alarmieren, weil sie Probleme befürchten würden. «Entsprechend ist die Hemmschwelle hoch.»

Jugendpsychologe Leo Gehrig hat noch eine weitere Erklärung, die er auch bei Drogensüchtigen beobachtet hat: «Wenn die Freunde betrunken sind, sind sie so sehr in ihrer Welt, dass sie nicht mehr offen sind für die Not der anderen.» Gehrig warnt jedoch, von einem allgemeinen Trend zu sprechen. «Ich habe auch häufig anderes erlebt, etwa dass Jugendliche einer stark betrunkenen Person geholfen haben.»

«Fünf Franken für einen Vollrausch sind zu billig»

Um dem Phänomen der fehlenden Solidarität vorzubeugen, betreiben Fachstellen Prävention und Aufklärung. Auch das Blaue Kreuz beteiligt sich daran und bietet etwa Events in Schulklassen oder Kampagnen an. «Wichtig ist dabei auch die Information über die gegenseitige Verantwortung und das Vorgehen bei einem Notfall», erklärt Frei.

Auch höhere Preise für Alkohol würden den Konsum senken, wie Studien und Erfahrungen zeigen. «Es geht dem Blauen Kreuz nicht darum, Alkohol zu einem Luxusgut zu machen. Aber 5 Franken für einen Vollrausch sind zu billig», so Frei.

Wurdest du schon von einem Freund im Stich gelassen, als du betrunken warst? Oder hast du dich schon selbst einmal von einem betrunkenen Freund entfernt? Erzähle uns, wie es dazu kam via feedback@20minuten.ch!

Das aktuelle Video zur Kampagne aus Lausanne:

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Phil am 19.05.2017 16:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Freunde"

    Unter diesem Begriff versteh ich aber ganz was anderes. Jemand, der einen liegen lässt, ist sicher kein Freund ^^

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  • mikee am 19.05.2017 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Hmmm

    «Für 5 bis 10 Franken kann man genug Alkohol kaufen, um sich ins Spital zu trinken» Zeigt mir mal einer bitte diesen Laden? Für 13CHF bekomm ich gerade mal ein Sixpack Corona...

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  • Heudi am 19.05.2017 16:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vollrausch!?

    Mit was bekomme ich einen Vollrausch für 5.--?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Death Parade am 19.05.2017 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jaja

    freunde lassen sich nicht gegenseitig liegen. mein kumpel sah auf fb ein bild und kamm von solothurn nach basel nur um mich zum anderen kumpel nachhause zubringen damit ich nicht irgendwo im gebüsch liege

  • china am 19.05.2017 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alkohol Preis erhöhen

    Von mir aus könnte man den Alk Preis vervierfachen und dafür den Hanf legalisieren. Ich bin überzeugt, das würde den exzessiven Alkohol Gebrauch jugendlicher drastisch einschränken.

  • fritz am 19.05.2017 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    genau

    abends rumhängen sich voll laufen lassen und das mit 13 die haben noch nix verloren im Ausgang und dann solkte die Schule noch später anfangen wegen solchen Typen?angeblich wegen zu wenig ausgeruht wenn ich nur dran denke wird mir schon übel ohne Aluhol..werden die gar nicht mehr erzogen?schlimm.

  • Shaka freak am 19.05.2017 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hallo?

    Sowas würde nie passieren unter unseren freunden.... Richtigen freunden

  • Nationless am 19.05.2017 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was mit Selbstverantwortung?

    Ach Herrje! Die Jugendlichen sollen doch gefälligst Verantwortung für ihres Tun und Lassen übernehmen und endlich in der Welt ankommen welches kein Ponyhof ist. Wollen sie Hilfe nach ihrem Rausch sollen sie mit Eltern erleben können. Ich konnte mich auch nicht einfach so im Ausgang besaufen da ich alleine auskommen muss. Daher machte ich das wie ein Alki nie, weil mir erstens kein Vergnügen bereitet, ich es als unnötig empfinde und die Konsequenzen nicht tragen will.